17.09.2014 | Zukunft der Garnisonkirche: Vielschichtiger Sehnsuchtsort

Der Zeithistoriker Martin Sabrow sieht die historische Rolle der Garnisonkirche differenziert. Er sagt: Ein Wiederaufbau sollte auch die DDR-Geschichte miteinbeziehen.

Die historische Rolle der Potsdamer Garnisonkirche wird immer wieder als Argument gegen den Wiederaufbau des Gotteshauses ins Feld geführt. Auch die erst jüngst entstandene Initiative gegen den Wiederaufbau „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ argumentiert damit, dass das nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zu DDR-Zeiten gesprengte Gotteshaus insbesondere für eine Kirche gestanden habe, „die sich von Obrigkeit und Militär in den Dienst nehmen ließ, Demokratie verachtete und auf politische Weisung Krieg predigte“. Eine Kirche, die der Einstimmung von Soldaten auf Gehorsam bis in den Tod gedient habe, lehnt die Initiative ab. Für diese Gegenposition werden seit gut zwei Wochen nun Unterschriften von Unterstützern gesammelt.

Eine historische Einordnung zu dieser Argumentation kommt nun vom Direktor des Potsdamer Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF), Martin Sabrow. Die Garnisonkirche sei in den vergangenen Jahren und besonders in den letzten Monaten zunehmend zu einer Projektionsfläche gegensätzlicher Zuschreibungen und Bilder geworden, sagte Sabrow gegenüber den PNN. „In dieser geschichtspolitischen Auseinandersetzung geht es nur vordergründig um die Vergangenheit der Kirche, tatsächlich aber um eine Fortsetzung einer vorher ebenso intensiv um den Landtagsneubau geführten Debatte um die Legitimität der städtischen Rekonstruktion preußischer Geschichtswahrzeichen.“

Natürlich habe Preußen und mit ihm die Garnisonkirche für den militaristischen Obrigkeitsstaat, für das wilhelminische Bündnis von Thron und Altar, für den Schulterschluss von nationalsozialistischer Revolution und konservativer Reaktion gestanden, gibt Sabrow zu bedenken. „Aber es stand eben auch für religiöse Toleranz und politische Aufklärung, für Rechtlichkeit und Pflichtbewusstsein, für Kunstsinn und Mäzenatentum, und es war Sehnsuchtsort von Kriegstreibern und Freigeistern zugleich, von schnarrenden Generälen ebenso wie von Voltaire oder Casanova“, erinnert der Zeithistoriker. (Potsdamer Neueste Nachrichten, von Jan Kixmüller, 17.09.2014)

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Zukunft der Garnisonkirche: Vielschichtiger Sehnsuchtsort

Der Zeithistoriker Martin Sabrow sieht die historische Rolle der Garnisonkirche differenziert. Er sagt: Ein Wiederaufbau sollte auch die DDR-Geschichte miteinbeziehen.

Die historische Rolle der Potsdamer Garnisonkirche wird immer wieder als Argument gegen den Wiederaufbau des Gotteshauses ins Feld geführt. Auch die erst jüngst entstandene Initiative gegen den Wiederaufbau „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ argumentiert damit, dass das nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zu DDR-Zeiten gesprengte Gotteshaus insbesondere für eine Kirche gestanden habe, „die sich von Obrigkeit und Militär in den Dienst nehmen ließ, Demokratie verachtete und auf politische Weisung Krieg predigte“. Eine Kirche, die der Einstimmung von Soldaten auf Gehorsam bis in den Tod gedient habe, lehnt die Initiative ab. Für diese Gegenposition werden seit gut zwei Wochen nun Unterschriften von Unterstützern gesammelt.

Eine historische Einordnung zu dieser Argumentation kommt nun vom Direktor des Potsdamer Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF), Martin Sabrow. Die Garnisonkirche sei in den vergangenen Jahren und besonders in den letzten Monaten zunehmend zu einer Projektionsfläche gegensätzlicher Zuschreibungen und Bilder geworden, sagte Sabrow gegenüber den PNN. „In dieser geschichtspolitischen Auseinandersetzung geht es nur vordergründig um die Vergangenheit der Kirche, tatsächlich aber um eine Fortsetzung einer vorher ebenso intensiv um den Landtagsneubau geführten Debatte um die Legitimität der städtischen Rekonstruktion preußischer Geschichtswahrzeichen.“

Natürlich habe Preußen und mit ihm die Garnisonkirche für den militaristischen Obrigkeitsstaat, für das wilhelminische Bündnis von Thron und Altar, für den Schulterschluss von nationalsozialistischer Revolution und konservativer Reaktion gestanden, gibt Sabrow zu bedenken. „Aber es stand eben auch für religiöse Toleranz und politische Aufklärung, für Rechtlichkeit und Pflichtbewusstsein, für Kunstsinn und Mäzenatentum, und es war Sehnsuchtsort von Kriegstreibern und Freigeistern zugleich, von schnarrenden Generälen ebenso wie von Voltaire oder Casanova“, erinnert der Zeithistoriker. (Potsdamer Neueste Nachrichten, von Jan Kixmüller, 17.09.2014)

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