14.10.2013 | Predigt in der Woche nach Erntedank 12.10.2013

Textgrundlage: Psalm 145,15   – Es gilt das gesprochene Wort – Friede sei mit euch und Gnade von, der da war und der da ist und der da kommt...

Textgrundlage: Psalm 145,15

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

Friede sei mit euch und Gnade von, der da war und der da ist und der da kommt. Amen.

 

Aller Augen warten auf dich,

 

und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

 

Es ist Wochenende,

es ist Herbstzeit, es ist Erntezeit, es ist … die rechte Zeit?!

Es ist Erntezeit:

Drei Hände voll dunkelroter Himbeeren vom Balkon,

sieben Gläser tiefblaues Pflaumenmus,

zwölf kribbelbunte Blumensträuße aus Omas Schrebergarten.

Herbstzeit, Erntezeit, die rechte Zeit?!

Es ist Erntezeit:

Er bekam sein Abi-Zeugnis.

Sie beendete die Lehre.

Er ging in den Ruhestand.

Sie bekamen ihr erstes Kind.

Erntezeit.

Die Zeit, Gesätes aus dem Boden zu holen.

Die Zeit, Gereiftes von den Bäumen zu pflücken.

Die Zeit, die Ernte einzuholen.

 

Aller Augen warten auf dich,

 

und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

 

Es ist Erntezeit,

Früchte wachsen und reifen, werden geerntet.

Es ist Erntezeit,

Entscheidungen, wachsen und reifen, werden geerntet.

Es ist Erntezeit,

Leben wächst und reift und wird geerntet.

Erntezeit, Zeit zum Danken, die rechte Zeit?!

Aller Augen warten auf dich,

und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Dann, wenn die Himbeeren tiefrot werden,

dann, wenn das Pflaumenmus süß und blau ist,

dann, wenn die Blumensträuße reichlich und kribbelbunt sind,

dann, ja dann, habe ich Grund zu danken.

Dann, wenn das Abi in der Tasche ist,

dann, wenn wieder ein Stück Weg hinter mir liegt,

gelungener Weg im Leben, gelungene Schritte in der Arbeitswelt,

geglückter Weg im Ruhestand,

dann, ja dann, habe ich Grund zu danken.

Dann hat sich das Warten meiner Augen gelohnt,

dann ist die rechte Zeit, dann ist erfüllt, was der Psalm sagt:

Aller Augen warten auf dich,

und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Die rechte Zeit!

Manchmal ist sie fühlbar da, dann ist sie füllbar und dann erfüllt sie uns die rechte Zeit.

Dann ist er fühlbar der Erntedank, der füllbare Dank für die Ernte, er erfüllt uns und wir sind wir vom Danken.

[…]

Doch was, wenn die Ernte misslingt?

Wenn die Beeren von Würmern zerfressen,

die Blumen von der Sonne verbrannt,

das Pflaumenmus missraten ist?

Wenn mein Kind sein Abitur nicht besteht, nicht weiß, ob es einen Ausbildungsplatz bekommt?

Wenn ich mein Kind verliere, wenn es nie geboren wird?

Wann ist dann die rechte Zeit?

Und was bleibt dann als meine Speise?

Und woher nehme dann ich die Hoffnung, wie sie der Psalmbeter hat:

Meine Augen warten auf dich,

und du gibst mir, was ich brauche, zur rechten Zeit?

Es ist gut, dann und wann darüber nachzudenken,

was ich eigentlich so brauche!

Zum Leben, zum Glücklichsein, zum Satt-werden.

Es ist gut, doch selten genug ist Zeit, meist ist nur Zeit zum Leben,

doch was es wirklich braucht dazu, was ich wirklich brauche…

Am Ende eines Jahres, schauen wir gern zurück, auf das, was war,

was gut war und was eher nicht, was gelang und was offen blieb.

Doch glaube ich, auch Erntedank ist so ein Moment, ein Moment, um zu schaun:

was säe ich in meinem Leben eigentlich, was pflege ich und was gedeiht…

Was lasse ich gedeihen und was muss ich ausreißen, weil es anders wächst als gedacht,

weil es anderem schadet, ihm Luft und Licht zum Leben nimmt.

Was säe ich, was wächst und (…) wo habe ich geerntet dieses Jahr?

Erntezeit im Leben – nicht erst am Ende, sondern zur rechten Zeit…

Erntezeit im Leben:

Anschaulich, wie eine Kartoffel aus der Erde zu holen,

sinnlich, wie eine Himbeere, vom Strauch genascht,

fröhlich, wie eine Blume fürs Herz gepflückt.

Wunderbar zu sehen auch, dass wir nicht nur ernten, was wir säten,

sondern auch, was wir nicht gesät haben:

Glaube, Liebe, Hoffnung,

anschaulich, sinnlich, fröhlich.

Erntezeit, auch heute?

Ist auch heute, die rechte Zeit…?!

Die Erntezeit meines Lebens jedenfalls ist so, nicht immer, aber die für die ich danken will ist so: Anschaulich, sinnlich und fröhlich, die Erntezeit

meines Lebens…

Ich kann ja nur über meine sprechen, denn mein Leben ist nur meines, ist eines und ist einzigartig, wie auch seine Ernte, seine Ernten und seine Früchte.

Doch jeder hat ein solches Leben, ein einzigartiges – manch eines ist noch kurz, ein zartes Pflänzchen erst, mit winzigen Früchten. Manch eines ist schon groß, gewachsen seit Jahrzehnten, immer wieder von reifen Früchten voll und immer wieder mal auch angefaultes, ungenießbares zum Aussortieren, zum Kopfschütteln, nur mit Trauer zu tragen

So sind wir und so sind wir heute hier,

egal, wie alt mein Leben, wie alt Ihr Leben ist,

egal, ob 20, 40, oder 80 Jahre,

wir sind heute hier voll Glaube, Liebe und Hoffnung,

es ist unsere Zeit, machen wir die Worte des Psalmbeters auch zu unseren:

Aller Augen, aller Menschen Augen, aller Menschen Sein wartet auf dich,

und du gibst ihnen ihre Speise, du gibst ihnen, was sie brauchen zur rechten Zeit.

Ich könnte mich an diesem Samstagabend, mitten im Herbst, mitten in der Erntezeit nun noch lang darin ergehen, dass des Beters Worte wohlgewählt sind, wenn er das spricht.

Wohlgewählt sagt er nicht, du gibst ihnen, was sie wollen.

Wohlgewählt sagt er nicht, du gibst es ihnen, wann sie wollen.

Wohlgewählt sagt er nicht, was er mit Speise meint.

Wohlgewählt die Worte alle, denn mit all den Worten will er uns alle meinen und kann es nur, wenn er die Worte so wählt…

Ich könnte mich an diesem Samstagabend noch lang darin ergehen, doch lasse ich es jetzt und lade Sie recht herzlich ein, die Erntezeit zu füllen mit der Suche nach Fragen und Antworten darauf: Was Sie brauchen zum Leben, zum Glücklichsein, zum Satt-Werden.

Ich lasse Sie an diesem Samstagabend, lasse Ihnen Zeit, die Zeit zu füllen und die rechte Zeit zu fühlen, ich lasse Sie mit Gottes Frieden:

Er möge sie bewahren, er möge uns alle, unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

Juliane Rumpel, am 12. Oktober 2013

 

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