Solidarisch Kirche sein – damals und heute


40 Jahre nach der Gründung des oppositionellen Netzwerks „Arbeitskreis Solidarische Kirche“ (AKSK) kamen am 5. Oktober 2026 ehemalige Mitglieder, Bürgerrechtler und weitere Interessierte in der Garnisonkirche Potsdam zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, was wir aus den Erfahrungen der DDR für ein solidarisches Miteinander heute lernen können.
Der im Oktober 1986 gegründete Arbeitskreis Solidarische Kirche setzte sich für mehr Mitbestimmung, Menschenrechte und einen offenen Umgang miteinander ein – nicht nur in der DDR-Gesellschaft, sondern auch innerhalb der evangelischen Kirche. Die Mitglieder kritisierten Machtmissbrauch und autoritäre Strukturen, suchten den Austausch mit oppositionellen Gruppen außerhalb der Kirche und machten auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam.
Die Jubiläumsveranstaltung begann bereits am Nachmittag mit einem Wiedersehen bei Kaffee und einer eigens für das 40-jährige Jubiläum gestalteten Torte. Für viele der ehemaligen Weggefährtinnen und Weggefährten war es fast wie ein Klassentreffen: Erinnerungen wurden ausgetauscht, alte Kontakte aufgefrischt und gemeinsame Erfahrungen lebendig.
Nach einer Andacht mit Pfarrerin Dörte Wernick eröffnete die Kirchenhistorikerin Prof. Dr. Katharina Kunter mit ihrem Vortrag „Demokratie wächst von unten“ den inhaltlichen Teil des Abends. Anschließend diskutierten Marie-Luise Gürtler, Dorothea Höck, Adam Krzemiński, Katharina Kunter und Wolfgang Templin, moderiert von Stephan Bickhardt, über die Bedeutung solidarischen Handelns damals und heute.
Dabei ging es auch um gesellschaftliche Polarisierung, Ausgrenzung und die Frage, welche Verantwortung Kirchen heute übernehmen können. Besonders deutlich wurde der Wunsch nach offenen Räumen, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Überzeugungen und Generationen miteinander ins Gespräch kommen können. Dorothea Höck, Mitbegründerin des AKSK, betonte die Bedeutung des Austauschs über kirchliche Kreise hinaus. Auch Pfarrerin Marie-Luise Gürtler warb dafür, kirchliche Räume stärker für zivilgesellschaftliche Initiativen zu öffnen.
Auch für die Garnisonkirche Potsdam ist diese Frage von besonderer Bedeutung: Als historisch belasteter und bis heute kontrovers diskutierter Ort möchte sie Raum für unterschiedliche Perspektiven, kritische Fragen und offene Gespräche bieten. Die Veranstaltung zeigte, wie ein solcher Austausch hier stattfinden kann.
Die Veranstaltung fand im Rahmen des Bildungsprojekts „Vom Transparent zur Stimme“ statt, das an den Internationalen Olof-Palme-Friedensmarsch 1987 erinnert und nach Handlungsspielräumen für Frieden und gesellschaftliche Veränderung damals und heute fragt.
Ein herzliches Dankeschön gilt dem Vorbereitungsteam mit Joahim Goetz, Dorothea Höck, Hannah-Maria Liedtke, Frank Otto und Lothar Tautz und sowie allen weiteren Mitwirkenden, Zeitzeug:innen und Gästen für ihr Engagement, ihre Erinnerungen und die offenen Gespräche.
Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. durchgeführt und von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.
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