07.12.2013 | Predigt am Vorabend des 2. Advent 2013

Predigttext: Offenbarung 3,7-13   – Es gilt das gesprochene Wort –   Gnade sei mit Euch und Friede vom dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen. Wer Ohren hat, der höre! …wie der Wind um die Ecke pfeift. …wie mein Kind fröhlich lacht. …wie der Schnee unter den Füßen

Predigtext: Offenbarung 3,7-13

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Gnade sei mit Euch und Friede vom dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen.

Wer Ohren hat, der höre!

…wie der Wind um die Ecke pfeift.

…wie mein Kind fröhlich lacht.

…wie der Schnee unter den Füßen kracht.

Wer Ohren hat, der höre!

Wie ich mit ihm rede,

wie ich mit ihm lache,

wie ich seufze und mir Sorgen mache.

Wer Ohren hat, der höre!

Ihre Sätze und deine.

Deine Lieder und seine.

Gottes Worte und meine.

Wer Ohren hat, der höre!

Es ist Advent.

Oft gehört, diesen Satz, viel gehört in diesen Tagen vom Warten,

in Tagen, wo wir Geduld haben müssen, wo wir Stress haben,

in Tagen voll Hektik, Vorweihnachtszeit eben, besinnlich geht anders.

Bei mir hilft in diesen Tagen nicht einmal predigen.

Kisten wollen gepackt werden, Regale entschraubt und Überflüssiges entsorgt.

Mein Advent ist noch voller als sonst, kürzer als sonst, aufregender.

Und er ist wahrlich eine Wartezeit,

nur warte ich nicht so sehr auf das Kind in der Krippe,

vielmehr warte ich auf einen Neubeginn, sozusagen auf mein eigenes Weihnachten:

Alles wird neu, alles aufregend, alles wird anders sein.

Das Neue wirft seine Strahlen voraus und dabei entstehen viele neue Schatten.

So strahlend er ist, unser Advent, mit all seinen Kerzen,

so sehr ängstigt er auch, zeigt er doch, dass wieder ein Jahr um ist.

Ein neues hat bereits begonnen, das Jahr der Kirche ist schon wieder fast eine Woche alt. Und auch das Weltjahr neigt sich beharrlich, bedrohlich und beschwerlich, beschwingt und berauscht dem Ende entgegen.

Wer Ohren hat, der höre!

…wie der Wind um die Ecke pfeift.

…wie mein Kind fröhlich lacht.

…wie der Schnee unter den Schuhen kracht.

Wer Ohren hat, der höre!

Und was ich alles höre:

Permanent irgendwas. Stille? eher selten.

Und wenn es um mich still ist, dann tönen meine Gedanken in mir:

Lassen mir selten Ruhe, treten sich gegenseitig auf die Füße,

drehen sich im Kreis und drehen mich im Kreis.

Manchmal stolpern wir und ergeben gar keinen Sinn mehr.

Dann hoffe ich auf Stille auch

in mir,

dann hoffe ich auf die Stille der Nacht in mir,

die Stille Nacht, die mir versprochen ist am Ende dieser Tage, am Ende des Advents, am Ende der Ankunft.

Doch davor liegt ein Weg voller Hören:

Ich höre Sie und ich höre mich.

Ich höre Lieder, die ich mag und Lieder, die

…nun ja.

Ich höre zärtliche Worte und ich höre Geschrei.

Ich höre vom Geboren werden und vom Sterben.

Neulich erst wieder das erste Kind einer alten Freundin,

neulich erst wieder der erste Tod des größten Sohnes Afrikas.

Dann halte ich inne im Hören, um zu Reden:

Ich gratuliere zur Geburt, wünsche Gottes Segen für Mutter und Kind.

Dann halte ich inne im Hören, um zu schweigen, mit allen, die um diesen großen Mann trauern, der einst, vor 95 Jahren auch ein kleines Kind, ein Säugling war. Geboren von einer junger Frau, auch Nelson Mandela hatte eine Mutter und hatte einen Vater.

Wer Ohren hat, der höre!

Wie ich mit ihm rede,

wie ich mit ihm lache,

wie ich seufze und mir Sorgen mache.

Wer Ohren hat, der höre!

Der Gigant der Gerechtigkeit ist tot.

Der Vorkämpfer für Versöhnung ist gestorben.

Der Mann, der nicht hassen wollte, weil ein Mensch, der hasst nicht frei ist,

dieser Mann lebte fast ein Jahrhundert auf Gottes Erde.

Er prägte Generationen, auch mich, auch Sie?

Nelson Mandela, da höre ich wieder,

höre beeindruckt von dem zärtlichen Erinnern der Südafrikaner an

Madiba,

höre vom wahrlich feierlichen Trauern, ja sie trauern und sie feiern, was dieser Mann für ihr Land, für die Welt errungen hat.

Mandela, schon als er lebte, eine Legende, kaum einer so bekannt, wie er, der ungebrochen nach 30 Jahren Gefangenschaft für Freiheit und Versöhnung eintrat, für Wahrheit und Gerechtigkeit.

Ich höre Mandela, höre einen Visionär, wie es sie nur selten gibt.

Ich höre Nelson, höre einen, der nie aufhörte an das Gute im Menschen zu glauben.

Ich höre

Madiba, höre einen, der Menschen versöhnen wollte, der Gerechtigkeit dem Recht vorzog.

Ich höre,

Madiba ist tot – auch ein Advent. Da ist einer angekommen, von wo er nicht mehr weiter muss und, so hoffen wir für ihn und für uns, wo Frieden herrscht und Gerechtigkeit.

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Worte eines Visionärs, eines alten Visionärs, vielleicht muss man als Visionär ein gewisses Alter haben, damit man gehört wird, damit die Menschen einem zuhören.

Der, den wir heute hörten, ist älter, als ich es mir vorstellen kann:

Johannes, der Seher, auf Pathmos.

Er sieht und er hört und ser chreibt all diese Worte auf.

Und dann lesen wir, und dann hören wir diese Worte und sie sind fremd.

Sie bleiben fremd, so mitten im Advent.

Fremd und schön zugleich, wenn ich höre, mit meinen Ohren, was dieser Visionär für uns schrieb:

Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids,

der auftut, und niemand schließt zu,

der zuschließt, und niemand tut auf:

8

Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.

9

Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht, sondern lügen;

siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe.

10

Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.

[11

Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!

12

Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen.]

13

Wer Ohren hat, der höre[, was der Geist den Gemeinden sagt]!

Noch ein Advent.

Einige aus der Synagoge des Satans werden geschickt – ER schickt sie!

Synagoge des Satans – wie das klingt in meinen Ohren,

in deutschen Ohren 2013 – gruselig klingt das für mich.

Und die, die den ganzen Weltkreis versuchen – nach Verschwörungstheorie klingt das für mich.

Verschwörungstheorien sind einfach, da gibt es eine einfache Wahrheit, die hinter den Dingen steckt und sie erklärt alles, ohne das ich schuld bin – schuld sind die anderen.

Mit so einer Erklärung brauche ich keine Geduld mehr zu haben,

weder mit der komplexen Welt noch mit meiner komplizierten Schuld daran,

dass Frieden fehlt und Gerechtigkeit,

dass Madibas Kinder leiden, aneinander und an uns.

Die Versuchung ist groß, sich zu befreien und zu sagen – die sind schuld, egal ob Synagoge oder Satan, so lange es andere sind, brauch ich keine Geduld mit mir zu haben und unserer Welt.

Wie viel schwerer ist es doch, Geduld zu bewahren,

zu warten darauf, dass auch der andere erkennt, er ist geliebt,

zu erkennen, dass ER, der ganz andere, dich geliebt hat.

Nun – das ist Advent.

So schwer ist dieses eine Wort: Advent,

aber es braucht nur eine kleine Kraft, es zu bewahren,

es braucht nur meine kleine Kraft und deine.

Wir haben eine kleine Kraft.

Und damit bewahren wir sein Wort:

Advent,

die Tür, die er uns aufgetan hat.

Wir verleugnen seinen Namen nicht

und er wird uns bewahren,

denn er liebt uns.

Wer Ohren hat, der höre!

Ihre Sätze und deine.

Deine Lieder und seine.

Gottes Worte und meine.

Wer Ohren hat, der höre!

Der Friede Gottes, der höher ist als all unser Verstehen, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

 

Juliane Rumpel, im Dezember 2013

 

 

Zurück


Logo Wiederaufbau Garnisonkirche Potsdam

zum Seitenanfang