21.09.2013 | VII. Jazz|gott|es|dienst am 21.9.2013

Musik: Annette Wizisla & Ulli Bartel Predigt zu Hiob 28   Friede sei mit euch und Gnade, von dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen. Weh … ww Wo wohnt die Weisheit? Weh… ww Wie werd ich weise, das alles frag ich mich, und suche sie, verzweifelt manchmal, manchmal

Musik: Annette Wizisla & Ulli Bartel

Predigt zu Hiob 28

Friede sei mit euch und Gnade, von dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen.

Weh … ww

Wo wohnt die Weisheit?

Weh… ww

Wie werd ich weise,

das alles frag ich mich, und suche sie, verzweifelt manchmal, manchmal ganz entspannt, doch hör ich niemals auf damit.

Ich grabe, wühle mich durchs Leben, das manchmal dunkel scheint, ganz wie das Innere von Bergen, in denen zwergenklein ich unterwegs bin.

Und je größer wird der Berg, desto kleiner wird der Zwerg, der seinen Schatz darin vergräbt,

der sich im Berg unsichtbar umsieht und glaubt, es gibt da keinen, der ihn sieht.

Doch sieht er selber nicht, der Zwerg,

kein Schatz, kein Licht, weil Nebel ihn umgibt,

es ist der Nibel-Lungen Atem,

jene riesenhaften Schattengestalten, die – sobald sich der Nebel unsrer Augen lichtet und wir sie leibhaftig vor uns sehen, nur Zwerge sind.

So bleibt, die Frage: wer groß ist und wer klein in Licht und in Dunkelheit und im Nebel…

und es bleibt die Frage: Wo wohnt die Weisheit – wie werde ich weise?

Fragen bleiben wenn ich weiß, dass nicht alles ist, wie´s auf den ersten Blick erscheint, wer groß ist und wer klein…

Wenn ich frage, beginnen meine Schatten zu tanzen, weil der Nebel sich lichtet.

Es waren stets die sogenannten kleinen Leute, das fällt mir dabei ein, beim Grübeln über Hiob, beim Grübeln wie Hiob über Weisheit, da fällt mir ein,

es waren stets die kleine Leute,

praktische Geister, Handwerker und Ingenieure,

fleißige und beharrliche Leute, die Hand anlegten an die Felsen

und die Berge von Grund auf umgruben.

Wir wohnen in Häusern, von ihnen gebaut,

wir tanzen auf Brettern von ihnen gezimmert,

wir gehen und fahren auf Wegen und Straßen, von ihnen geschaffen,

Sie geben unserer Welt ihr menschliches, allzu-menschliches Antlitz.

Sie brechen Stollen durch die Felsen, und alles, was kostbar ist, sieht das Auge – ihr Auge mindestens.

Sie wehren dem Tröpfeln des Wassers und bringen, was verborgen ist, ans Licht.

Ihr Schmuck ziert uns und unseren Altar.

Sie bauen Kirchen und Türme, die weit in den Himmel von Potsdam aufragen… (aufragen) werden,

mit ihrer Hilfe ließe sich heute und hier schon der Grundstein des neuen Jerusalem legen:

Und die Grundsteine der Mauer um die Stadt wären geschmückt mit allerlei Edelsteinen. Der erste Grundstein soll ein Jaspis sein,

der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon,

der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx,

der sechste ein Sarder, der siebente ein Chrysolith,

der achte ein Beryll, der neunte ein Topas,

der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth,

der zwölfte ein Amethyst.

(So sah es Johannes auf Patmos)

Der Lehrer Deutschlands, der Precaeptor Germaniae,

Hrabanus Maurus lehrt uns, auf welchem Grund das himmlische Jerusalem steht:

Der Chrysopras ist die Tat und der Lohn der Märtyrer,

der Jaspis steht für Glaubenskraft,

der Saphir für den Wandel im Himmel,

der Smaragd steht für die Glaubensstärke im Unglück sowie für die göttliche Gnade,

der Topas ist das inbrünstige Gebet

und der Amethyst ist das fromme, demütige Denken, er steht für… die Weisheit.

Das ist sie wieder die Frage…

Wo will man aber die Weisheit finden? Und wo ist die Stätte der Einsicht?

Im Mythos graben Zwerge sich in Berge,

in Wahrheit vergraben wir uns in die Welt, vergraben uns in uns,

als Zwerge mal und mal als Riesen, vergraben uns in Welt und Leben.

Und Niemand weiß, was es am Ende wert ist,

denn die Weisheit wird nicht gefunden im Lande der Lebendigen.

Meine Tiefe spricht: „In mir ist sie nicht”,

und das Meer in uns ruft: „Bei mir ist sie auch nicht.”

Man kann nicht Gold für sie geben noch Silber darwägen, sie zu bezahlen.

Ihr gleicht nicht Gold von Ofir oder kostbarer Onyx und Saphir.

Und doch: Ich grabe und grübel, ich suche und frage,

aber wer kann mir sagen:

Woher kommt denn die Weisheit? Und wo ist die Stätte der Einsicht?

Mir scheint, sie ist verhüllt vor den Augen aller Lebendigen,

auch verborgen den Vögeln unter dem Himmel.

Der Abgrund und der Tod sprechen:

„Wir haben mit unsern Ohren nur ein Gerücht von ihr gehört.”

Kein Mythos zeigt mir den Weg, egal wie alt er ist, egal wie neu

kein anderes Leben kann sie mir zeigen, sei es riesig oder klein,

und selbst der Tod, der alles Leben schließt, (jener letzte Tanz) fragt nur: wo soll sie sein?

Und doch:

Hörensagen und Suchen und Fragen

all das zeigt mir, sie ist hier!

Ich dreh mich beschwingt um sie herum,

denn Ich ahne sie, ab und an,

hab ich sogar das Gefühl, sie zu kennen,

sie zu spüren, nach ihr zu handeln, weil sie mich führt.

Kopf hoch! Ahnst du sie auch? Dann Tanz!

Es sind Momente nur, nur Augenblicke, dann wenn in Jerusalem,

im himmlischen die Edelsteine blitzen, dann tanzen sie, die Menschen, die schon wohnen an diesem Ort, sie tanzen und ich mache mit – manchmal für Augenblicke

nur, dance then wherever you may be, egal wo ich bin, Gott lehrt mich tanzen schon jetzt, wie einst, because I am the Lord of the dance said he.

Und dann in meinem Berg, beginne ich zu begreifen, dass Suchen und Fragen nicht immer alles ist, das Finden auch Lassen ist, tun und lassen und zwischendurch immer wieder mal tanzen!

Dann, ja dann habe ich und habt ihr die Kraft zu ihm zu sprechen und zu beten:

Gott, so zeige Du mir den Weg zur Weisheit, denn Du allein kennst ihre Stätte.

Du siehst die Enden der Erde und schaust alles, was unter dem Himmel ist.

Du gabst dem Wind sein Gewicht und hast dem Wasser sein Maß gesetzt,

damals schon sahst Du sie. Verkündige sie, bereite sie und ergründe sie,

bis auch wir sagen können:

Seht, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse, das ist Einsicht.

Amen.

 

Juliane Rumpel, im September 2013

Unter Zusammenarbeit mit Vikar Thomas Thieme

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