06.07.2013 | Predigt beim Gottesdienst zum Wochenschluss am 6. Juli 2013

Woche nach dem 5. So. nach Trinitatis Predigttext: Lukas 14,25-33...

Woche nach dem 5. So. nach Trinitatis

Predigttext: Lukas 14,25-33

Autorin: Juliane Rumpel

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

 

Nachfolgefragmente

oder: Haben Sie schon einmal versucht, Jesus zu verstehen?

 

3.[1] Man halte nur ein wenig stille

und sei doch in sich selbst vergnügt,

wie unsers Gottes Gnadenwille,

wie sein Allwissenheit es fügt;

Gott, der uns sich hat auserwählt,

der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

 

Welcher König will sich auf einen Krieg einlassen,

… ja welcher König eigentlich? Es geschieht, immer noch und überall, sie sind keine Könige mehr, aber Kriege führen sie, wer ist denn heute noch König?, wer regiert die Welt?, Könige oder Macht und Geld?

Welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen andern König und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat…

… ja welcher König eigentlich?, man meint, sie sollten gut beraten sein, die sogenannten Könige der Welt, wenn sie in Kriege ziehen, sollten sie Ratschläge einholen und annehmen, sollten fragen, wer eigentlich und warum und wie überhaupt das Ganze aussehen könnte…

Welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen andern König und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit Zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit 20 000.

… ja, Könige dieser Welt, das leuchtet doch ein, wenn auf der anderen Seite mehr spielen, als auf meiner, kann ich nur verlieren und zwar mehr, als der andere – wenn Verlust droht, wenn meine Ressourcen nicht ausreichen, spätestens dann sollte ihr darauf hören, was Jesus weiter spricht:

Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist – nämlich der mit den 20000 – und bittet um Frieden.

Aber eben nur dann, wenn den königlichen 10 000 nun aber 15 000, oder 10 000, oder nur 5000 entgegenstehen, dann kann man das mit dem Krieg ja mal versuchen.

So geschehen, viel zu oft auf dieser Welt,

so gesehen, viel zu oft in der Geschichte…

Und wenn nun nicht Könige Krieg führen, sondern Terroristen, oder Separatisten oder Rebellen? – verständlicher Unverstand

Und wenn es nicht um Macht geht, sondern um Freiheit, oder schlimmer, um Glauben? –

einleuchtende Verdunkelung

Oder geht es immer um Macht? – zu einfach?

Oder so einfach?

 

4. Er kennt die rechten Freudenstunden,

er weiß wohl, wann es nützlich sei;

wenn er uns nur hat treu erfunden

und merket keine Heuchelei,

so kommt Gott, eh wir’s uns versehn,

und lässet uns viel Guts geschehn.

 

Der Versuch Jesus zu verstehen…, der Versuch Jesus zu verstehen, er wird einfacher wenn es ums Bauen geht. Das ist einfacher! – ist das einfacher?

Gerade an diesem Ort wollen wir bauen, eine alte Kirche neu bauen und natürlich geht es dabei um Geld, geht es dabei um Ressourcen.

Niemand will sich übernehmen, niemand will sich lächerlich machen, hier nicht und auch nicht beim eigenen Haus. Jeder versteht sie, die Worte Jesu, wenn er spricht:

28 Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen? 29 damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann’s nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten, 30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann’s nicht ausführen.

 

Seine Worte leuchten ein, klingen nachvollziehbar.

Fast schon zu realistisch…

Vieles war damals, wie es heute ist, Menschen waren Menschen damals und sind Menschen heute.

Menschen führen Krieg und Menschen bauen Häuser.

Menschen brauchen Menschen, um Krieg zu führen.

Und Menschen brauchen Geld, um Häuser zu bauen.

Besteht daraus die Welt?

Aus Menschen und Krieg, aus Geld und Häusern?

Vielleicht, … Nachrichten, Zeitungen, Internet, die Welt besteht aus Menschen, aus Kriegen, aus Geld und aus Häusern…

Dazwischen ist vieles einleuchtend, vieles verständlich, einfach zu erklären:

Wer ist unter Euch, der einen Turm bauen will…

und welcher König lässt sich auf einen Krieg ein…

einleuchtend – aber auch erleuchtend?

verständlich – aber auch zu verstehen?

einfach erklärt – aber klärt sich für uns etwas?

 

Bilder, Jesus malt Bilder mit Worten, Bilder, die die Menschen verstehen, auch wenn sie den Krieg nicht verstehen und das Geld nicht verstehen, so wissen sie doch um deren Existenz, wissen um die Logik des Krieges, um die Logik des Geldes.

Verrückt, solche Bilder, wozu?!

Um es einfacher zu machen, dachte ich mir.

Um das Verstehen zu erleichtern, denke ich mir.

Aber gelingt mir das? Ist es Ihnen gelungen?

 

5. Denk nicht in deiner Drangsalshitze,

dass du von Gott verlassen seist

und dass ihm der im Schoße sitze,

der sich mit stetem Glücke speist.

Die Folgezeit verändert viel

und setzet jeglichem sein Ziel.

 

Um das Verstehen zu erleichtern, denke ich.

Aber gelingt mir das?

Ja, vielleicht, und irgendwie schon, die Bilder sind bunt und klar, einfach und verständlich, auch wenn ich keine Königin, kein Häuslebauer bin, bin ich doch vernünftig genug, zu verstehen.

 

Was ich noch nicht verstanden habe ist, was ich glauben soll.

Es geht hier doch nicht nur um Krieg, nicht bloß um Geld, nicht allein um Häuser,

Das wäre zu einfach

Das zumindest glaube ich verstanden zu haben.

 

Er aber wandte sich um und sprach zu uns:

26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.

27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.

 

Ich bin Jünger – dachte ich, seit meiner Taufe, die ich nicht selbst entschied, aber dennoch, ich bin Jüngerin, seit im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Wasser floss, bin Jünger und Jüngerin, wie Sie…

und verständlicher Weise habe ich da jetzt ein Problem: denn ich mag sie, meine Familie, nicht immer, aber immer wieder und ganz grundsätzlich liebe ich meinen Vater, meine Mutter, meine Schwester und meinen Mann…

 

Doch er wendet sich um und spricht zu mir diese Worte, spricht sie zu uns, die wir in kleiner werdenden Mengen ihm hinterher laufen.

Den Versuch ihn zu verstehen, versucht er zu erleichtern mit Bildern vom gut durchdachten Krieg.

Nun, ich würde nicht gegen Gott in den Krieg ziehen

und verlieren wird, wer sein Seelenheil selbst erkämpfen will, der hat schon verloren,

wir alle haben schon einmal verloren

und wir sind jetzt hier, um das Friedensangebot anzunehmen,

wir schließen Frieden mit Gott und bitten für Frieden in der Welt,

denn das ist mir jetzt klar, ich will den Krieg nicht verstehen,

ich will ihn beenden – so einfach ist das

aber wer einen Krieg beenden will, der muss sich zu verstehen bemühen, wer und worum und mit wem und … das ist so kreuz-kompliziert, kaum zu ertragen, ein Kreuz ist es mit dem Krieg, kaum zu tragen.

Aber das ist mir jetzt klar, wer einen Krieg beenden will, der muss an den Frieden glauben – so einfach ist das, Jesus nachzufolgen…

 

Doch er wendet sich um und spricht zu mir diese Worte, spricht sie zu uns, die wir in kleiner werdenden Mengen ihm hinterher laufen.

Den Versuch ihn zu verstehen, versucht er zu erleichtern mit Bildern vom gut geplanten Bau:

Eines Turmes?, eines Hauses?, der Kirche?

Die Gemeinde ist ein heiliger Tempel Gottes, auferbaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten und Christus ist unser Eckstein, so sieht das Paulus.

Zum Hausbau braucht es genug Kredit,

zum Kirchbau braucht es genug Glauben,

denn wo Gott nicht das Haus baut, da arbeiten umsonst die daran bauen.

Und wo Gott nicht das Haus baut, da kommen wir über das Fundament, über den Grund, nicht hinaus, der Grund, der bereits vor uns da war, das Fundament, das gelegt ist, in Christus… wir kommen darüber nicht hinaus, wenn Gott nicht dabei ist und dann, ja dann machen wir uns lächerlich und die Leute spotten – so einfach ist das, Jesus nachzufolgen!

 

6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen

und ist dem Höchsten alles gleich:

den Reichen klein und arm zu machen,

den Armen aber groß und reich.

Gott ist der rechte Wundermann,

der bald erhöhn, bald stürzen kann.

Noch ein letztes Fragment bleibt, das schwerste, das unverständlichste, das dunkelste

Er aber wandte sich um und sprach zu uns:

Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.

nicht lieben sollst du dich, sondern hassen…

und deinen Nächsten nicht wie dich selbst lieben, du sollst ihn hassen,

das soll der Preis der Liebe sein,

das soll das Angeld der Jüngerschaft sein?

dann kann ich dir nicht folgen,

dann kann ich kein Jünger sein

ich kann das nicht,

bin ich denn kein Christ, keine Christin

Und wenn ich dir nicht nachfolge,

läufst du mir dann davon…?

verlassen von Christus, verlassen von Gott…

„Denk nicht in deiner Drangsalshitze,

dass du von Gott verlassen seist

Die Folgezeit verändert viel

und setzet jeglichem sein Ziel.“

 

Nein, so einfach löst sich der Knoten nicht

Ich glaube! Und dennoch kann ich nicht tun, was Er verlangt, was wir doch lesen in diesem Buch, wir, die wir alle heute hierhergekommen sind, auf einem gemeinsamen Weg, dem selben Glauben folgend und dem einen Gott

Nein, so einfach löst sich der Knoten nicht,

ich muss neu anfangen,

ich muss neu anfangen, denn ich kann nicht aufhören daran zu glauben, dass es Gottes Weg war, den wir hierher gegangen sind,

dass es Gott war, der uns beten macht,

dass es Gott ist, der uns singen lässt

 

7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,

verricht das Deine nur getreu

und trau des Himmels reichem Segen,

so wird er bei dir werden neu.

Denn welcher seine Zuversicht

auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

 

Und der Friede Gottes, der uns Kriege beenden lässt,

der Friede Gottes, der höher ist als jeder Turm der Vernunft,

der Friede Gottes, der uns einander lieben lässt wie Schwestern und Brüder,

der leuchte in unseren Herzen und Sinne

und bewahre uns in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.


[1] Die Strophen werden gemeinsam gesungen und beziehen sich auf: EG 369 „Wer nur den lieben Gott lässt walten.

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