19.03.2021 | „Glaube, Macht und Militär: Die Garnisonkirche Potsdam“

unter diesem Arbeitstitel wurde in der Sitzung des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche am 4. März 2021 die Konzeption für die Ausstellung im Turm einstimmig bestätigt und zur Umsetzung empfohlen. Die Ausstellung wird in der vierten Etage im Turm auf einer Fläche von ca. 250 m² ihren Platz finden.

Sie widmet sich der dreihundertjährigen Geschichte des Gotteshauses im Spannungsfeld zwischen evangelischer Kirche, Staat und Militär in den unterschiedlichen politischen Systemen, vor dem Hintergrund struktureller Veränderungen und in lokalen, regionalen, nationalen sowie europäischen Kontexten.

Die Ausstellung wird in sieben Themenbereichen exemplarisch für die Garnisonkirche Potsdam historische Zusammenhänge und ideengeschichtliche Wirkungen der engen Verbindung zwischen protestantischer Kirche und preußischem Staat mit seinem allgegenwärtigen Militärwesen, angefangen von der Grundsteinlegung der evangelischen Garnisonkirche im 18. Jahrhundert über die Entwicklung zur preußischen Militärkirche im 19. Jahrhundert, ihre Funktion als Symbolort des nationalistischen und demokratiefeindlichen Lagers in der Weimarer Republik, ihre Bedeutung in der Zeit des Nationalsozialismus bis zu ihrer Teilzerstörung am Ende des Zweiten Weltkriegs sowie ihrer Sprengung in der DDR – und bis in die Gegenwart hinein, einschließlich der Kontroversen um den Wiederaufbau präsentieren. Die Ausstellung wird ein nüchternes, kritisches und differenziertes Bild der Garnisonkirche und der preußischen Geschichte zeigen.

Auch dieses Projekt ist dem Ziel verpflichtet, einen demokratie-, menschenrechts- und friedensorientierten Lern- und Bildungsorts deutscher und europäischer Geschichte zu schaffen. Das kleine Team um die Ausstellungskuratorin Maria Schultz entwickelt gemeinsam mit Hana Hlásková, der Bildungsreferentin der Stiftung, Mitmachstationen für die Ausstellung und Anknüpfungspunkte für die künftige Bildungsarbeit.

Die Vorplanung des Projektes wurde aus Eigenmitteln der Stiftung Garnisonkirche und der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam e.V. finanziert. Für die Realisierung der Ausstellung sind seitens der Stiftung Fördermittelanträge an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen der Ergänzungsförderung zu der Baumaßnahme und an das Bundesministerium für Verteidigung gestellt. Die Gesamtkosten zur Realisierung der Ausstellung sind mit 1,03 Mio. € kalkuliert.

Die Eröffnung der Ausstellung wird zeitgleich mit der Inbetriebnahme des Turms angestrebt.

 

Maria Schultz, Kuratorin der Ausstellung: „Mir ist besonders wichtig zu betonen, dass sich die geplante Dauerausstellung als Ort der kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Garnisonkirche, insbesondere mit der bis 1945 wirkmächtigen preußisch-militaristischen und zugleich antidemokratisch-nationalistischen Traditionslinie und damit den Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts, versteht. Wir wollen mit dieser Ausstellung darüber hinaus zum Austausch über die Bedeutung von Religions-, Glaubens- und Meinungsfreiheit anregen und damit die Wertschätzung demokratischer Errungenschaften in der Gegenwart unterstützen.“

Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Stiftung Garnisonkirche: „Es ist ein gutes Gefühl, den ersten großen Abschnitt dieser Aufgabe nun an die Öffentlichkeit zu geben. Aber es ist nur ein Etappenziel. Fertig ist die Ausstellung, wenn sich zusammen mit der Eröffnung des Turmes die Türen für die Besucher öffnen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die Verzahnung der Ausstellung mit der zukünftigen Bildungsarbeit im Turm ist schon in der Phase der Erarbeitung ein Kontinuum. Schritt für Schritt kommen wir der ganzheitlichen Betreibung des Turmes näher.“

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