Bauwerk

Erbauung

Der Baumeister der Garnisonkirche, Johann Philipp Gerlach, war städtischer Baudirektor Berlins und Oberbaudirektor der Residenzen Berlin und Potsdam. Gerlach entwarf zahlreiche Bürgerhäuser, Adelspalais und öffentliche Gebäude, wie die Hauptwache und das Kronprinzenpalais, die Garnisonkirche und Jerusalemer Kirche in Berlin sowie die Nikolaikirche und sein Hauptwerk – die Garnisonkirche in Potsdam. Er verband dabei holländischen mit französischem Einfluss.


Die erste Garnisonkirche

Da sich die Kapelle des Potsdamer Stadtschlosses schon 1720 für die stetig anwachsende Garnison als zu klein erwies, ließ Friedrich Wilhelm I. 1722 an der Breiten Straße die erste Garnisonkirche als Fachwerkbau über quadratischem Grundriss erbauen, vermutlich nach Plänen von Pierre de Gayette. Das lutherische und reformierte Militär nutzte sie simultan. Zudem nutzte die reformierte Hof- und Stadtgemeinde sie als Gottesdienstraum. Aus dieser Zeit stammt der noch heute erhaltene, hohe Altartisch aus Eichenholz.

Über der hölzernen Kanzel errichtete Joachim Wagner eine zweimanualige Orgel mit 25 Registern. In der offenen Laterne des Turms ließ der Soldatenkönig ein 35-stimmiges Glockenspiel einrichten.

Bei den Grundbauarbeiten für diese erste Garnisonkirche wurde allerdings eine Sumpfader getroffen und nach kurzer Zeit zeigten sich Risse im Gemäuer. Am 14. Juli 1730 befahl der König die Abnahme des Glockenspiels und den Turmabbruch. Doch die Kirche sollte sehr bald wenige Schritte entfernt in großzügiger Weise neu entstehen.


Die zweite Garnisonkirche

Der Glockenturm der neuen Garnisonkirche beherrschte – in ganzer Tiefe aus der Häuserzeile herausgerückt – fortan das Straßenbild. Der Durchblick zum Stadtschloss und zum Neustädter Tor blieben jedoch frei. Ebenso schlicht wie das mit Lisenen und Rundbogenfenstern gegliederte Kirchenschiff zeigte sich das quadratische Turmuntergeschoß. Drei jeweils verjüngte Turmgeschosse trugen auf den Gesimsen Trophäen- und Fahnenschmuck. Über der letzten massiven Etage erhob sich die offene Turmlaterne, die von einer Wetterfahne gekrönt wurde.


Architektur

Weithin überstrahlte die riesige, vergoldete Wetterfahne der Garnisonkirche die Stadt, symbolträchtig hinweisend auf den Wahlspruch Friedrich Wilhelms I.: „Nec soli cedit” (Nicht einmal der Sonne weicht er). Der zur Sonne auffliegende Adler versinnbildlichte dabei den Gläubigen, der zu Christus (als Sonne) aufstrebt. In der offenen Turmlaterne richtete der Glockenist und Organist der Berliner Parochialkirche, Arnoldus Carsseboom, das berühmt gewordene Glockenspiel ein. Das große Kirchengebäude verstand sich auch als senkrechter massiver Gegenpol zum Potsdamer Stadtschloss, das eher horizontal angeordnet war – jeweils Symbole für die göttliche und die irdische Macht.

Das Kircheninnere war ursprünglich im calvinistischen Sinne schlicht gestaltet. Dessen Quersaal gliederte Gerlach durch korinthische Pfeilerarkaden mit Korbbögen in drei Schiffe. Durch dazwischen eingespannte umlaufende Doppelemporen fanden über 3.000 Menschen in der Kirche Platz. Auf der nördlichen Langseite waren übereinander die Hofdamenloge und die Offiziers- und Königsloge angeordnet.

Im Süden fand in Höhe der ersten Empore die Kanzel ihren Platz. Darüber stand die große Orgel von Joachim Wagner mit dem von reichem beweglichem Figurenschmuck bekrönten Prospekt. Das dreimanualige Instrument besaß 42 klingende Stimmen und ein Glockenspiel im Pedal. Johann Sebastian Bach spielte darauf während seines Potsdam-Besuches 1747 vor Friedrich dem Großen.