28.12.2013 | Predigt in der 1. Woche nach Weihnachten

Samstag, den 28.12.2013   Textgrundlage: Lukas 2,25-35...

Samstag, den 28.12.2013

Textgrundlage: Lukas 2,25-35

 

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen.

Wenn ein Kind geboren wird, dann ist das Letzte worüber ich nachdenken möchte, sein Tod.

Wenn ein Kind geboren wird, dann ist das Letzte worüber seine Familie sinnen will, wann es diese Welt wieder verlässt.

Ja, wenn ein Kind geboren wird, ist Sterben nicht, woran seine Eltern denken möchten.

Und doch, wenn ein Kind geboren wird, ist alles Tun und alles Lassen, alles Kümmern und Kosen begleitet von Sorge und Kummer, begleitet vom milden Schatten der Gewissheit: du stirbst einmal.

Mit dem großen Glück der Geburt beginnt die große Angst vor dem Tod.

Eine Angst, die sich plötzlich verdoppelt, vorher war es nur mein eigener nun ist auch der meines Kindes.

Und doch, wenn ein Kind geboren wird, ist alles Tun und alles Lassen, alles Kümmern und Kosen begleitet von Singen und Jubeln, wir sind voller Freude und Glücksmomente reihen sich wie Perlen aneinander.

Wir wollen alles teilen, den ersten Schrei, den ersten Zahn, den ersten Schritt… Ein Kind ist uns geboren.

Ein Kind ist uns geboren…

Wir alle begleiten unser Tun und Lassen seit vier Tagen mit Singen und Jubeln, seit vier Tagen, sind wir alle voller Freude…

Ein Kind ist uns geboren…

Seit vier Tagen sind reihen sich die Weihnachtsglücksmomente aneinander und wir wollen sie teilen, die Weihnachtsfreude…

Sie haben sie doch noch, Ihre Weihnachtsfreude, oder?

Also ich … nun ja,

also der Baum zumindest steht noch… hier und auch zu hause.

… und spätestens morgen Nachmittag bei Kaffee und Stollen wird er wieder erstrahlen.

Zwischen den Jahren ist ja nicht so viel zu tun, wie sonst.

Alles ein bisschen ruhiger, alles ein bisschen langsamer, überall ist ein bisschen mehr Zeit für die Freude, ein bisschen mehr Raum für das Glück.

… Ein Kind ist uns geboren. Glück und Freude, seit vier Tagen, ein Kind ist uns geboren, damit unsere Freude vollkommen sei.

Und am achten Tag war da ein Mann, der begegnete dem Kind und seine Freude war vollkommen. Endlich war dieses eine Kind geboren, endlich… endlich konnte er sterben.

Was für ein eigenartiges Glücksgefühl dieser Mann hat:

Da begegnet er einem Neugeborenen und denkt – denkt an den Tod.

Nicht an den des Kindes, das nicht, doch an seinen eigenen Tod, an den denkt er, als dieses Kind geboren wird…

… Freude und Jubel, Sorge und Kummer, die sind da, wie selbstverständlich… und dann rutscht der eigene Tod in den Blick,

kommt genau da in den Blick, wo wir ihn eigentlich gern raushalten, den Tod, denn da ist genug drin, was mich beschäftigt, in meinem Blick:

da ist Arbeit oder sie fehlt gerade, ich sorge mich um das nötige Kleingeld – das schnell ganz groß wird, besonders dann, wenn es fehlt, ich will mit den Kindern Träume leben oder ich will von Kinderleben träumen.

Ihnen kommen sicher noch mehr Sachen in den Blick – für mich ist das schon genug.

Wir haben es nicht nötig, uns noch ein Thema zu suchen, noch ein Lebens-Thema in den Blick zu nehmen.

Aber ist denn der Tod überhaupt ein Lebens-Thema?

Ein weiser Grieche antwortete mit nein auf die Frage nach dem Tod als Lebensthema:

Wenn ich bin – sagte er, wenn ich bin, ist der Tod nicht und wenn der Tod ist, bin ich nicht.

Nun, das klingt so einfach, wie es wahr ist – theoretisch, aber ich lebe nicht theoretisch, sondern lebendig und lebendig ist meine Angst vor dem Tod.

Auch Simeon lebte und er lebte lang und er lebte lang mit dem Tod, bis zu jenem achten Tage lebte er mit dem Tod, nur eben ohne Angst

Und am achten Tag war da ein Mann, mit Namen Simeon, der begegnete dem Kind und seine Freude war vollkommen. Und wes des Herz voll ist, des läuft der Mund über. Simeon sang betend und betete singend mitten im Tempel, vor aller Welt, zu Gott:

Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.

Am achten Tag, sah er das Licht für die Heiden…

Sah den Heiland bereitet für alle Völker…

Simeon sah Gottes Geschenk für sein Volk.

Nun hatte er alles gesehen, der Diener Simeon, der alte Mann, den Trost Israels suchend, war er nun sicher, ihn gefunden zu haben. Mehr brauchte es nicht, kein Bestätigungsschreiben, keinen Beweis, keinen Zweitgutachter, er nahm ganz einfach das Kind auf den Arm, glaubte und lobte Gott.

Wie einfach, ertönt eine Stimme in mir, wie einfach ist es, Gott zu loben angesichts eines Kindes, angesichts eines Neugeborenen, nie ist es einfacher als beim Anblick dieses geschenkten Lebens, dieses perfekten Schöpfungsaktes, niemals ist es einfacher an Gott zu glauben.

Gott sei gedankt für jede glückliche Geburt, für jeden Menschen, der gesund und munter diese Welt zum ersten Mal erblickt.

Und Gott sei geklagt für jene Male, die nicht glücklich verlaufen, geklagt sei es ihm, wenn sich Tod und Leben schon zu Beginn die Hände reichen…

… Tod und Leben reichen sich auch die Hände bei jenem Kind, dessen Geburt wir seit vier Tagen feiern, bei jenem Kind, dass Simeon singend beten macht, bei jenem Kind, das Licht für uns sein will, bei jenem Kind, dass unter einem

Stern geboren wurde und dessen Krippe von Anfang an unter einem Kreuz steht.

… Tod und Leben. Wir wissen um beides, bei uns selbst, bei unseren Kindern, bei dem Kind in der Krippe.

Und nur vier Tage nach Weihnachten klingen in uns schon die Worte, die der erwachsene Gottessohn zu uns sprechen wird einstmals, der Gottessohn weit weg von Bethlehem, weit weg von der Krippe und nah, ganz nah am Kreuz.

Ich schließe die Augen und die Worte Jesu beginnen in mir zu klingen…

Und da sehe ich ihn, den erwachsenen Gottessohn zwischen Ochs und Esel sitzen, seine greisen Eltern an seiner Seite, im Hintergrund der jubelnde Engelschor.

Alles beleuchtet von unserem Weihnachtslicht – der Stern und der Baum, die Kerzen und der Kranz – sie alle erleuchten den Schatten des Kreuzes, den Schatten des Todes, in dem wir sitzen.

Ich sehe ihn, den erwachsenen Gottessohn, wie er an der Krippe sitzt, zwischen Ochs und Esel und mir wird klar, warum sie genauso aufgeschrieben wurde, die Weihnachts-geschichte.

Ich höre die Worte des erwachsenen Gottessohnes dort an der Krippe unter dem Stern und ich ahne, warum aus dem Holz des Kreuzes eine Krippe wurde.

Ich brauche diese Krippe, ich brauche das Kind, brauche dieses Antlitz, das mich Gott loben lässt, wenn ich es auf dem Arm tragen darf.

Ja, es ist das Leben, das das Leben wunderbar macht und es ist das Leben, das den Tod ertragen lässt. Mein Leben, Ihr Leben – und wie viel mehr noch das ewige Leben, das Gott verspricht und wir bekennen!

Gott sitzt an der Krippe, sitzt zwischen Ochs und Esel, zwischen uns Alten und Jungen, zwischen uns Eltern und Kindern, da sitzt er und er sitzt neben uns.

Und Gott hat ein Geschenk für uns – es ist ja Weihnachten – es sind sogar zwei – Heilig Abend ist Nummer eins, darüber freuen wir uns jetzt schon vier Tage.

Sein 2. Geschenk ist noch eingepackt, ist im Dämmerlicht des Stalls nur zu erahnen. Doch ich weiß, dass es da ist und ich vertraue darauf, dass es für mich ist und für Sie.

Ergreifen Sie es, packen Sie es aus und freuen Sie sich wie Simeon,

denn mit dem Kind in der Krippe ist uns

die Freude am Leben geschenkt.

Und mit dem erwachsenen Gottessohn schenkt Gott uns den Mut, wie Simeon jeden Tag voll Freude beten zu können: Nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren,

wie du gesagt hast, denn meine Augen haben den Heiland gesehen!

Und der Friede Gottes, der größer ist als Tod und Leben, als Geburt und Sterben, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Amen.

 

Juliane Rumpel, im Dezember 2013

 

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