02.11.2013 | Predigt vom 02. November 2013

in der 22. Woche nach dem Trinitatisfest Textgrundlage: Micha 6,(1-5)6-8 – Es gilt das gesprochene Wort –   Friede sei mit Euch und Gnade, von dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen.   Wie trete ich ihm nur wieder unter die Augen, nach allem, was passiert ist? Kann ich

in der 22. Woche nach dem Trinitatisfest

Textgrundlage: Micha 6,(1-5)6-8

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Friede sei mit Euch und Gnade, von dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen.

 

Wie trete ich ihm nur wieder unter die Augen, nach allem, was passiert ist?

Kann ich mich überhaupt noch bei ihm blicken lassen?

Er ist bestimmt stinksauer! Und Recht hat, dass er sauer ist! …

Ich könnte ihm was schenken, Blumen oder Schokolade oder etwas Geld …

Ich will doch bloß, dass alles wieder gut ist. Ich bring was mit, dann muss es doch wieder gut sein. … Andererseits, es ist doch ganz schön viel passiert.

Und ich war’s ja nicht nur allein – warum soll ich denn allein zu ihm gehen – wir sollten zusammen gehen. Ob er uns überhaupt noch sehen will?

Wie treten wir ihm nur wieder unter die Augen?

Seitenwechsel

 

Ja, wie kannst du, wie kannst du nur, nach all dem, was gewesen ist!

Wie kannst du ihm nur wieder unter die Augen treten?

Wie kannst du nur, wie konntet ihr nur!

So leben, was ist das denn für ein Umgang mit ihm?

Und nicht nur mit ihm, auch mit all den anderen?

Und da wunderst Du dich noch, dass er dich anklagt, dass er sauer ist, der Herr, dein Gott, mit dir, mit dir, seinem Volk, mit dir, mit dir, seinem Geschöpf.

Mein Gott, es ist so viel schiefgegangen, und nicht erst heute, nein, seit Jahren.

Ich sag es doch nicht erst seit gestern, ihr seid doch nicht die ersten, die es hören.

Ich hab doch schon vor langer Zeit angefangen aufzuschreien, habe angefangen, aufzuschreiben, und (…) niemand merkt was. Keiner lässt sich was anmerken.

Kein Volk Gottes und kein Geschöpf des Herrn.

Ja dachtet Ihr denn, ihr seid selbst wie Gott? Weil ihr so nah dran seid, ja nah dran seid ihr schon, aber ihr seid es nicht selbst! Wenig niedriger seid ihr als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt, das ja! Aber doch nicht wie er. Dachtet Ihr alle, ihr seid wie Gott?

Wer ist wie Gott? frage ich. Ich frage: Micha? Immer wieder frage ich: Micha? Wer ist wie Gott? Ich heiße schon nach meiner Frage, Micha, und nicht nur ich.

Viele nach mir gaben sich auch diesen Namen, Männer waren Micha und Micha waren Frauen, Micha waren Menschen, die Gott nah waren, aber die doch wussten um den Unterschied zu ihm.

Wir alle schrieen und schrieben, für euch und für die andern, für damals und für heute,

immer wieder schrien und schrieben wir die Worte des Herrn, immer wieder schrie Micha und Micha schrieb, um euch zu wecken aus dem Schlaf der Sicherheit, um alle zu wecken und jedem zu zeigen, was gut ist und was der Herr von Euch fordert.

Könnt ihr jetzt hören?

 

So hört doch: 1 Höret doch, was der HERR sagt: „Mach dich auf, führe deine Sache vor den Bergen und lass die Hügel deine Stimme hören!“

2 Höret, ihr Berge, wie der HERR rechten will, und merkt auf, ihr Grundfesten der Erde; denn der HERR will mit seinem Volk rechten und mit Israel ins Gericht gehen!

3 „Was habe ich dir getan, mein Volk“, spricht der Herr, „und womit habe ich dich beschwert? Das sage mir! 4 Habe ich dich doch aus Ägyptenland geführt und aus der Knechtschaft erlöst und vor dir her gesandt Mose, Aaron und Mirjam. 5 Mein Volk, denke doch daran, was Balak, der König von Moab, vorhatte und was ihm Bileam, der Sohn Beors, antwortete; wie du hinüberzogst von Schittim bis nach Gilgal, damit ihr erkennt, wie der HERR euch alles Gute getan hat.“

 

So spricht er, Gott der Herr, dein Gott spricht zu dir. Er hat sich nicht abgewandt, er will hören, dich anhören, deine Gründe kennen, für das, was dich bewegte zu tun, was du getan hast. Ja, ja er ist ein eifersüchtiger Gott, er ist ein zorniger Gott, aber er ist kein nachtragender Gott. Er ist kein bockiges Kind, das sich abwendet und die Ohren verschließt.

„Was habe ich dir getan?“, fragt er – er fragt dich! Und er will es hören, er will dich hören, so wie du ihn hörst, seine Worte hörst durch meine Stimme. Hörst Du seine Worte?

Seitenwechsel

 

Ja doch, ja, ich höre ja.

Und nein, also nein, ich weiß doch nicht, wie ich es tun kann.

Wie kann ich ihm wieder unter die Augen treten. Wie können wir ihm wieder unter die Augen treten? Und es sind doch nicht bloß wir – so fragten sie auch damals schon. Seit Jahren fragt man sich:

6 Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern?

7 Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?“

 

Wie können wir Gott unter die Augen treten?

Was bringe ich mit? Und wo ist der Ort für die Begegnung?

Opfer waren es damals, man opferte, um Gott zu besänftigen, ihm zu danken, opferte um zu bitten, opferte um zu feiern. Opfer waren es damals, Gottesdienste sind es heute.

Wir feiern und danken, wir danken und bitten, wir bitten und streiten.

Streiten um die richtige Form und um die Liturgie. Streiten über die Predigt und um das richtige Haus, Balken und Bänke, Knickse und Kreuze, alles soll „richtig“ sein, denn wir treten vor Gott, würdig und angemessen soll es sein, richtig und ja, so ganz unwichtig ist es sicher nicht, nicht für mich und nicht für euch.

Wenn die Konfirmanden mit zerrissenen Jeans in den Gottesdienst kommen,

wenn die Kinder unter dem Altar spielen,

wenn die Bibel nur noch in gerechter Sprache gelesen wird,

wenn schwarz-weiß, wenn Talar und Beffchen der weißen Albe und der bunten Stola weichen.

Aber ist es auch wichtig für Gott – oder ist es etwa Gott egal, was ihr tragt, was sie lesen und was ich predige?

Was predigen, was anziehen – wie sich nahen? Und da steht sie wieder im Raum die Frage: Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott?

Die Jahrhunderte alte Frage steht da wieder im Raum.

Und da steht Micha wieder im Raum und ruft:

Seitenwechsel

 

Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: Kein einjähriges Kalb, keine tausend Widder, keine Ströme von Öl… nein:

8 Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

[Predigerin in der Mitte]

 

Und da stehen wir wieder im Raum vor Gott – ohne Schokolade, dafür mit Blumen, Gesang, Gebet und ein bisschen Geld, da stehen wir demütig und liebend,

da stehen wir ein wenig niedriger als Gott und halten sein Wort aus,

da stehen wir unter Gottes Segenswort und werden davon gehalten.

 

Und sein Friede, der Friede Gottes bewahre unsere Herzen und Sine in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

 

Juliane Rumpel, November 2013

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