28.01.2012 | Predigt im I. Jazz-Gottesdienst am 28. Januar 2012

Predigt im 1. Jazz-Gottesdienst am 28. Januar 2012 Predigtgrundlage: Matthäus 17,14-20 (Mk 9,14-29; Lk 9,37-42) – es gilt das gesprochene Wort – Friede sei mit euch, von dem, der da war und der da ist und der da kommt! Amen Alles ist möglich, dem, der da glaubt. Alles ist möglich… g-c-h – auch das? ich

Predigt im 1. Jazz-Gottesdienst am 28. Januar 2012

Predigtgrundlage: Matthäus 17,14-20 (Mk 9,14-29; Lk 9,37-42)

- es gilt das gesprochene Wort –

Friede sei mit euch, von dem, der da war und der da ist und der da kommt! Amen

Alles ist möglich, dem, der da glaubt.

Alles ist möglich…

g-c-h – auch das?

ich muss kein Musikwissenschaftler sein, um es zu hören:

Das ist kein Dreiklang, jedenfalls kein harmonischer.

Und wenn ich es nicht weiß, dann kann ich es vielleicht hören.

[Es erklingt: g-c-h ]

Vielleicht mal einen klassischen, einen „harmonischen“ Dreiklang dazu?!

[Es erklingt: c-e-g]

Da ist er, der Klassiker: c-e-g.

Christus, Erlöser, Gottessohn – das ist eine runde, eine klassische, eine harmonische Sache.

Nach der (klassischen) Harmonielehre unbestreitbar.

Wenn Klänge klingen, klängen drei sehr gut.

Drei klängen, klingen anders als nur zwei,

nur einer geht ganz unter.

Gott, Christus, Heiliger

G – C – H – wir hören: [Es erklingt g-c-h]

Klingt unvollständig, offen, sind zwar drei

Doch sind sie irgendwie nicht voll,

da fehlt der Geist – wir hören: [Es erklingt: g – c – h –g]

Der Geist erst macht es rund, vollständig: G – C – H – G

Alles ist möglich,

Jazz ist der Protestantismus der populären Musik,

alles ist möglich, dem der da glaubt.

Jazz macht aus schrägen Tönen schöne Musik.

Aus angeblich schrägen Tönen,

aus dem, was angeblich nicht dazu passt –

wenn ihr Glauben habt, wie ein Senfkorn, klein, irgendwie schräg und unpassend.

Ohne Töne auch keine schrägen – ohne Harmonie keine Disharmonie.

Und letztere nun, also die Disharmonie, sie drängt zur Auflösung.

Alles ist möglich, dem, der da glaubt.

Der Mensch als solcher, ist gut geschaffen, harmonisch.

Und nun, die Sünde, sie ist die Disharmonie unseres Daseins.

 

Einer aus dem Dreiklang nun hat die Welt erlöst, hat uns erlöst – doch der endgültigen Auflösung harren wir noch – sind in der irdischen Welt beständig hin- und hergeworfen zwischen Harmonie und ihrem Gegenteil.

Wenn ihr Glauben habt, wie ein Senfkorn…

Jazz zeigt, dass Gut und Schlecht keine Frage des Klanges ist.

Protestantismus zeigt, dass Gut und Schlecht keine Frage der Sünde ist, weil wir alle Sünder sind.

Alles ist möglich, dem, der da glaubt:

Nein – Es geht nicht darum, die Welt harmonisch einzurichten,

Ja – es geht darum, sich mit all dem, was einem nicht gefällt, was schräg ist, was unharmonisch ist, zu arrangieren (womit wir wieder eine Metapher benutzen, wie sie auch Musiker gebrauchen).

Wenn ich Glauben habe, klein wie ein Senfkorn,

nur dann,

wenn nicht, dann meine ich, unser Leben sei nur von Gott begleitet, wenn es schön und harmonisch ist, dann meine ich, sind wir über den Dreiklang noch nicht hinausgekommen.

Aber wenn ihr Glauben habt, wie ein Senfkorn, Berg bewege dich, Ton erklinge, Maulbeerbaum entwurzle dich…

Alles ist möglich, dem, der da glaubt…

Über Geschmack lässt sich nicht streiten – bekanntermaßen lässt es sich vortrefflich…

Ich höre Klassik und ich Punk,

ich höre Schlager und ich höre Brittpop,

wir hören Jazz – wir sind Musik!

Ob sie gefällt, die Musik, ob sie gefällt oder nicht – auch darüber – lässt sich streiten, lässt sich debattieren… vortrefflich.

Alles ist möglich, dem, der da glaubt…

Auch über Glaube lässt sich nicht streiten – Toleranz, und doch auch hier:

Ich glaube an Jesus Christus,

ich glaube an den barmherzigen Gott,

ich glaube an das Wirken des Heiligen Geistes,

ich glaube…

Mein Gott ist einer – meiner auch, und doch auch drei…

Wenn ihr Glauben habt, wie ein Senfkorn…

Unvereinbar nebeneinander,

ich und du, deine Musik und meine Musik, dein Glaube und mein Glaube?! Bach und Blues?

Nehmen Sie einen Schlüssel,

wie die Musiker, einen für links und einen für rechts, einen für g und einen für f, Notenschlüssel und sie verstehen…

dann wird aus Bach Blues, aus Heavy Metall eine Symphonie…

Alles ist möglich…

Dann wird aus Musik Verkündigung …

Alles ist möglich…

Nicht ob wir das Gleiche glauben, sondern

dass wir glauben, dass wir darüber reden, dass wir darüber und davon singen

 

Alles ist möglich, dem der da glaubt…

Dem, der da glaubt, wie ein Senfkorn, schräg, klein und unscheinbar…

Dem ist der Schlüssel gegeben, zu verstehen, mich und dich und sie und ihn!

Und: Musik besteht nicht nur aus Noten, sondern auch aus den Pausen…

Haben Sie ´s bemerkt?

Das ist mit dem Reden nicht anders – und vielleicht ist es auch mit dem Glauben ganz ähnlich…

Und der Friede Gottes, der größer ist, als wir uns das vorstellen können, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn – Amen.

Juliane Rumpel, Pfarrerin i.E.

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