22.10.2013 | Predigt zum Jazz|Gott|es|dienst am 19.10.2013

gehalten von Vikar Thomas Thieme Predigttexte: Gen 7 (in Auszügen); 1. Korinther 2,11-13; „Der letzte Überlebende“ (Andreas Häcker) (es gilt das gesprochene Wort) Friede sei mit Euch und Gnade von dem, der da war und der da ist und der da kommt.   Ein Mann sitzt auf dem Dach. Ein Mann sitzt

gehalten von Vikar Thomas Thieme

Predigttexte: Gen 7 (in Auszügen); 1. Korinther 2,11-13; „Der letzte Überlebende“ (Andreas Häcker)

(es gilt das gesprochene Wort)

 

 

 

Friede sei mit Euch und Gnade von dem, der da war und der da ist und der da kommt.

 

Ein Mann sitzt auf dem Dach. Ein Mann sitzt allein auf dem Dach seines Hauses. Der Mann ist nass, er ist nass, denn es regnet, es regnet schon seit Tagen, seit sieben Tagen regnet es.

Der Mann blickt von seinem Dach, sieht sich um, wo sein Vorgarten war ragen ein paar Bäume wie Büsche aus dem Wasser, zwischen den Bäumen tanzen Möbel auf den Wellen, ein Sessel – sein Sessel, der stand im Erdgeschoss im Zimmer links, im Zimmer mit den Büchern und den vielen Fotos, Fotos von der Familie, Fotos von Festen im Garten, der Mann lächelt bei dem Gedanken, aber er lächelt nicht lang.

Der Sessel tanzt auf den Wellen durch den Garten, hinaus auf die Straße, hinaus, wo mal die Straße war und hinüber zum Haus des Nachbarn, dort bleibt er kurz am Giebel hängen. Das Nachbarhaus ist eine Etage tiefer als das Haus des Mannes, die Wellen überspülen schon das Dach, das Dach, auf dem bis eben noch der Nachbar saß –  jetzt ist der Nachbar weg, der Mann auf dem Dach ist allein und wenn es so weiter regnet, dann ist auch er bald weg.

Der Mann ist Noah und die Geschichte wie er auf das Dach seines Hauses kam ist schnell erzählt.

 

Noah mochte Gott und Gott mochte Noah.

Sonst mochte Gott eigentlich niemanden und niemand mochte Gott, aber Noah und Gott, die mochten sich. Eines Tages hatte Gott genug, er hatte genug davon, dass ihn niemand mochte, niemand außer Noah, und er wollte allen ein Ende machen, allen, außer Noah.

Es sollte schnell gehen mit dem Ende, also entschied sich Gott für Wasser.

„40 Tage braucht das“ meinte Gott „in 40 Tagen krieg ich genug Wasser zusammen, dann ist es mit allen vorbei.“ Noah fand 40 Tage ganz schön lang, aber Gott meinte, er solle es mal aus seiner Perspektive sehen, wenn er nur einmal mit den Wimpern schlage seien schon tausend Jahre um. Noah meinte, Gott müsse das mal aus seiner Perspektive sehen, wenn er mit den Wimpern schlägt ist gerade einmal ein Augenblick um – da seien 40 Tage doch sehr lang. „Mag sein“ meinte Gott „aber Wasser geht immer noch am schnellsten, Stürme dauern länger und Erdbeben sind nicht sicher genug, damit kriegt man nie alle.“ „Na wenn du das so siehst“ meinte Noah. „Na und außerdem, wenn ich Wasser nehme, kannst du dir ein Boot bauen.“ meinte Gott. „Ich soll mir ein Boot bauen?“ fragte Noah. „Warum nicht?“ fragte Gott und hielt das auf einmal für eine richtig gute Idee: „Bau dir ein Boot!“ Und so fing Noah an, ein Boot zu bauen als es noch nicht regnete.

Er baute es etwas größer, damit nicht nur er reinpasst, sondern auch noch die eine und der andere, den er mochte – denn Noah mochte nicht nur Gott, er mochte auch seine Frau und die mochte ihre Katze „ohne meine Katze steig ich nicht in dein Boot“ hatte sie zu ihm gesagt. Das hat auch Gott verstanden, dass die Katze da mit muss und Gott fielen selbst noch ein paar Tiere ein, der er mochte, die sollte Noah auch mitnehmen – am besten gleich immer zwei davon.

Als es dann anfing zu regnen verlud Noah alle Tiere in sein Boot, zum Schluss seine Frau samt Katze – da stand ihm das Wasser schon bis zur Hüfte. Noah fiel ein, dass er noch ein Buch mitnehmen wollte, das große, was immer auf dem Tisch mit den zwei Kerzen stand und er ging nochmal ins Haus zurück und genau da ist es passiert – wie genau konnte Noah nicht sagen, aber als er aus dem Haus kam, unterm Arm das dicke Buch, da war das Boot weg.

„Vielleicht wurden die Stützpfeiler weggespült“ meinte Gott. „Ist doch egal“ brummte Noah „weg ist weg. (..) Und jetzt?“ „Ich weiß nicht.“ meinte Gott „Geh erstmal wieder ins Haus – am besten gleich in den zweiten Stock, oder höher – am besten so hoch du kannst, das Wasser wird noch steigen.“ „Kannst du das nicht abstellen?“ fragte Noah. „Puhh“ machte Gott „So eine Flut, da drehst du nicht einfach mal eben einen Hahn zu und ziehst den Stöpsel. Ich schau mal, was ich machen kann, wird aber eine Weile dauern.“ Und so ist Noah rein gegangen – erst in den zweiten Stock, dann auf den Dachboden und jetzt sitzt er auf seinem Dach. Und wie er da so saß, da wurde Noah auf einmal Noah klar, das er der letzte Überlebende war.

 

Melodie des Liedes „Der letzte Überlebende“ erklingt

 

Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.

Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen.

 

es folgen die ersten 3 Strophen des Liedes

„Der letzte Überlebende“ Strophen


 

1. Und es gab ´nen großen Knall, / und ziemlich viel Geschrei, / manche fluchen, manche flüchten. / Das geht schnell vorbei.

 

2. Keine Snacks mehr an der Tanke, / keine abendliche Show. / Keine kleinen Brötchen, dicke Fische, / low fat, fast food or slow.

 

Ref.: Na na na na

 

3. Als es am nächsten Tag in der Zeitung stand: / DIE GANZE WELT IST HIN! / Da dachte ich: verwunderlich, / dass ich der letzte Überlebende bin.         abruptes Ende

 

 

 

 

Es gibt wirklich keinen Grund sich zu freuen, wenn die Wasser wieder steigen, wenn die Erde bebt oder Stürme eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Menschen verlieren ihre Häuser, verlieren ihr Hab und Gut, Menschen verlieren ihr Leben – nein, da gibt es wirklich keinen Grund sich zu freuen.

Wenn die Wasser wieder steigen ist es Zeit für Betroffenheit und Mitleid, es ist Zeit für Hilfe und für Trost.

Und dennoch, gerade in solchen Zeiten kann es passieren und mir ist es schon passiert, dass ich mich freue. Ich freue mich, dass ich verschont wurde – Gott sei dank! Ich freue mich, dass hier die Häuser noch stehen und die Menschen noch gehen. Ich bin einfach froh, dass ich das noch habe, was ich verlieren kann: ein wenig Geld und einen guten Mantel, ein Auto das fährt und ein Boot zum Paddeln, …

Und was haben Sie? …

Was macht sie froh? …

Was haben sie zu verlieren? …

Sie denken bestimmt nicht nur an Dinge, bestimmt denken sie auch an Menschen: an die Freundin, den Freund, an die Frau, die sie lieben oder den Bruder, die Schwester, an Kinder und Enkel, denken sie auch an uns hier? – das würde mich freuen, ich freue mich, so wie ich mich an dem freue, was ich alles habe – mein Gott, was wir nicht alles haben:

Geld, Autos, Essen, Klamotten und Filme, Bücher, Telefon, Kirche, Kunst und Karamell und Technik, Theater, Trallala – und, ach, ist das nicht alles wunderbar?

In so fröhlichen Momenten, die so einfach und bescheiden beginnen, werde ich gleich ganz betrübt und traurig, denn was ist das schon, woran ich mich freue, das hier und jetzt, das haben und Guthaben, ein Ruhekissen ist es und ich bilde mir ein, es wäre meins, mir geschenkt, damit ich es gut habe.

Aber es ist nicht meins, es wurde mir nicht geschenkt, es gehört nicht mir, ich gehöre ihm, es bindet sich an mich, ich bin damit beladen und jede Ruhe ist ein müdes Rasten von immer größeren Lasten und so geschieht es, was mich eben noch erfreute, schon ist es das, was ich bereute, jetzt hast du es, jetzt bist du wer – jetzt stehst du da, jetzt geht nichts mehr, es zieht dich hinab und es macht dich schwer, bis – ja bis mir etwas in den Sinn kommt, kein Gedanke, das Ende der Gedanken,

eher ein Gefühl, eine Stimmung und Stille …

Still wird es sein, wenn die Welt untergegangen ist, diese Welt, in der einer gefällt und eine andere fällt, die alles Hat, die Lust hat und Last, Freude hat und Furcht, alles zugleich und alles in einem, alles – aber mich hat sie nicht, denn ich weiß, das sie einmal untergehen wird, das ist Gottes größtes Geschenk an mich.

Still wird es sein, wenn die Welt untergegangen ist und wenn sie genau hinhören, dann wird aus der Stille ein Lied leise klingen (Melodie erklingt leise), und wer es hört, von denen wird man sagen, der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der hat eure Herzen und Sinne bewahrt in Christus Jesus, unserem Herrn.

 

Lied erklingt „Der letzte Überlebende“ Strophen 3+4

3. Als es am nächsten Tag in der Zeitung stand: / DIE GANZE WELT IST HIN! / Da dachte ich: verwunderlich, / dass ich der letzte Überlebende bin.

 

Ref.: Na na na na

 

4. Ich geh raus, durch die Straßen: / Alles wüst und leer. / Hinten geht die Sonne auf, / als ob es das erste Mal wär.

 

Ref.: Na na na na                                                                          Str. 4 wird wiederholt

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