31.12.2013 | Predigt zum Altjahresabend 31.12.2013

Textgrundlage: Hebräer 13,8-9b...

Textgrundlage: Hebräer 13,8-9b

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Friede sei mit Euch und Gnade von dem, der da war und der da ist und der, da kommt. Amen.

Da stehe ich nun.

Da stehe ich nun an der Pforte des neuen Jahres,

habe die Hand schon an der Klinke,

doch noch fehlt Zeit.

Es ist noch nicht soweit,

noch fehlt Zeit,

noch fehlen fünfeinhalb Stunden,

fehlen noch dem Alten Jahr,

fehlen mir noch und uns,

bevor die Klinke sich senkt,

bevor ich die Schwelle überschreite und die Pforte des Alten Jahres sich hinter mir schließt.

Da stehe ich nun,

stehe an der Pforte des neuen Jahres,

die mir den Blick voraus noch versperrt,

die mir aber schon den Halt gibt,

ich lehne (nämlich) auf der Klinke,

den Halt, um in Ruhe zurückzublicken,

diese Zeit ist da

und diese Zeit will ich mir gerne nehmen.

Ich blicke zurück und mein Blick fällt auf das Wort, das damals über der Pforte stand, die Pforte, die sich mir vor 365 Tagen öffnete, die Pforte ins Neue Jahr, 2013:

 

„Wir haben hier keine bleibende Stadt”,

 

stand da, „wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir!”

 

Was für ein Wort für einen Jahresbeginn,

was für ein streitbares Wort am Anfang,

Mut machen, geht anders, dachte ich damals, als ich sie durchschritt die Pforte.

Und so richtig nah kam mir das Wort selten im vergangenen Jahr…

Diese Pforte ist nun, Monat für Monat weiter weg gerückt, da steht sie in der Ferne, verborgen hinter vielen, was war und dennoch ist sie mir sehr präsent, denn vor einem Jahr stand ich genau hier, zur selben Stunde am selben Ort – und nicht wenige von Ihnen waren auch da…

Wir standen gemeinsam an der Pforte des Neuen Jahres, haben zurückgeblickt und gebetet für alles, was sich hinter der Pforte verbergen mochte, erinnern Sie sich noch? Wie wir auch damals die guten Mächten anstimmten?

Ich werde nun schweigen, zwei Minuten, gebe mir und uns zwei Minuten Zeit, zurückzublicken auf das, was war, zwischen den Pforten der Jahre…

Da stehe ich nun.

Da stehe ich nun an der Pforte des neuen Jahres,

habe die Hand schon an der Klinke,

doch noch fehlt Zeit.

Es ist noch nicht soweit,

noch fehlt Zeit,

noch fehlen fünfeinhalb Stunden,

fehlen noch dem Alten Jahr,

fehlen mir noch und uns,

bevor die Klinke sich senkt,

bevor ich die Schwelle überschreite und die Pforte des Alten Jahres sich hinter mir schließt.

Da stehe ich nun,

stehe an der Pforte des neuen Jahres,

und bin versucht, durchs Schlüsselloch zu linsen, wie ich es als Kind tat, wenn die Neugier Überhand nahm, wenn ich wissen wollte, wie dieses Jahr der Baum aussieht und was das Christkind wohl gebracht hatte.

Doch die Pforte ist noch geschlossen,

noch ist Zeit,

ein Gottesdienst noch,

ein Segen,

ein Abendessen,

Glockenläuten und Wunderkerzen fehlen noch,

Anstoßen mit den Lieben,

ein Kuss für den einen,

all das fehlt noch,

Und: Es fehlt auch noch ein Text,

einer, für diesen Moment, für diesen Moment auf der Schwelle…

Und auch dieser Text, ich staune, auch er steht im letzten Kapitel des Hebräerbriefes, genau wie die Losung damals, und anders als sie gibt er Mut, mir zumindest,

Mut auf das zu schauen, was war,

Mut, das zu leben, was ist und

Mut auf das zu hoffen, was kommen wird.

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

Ich denke an einen Freund,

der seine Weihnachtswünsche auf Sterne schreibt,

Sterne, die dann am Baum zwischen den Kerzen hängen,

Sterne, die nicht fragen danach, wie realistisch die Wünsche sind.

Und ich denke an einen Freund,

der keine Weihnachtswünsche hat,

keine Sterne und keinen Baum,

dessen Hoffnungen im alten Jahr zerschlagen wurden

und der nur noch Befürchtungen für das neue Jahr hat.

Ich denke an mich,

ich bastle in Gedanken Sterne,

beschreibe sie mit dem,

was ich mir für 2014 erhoffe und was ich mir wünsche und was ich erträume.

Ich hefte die Sterne an die Pforte zum Neuen Jahr,

bin gespannt, welche leuchten und welche verglimmen werden in 2014.

Ich werde nun schweigen, zwei Minuten, gebe mir und uns zwei Minuten Zeit, vorauszublicken auf das, was wird, was jeder von uns hinter dem Schlüsselloch erhofft, erträumt, befürchtet…

Da stehe ich nun.

Da stehe ich nun an der Pforte des neuen Jahres,

habe die Hand schon an der Klinke,

doch noch fehlt Zeit.

Es ist noch nicht soweit,

noch fehlt Zeit,

noch fehlen fünfeinhalb Stunden,

fehlen noch dem Alten Jahr,

fehlen mir noch und uns,

bevor die Klinke sich senkt,

bevor ich die Schwelle überschreite und die Pforte des Alten Jahres sich hinter mir schließt.

Da stehe ich nun

und ich merke,

ich bin nicht allein an der Pforte.

Ich bin nicht allein mit meinem Blick zurück,

nicht allein mit meiner Neugier,

nicht allein mit meinen Befürchtungen.

Und ich spreche ihn, der da mit mir an der Pforte steht:

Gib mir ein Licht, sage ich zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres steht,

gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegehensehen kann.

Er wendet sich mir zu und antwortet:

Geh nur hin in die Dunkelheit

und lege deine Hand in die Hand Gottes.

Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg!

Ich wünsche uns allen, Vertrauen in die Worte die Engels,

ich wünsche uns allen, dass Gottes Hand uns sicher über die Schwelle trägt

und dass seine Hand uns auch im Neuen Jahr behüten und begleiten möge.

Und der Friede Gottes, höher als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne auf der Schwelle und hinter der Pforte durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.

 

Juliane Rumpel, im Dezember 2013

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