DDR-Geschichte praxisnah und gegenwartsbezogen unterrichten

Wie lässt sich Geschichte so unterrichten, dass sie zum kritischen Denken anregt? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Workshopreihe mit Lehramtskandidat:innen am Pädagogischen Zentrum Potsdam, das zum LIBRA – dem Landesinstitut Brandenburg für Schule und Lehrkräftebildung – gehört. Die Workshops sind Teil des mehrjährigen Bildungsprojekts „Un-Verfälscht“ der Stiftung Garnisonkirche Potsdam, das gemeinsam mit Partnern umgesetzt wird.

Die Zusammenarbeit erfolgt mit dem Fachseminar Geschichte, das von der Coachin Katrin Leubner geleitet wird und an dem 15 Lehramtskandidat:innen mitwirken. Die Workshopreihe startete bereits im Oktober 2025. In der ersten Sitzung wurden grundlegende Fragen behandelt – etwa, wie Schüler:innen im Geschichtsunterricht zum eigenständigen Denken angeregt werden können. In der zweiten Sitzung setzten sich die Teilnehmenden mit zentralen Begriffen wie „Geschichtsrevisionismus“ auseinander und reflektierten erste Praxiserfahrungen.

Hana Hlásková, Bildungsreferentin der Stiftung Garnisonkirche Potsdam, legte dabei einen besonderen Fokus auf aktuelle Herausforderungen: „Viele angehende Lehrkräfte erleben bereits im Referendariat, dass Schüler:innen Begriffe und historische Bezüge aus politischen Debatten oder sozialen Medien übernehmen. Gemeinsam haben wir erste Strategien entwickelt, um solche Aussagen einzuordnen, kritisch zu hinterfragen und produktiv im Unterricht aufzugreifen.“

Ein wichtiger Baustein der Reihe ist die Arbeit am außerschulischen Lernort. In der Garnisonkirche erhielten die Lehramtskandidat:innen im Dezember 2025 einen Einblick in die Ausstellung und analysierten historische Darstellungen direkt vor Ort. In Gruppen untersuchten sie Bilder und Narrative zur DDR und entwickelten erste Ideen für den Einsatz im Unterricht. Dabei ging es auch um Deutungskämpfe – etwa um die Sprengung der Garnisonkirche 1968 und die heutige Debatte um ihren Wiederaufbau.

Im weiteren Verlauf rückte die didaktische Perspektive stärker in den Mittelpunkt. Hierzu boten Katrin Leubner und Hana Hlásková im Januar 2026 eine Werkstattphase an, an der 17 Lehramtskandidat:innen unterschiedlicher Fächer teilnahmen. Dabei wurden vorhandene Materialien analysiert und erprobt, die sich auch für den fächerübergreifenden Einsatz eignen – neben Geschichte etwa für Biologie, Mathematik, Musik oder Sport. Die Teilnehmenden entwickelten zudem vielfältige eigene Unterrichtsideen – von der Arbeit mit Biografien über Bildanalysen bis hin zu Lernanlässen mit Gegenwartsbezug. Gemeinsamer Bezugspunkt war dabei die Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe.

Beim nächsten Termin Ende April an einem weiteren außerschulischen Lernort – dem Filmmuseum Potsdam – wird der Blick auf Medien und filmische Darstellungen der DDR gerichtet.

So entsteht Schritt für Schritt ein praxisnaher Zugang: Die Teilnehmenden erproben Methoden, reflektieren ihre Rolle als Lehrkraft und entwickeln konkrete Ideen, wie sie Schüler:innen dazu befähigen können, historische Darstellungen kritisch zu hinterfragen.

 

Mit dem Bildungsprojekt „UnVerfälscht“ ist die Stiftung Garnisonkirche Potsdam bis 2028 Teil des Bundesprogramms Jugend erinnert / Richtlinie SED-Unrecht, dass durch den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) gefördert wird. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie junge Menschen Propaganda, Geschichtsverzerrungen und antidemokratische Narrative – damals in der DDR wie heute – erkennen und ihnen aktiv entgegentreten können. Ziel ist es, historisches Wissen mit Medienkompetenz und Demokratiebildung zu verbinden und zur kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart zu ermutigen. Die Ergebnisse fließen in eine digitale Material- und Methodensammlung ein.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Lernplattform der Stiftung. Den Projektverlauf können Sie zudem auf dem Instagram-Kanal un_verfaelscht verfolgen.