20.11.2013 | Predigt am Buß- und Bettag 2013

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen. Es ist … November. Es ist … Mittwoch. Es ist … nicht meine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Vielleicht war es auch ein Mittwoch, als Jona in Ninive eintraf. Vielleicht war es

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen.

Es ist … November.

Es ist … Mittwoch.

Es ist … nicht meine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.

Vielleicht war es auch ein Mittwoch, als Jona in Ninive eintraf.

Vielleicht war es auch ein regnerischer Tag, als Jona die Botschaft von Ninives Untergang überbrachte.

Vielleicht dachten auch die Bewohner von Ninive, dass es nicht ihre Schuld sei, dass die Welt ist, wie sie ist.

Und dann?

Es sind noch vierzig Tage, dann wird Ninive untergehen, predigte Jona den Menschen in Ninive. Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an. Und als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte sich in den Sack und setzte sich in die Asche und ließ ausrufen […] Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Rinder noch Schafe Nahrung zu sich nehmen, […] und sie sollen sich in den Sack hüllen, Menschen und Vieh, und zu Gott rufen mit Macht. Und ein jeder bekehre sich von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände! Wer weiß? Vielleicht lässt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn…

Es ist … November.

Es ist … Mittwoch.

Es ist … nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.

Und dann kam, Jahrhunderte nach Jona und doch auf seinen Spuren, kam Johannes. Heuschrecken aß er und wilden Honig und predigte den Menschen, in der Wüste predigte er

kai legoon: metanoiäte! Eggiken gar he basileia toon ouranoon!

 

Das Reich Gottes ist nahe, kehrt um, tut Buße – ihr Schlangenbrut, die ihr glaubt, es reicht, dass ihr von Abraham abstammt, vom Erzvater Abraham. Ich sage euch, das reicht nicht, denn Gott ist größer als Abraham, er kann auch aus diesen Steinen Kinder Abrahams erwecken, ihr seid nichts Besonderes.

Ich sage euch, es ist Zeit: Gerechtigkeit erhöht ein Volk, Gerechtigkeit erhöht euch, die ihr an Gott glaubt und dennoch so fern seid von ihm, aber auch

euer Verderben ist die Sünde, ja die Sünde ist der Menschen Verderben. Kehrt um!

Es ist … November.

Es ist … Mittwoch.

Es ist … nicht unsere Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.

… es ist nur unsre Schuld, wenn sie so bleibt!

Also, kehrt um, tut Buße, denn das Reich Gottes ist nahe, so fing auch Jesu Predigt an:

metanoiäte! Eggiken gar he basileia toon ouranoon!

Und die Menschen damals hörten die Worte und hörten sie nicht und ließen sich taufen und kehrten um und kehrten nicht um.

Und Propheten kamen und Propheten gingen,

Gott aber bleibt.

Ich kehre um, wenn ich etwas vergessen habe, kehre ich um, kehre zurück nach Hause oder an den Schreibtisch im Büro, sammle ein, was ich vergas und gehe wieder los.

Ich kehre um, wenn ich etwas verpasst habe, wenn ich zu spät an die Haltestelle komme, der Bus schon weg ist, wenn ich zu spät ins Theater komme, die Vorstellung schon angefangen hat, dann kehre ich um und gehe zurück.

Ich kehre um, wenn ich mich verlaufen habe, wenn ich den Weg nicht mehr weiß, oder wenn ich falsch abgebogen bin, dann kehre ich um und orientiere mich neu.

Umkehren, Umkehr, ich tue es, tagtäglich fast, doch das Wort benutze ich selten.

Wer sagt heutzutage noch: Umkehren?!

Der König von Ninive sagt es, Johannes der Täufer sagt es, Jesus sagt es und bis heute kann ich es lesen, in eben jenen Texten in der Bibel. Lesen kann ich, doch was sagt es mir, ein Wort, dass ich nicht mehr benutzte – von Buße will ich gar nicht sprechen.

Umkehr ist nötig bei Vergessen, Verpassen, Verlaufen…

Die Spur ist gar nicht schlecht.

Wenn ich vergessen habe, wozu ich eigentlich unterwegs bin im Leben…

Wenn ich verpasst habe, was mir Gott als Aufgabe zugedacht hat…

Wenn ich mich verlaufen habe oder falsch abgebogen bin auf meinem Pfad…

Dann Umkehr? Zurückgehen, noch mal schauen, wo ich eigentlich herkomme und mich dann neu orientieren.

Aber kann das alles sein?

Den gleichen Weg zurückgehen, den ich gekommen bin?

Beim vergessenen Schlüssel tue ich genau das, denselben Weg einfach zurück.

Aber wenn mein Navigationsgerät im Auto mich auffordert zum Wenden, dann tue ich das selten, schon weil es der Gesundheit auf der Autobahn nicht förderlich wäre…

Ich wende nicht, ich fahre rechts und rechts und dann wieder links, ich suche einen neuen Weg, um das Ziel zu erreichen. Umkehr auf neuem Weg…

Und Umkehr zu Gott?

Ist genau das: Umkehr zu Gott, heißt eben nicht, Rückkehr in seinen Schoß, zurückgehen an den Ort, von dem ich kam, vielleicht sogar noch auf demselben Weg, nein, Umkehr zu Gott ist Unterwegs sein im Leben auf immer neuen Wegen.

Und ich zumindest habe dabei immer ein Lied im Kopf, kein Kirchenlied, ein Lied von den Ärzten:

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist,

es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt!

Und der Friede Gottes, immer wieder und so auch heute höher ist als all unsere Vernunft und unser Verstehen, dieser Friede bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

 

Pfarrerin Juliane Rumpel am 20. November 2013

 

 

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