16.10.2010 | ZEITZEUGEN: Schatz aus der Scheune – Gusseiserne Teile der Potsdamer Garnisonkirche in Lütte aufgetaucht

BAD BELZIG – Üb’ immer Treu und Redlichkeit – an das Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche kann sich Lothar Hellmuth nicht mehr erinnern, wohl aber an die heftigen Detonationen, die im Frühsommer 1968 die Breite Straße in der damaligen Bezirkshauptstadt erschütterten. Und an die vielen Trümmer, die nach der Sprengung des 1732 eingeweihten Gotteshauses übrig blieben.

BAD BELZIG – Üb’ immer Treu und Redlichkeit – an das Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche kann sich Lothar Hellmuth nicht mehr erinnern, wohl aber an die heftigen Detonationen, die im Frühsommer 1968 die Breite Straße in der damaligen Bezirkshauptstadt erschütterten. Und an die vielen Trümmer, die nach der Sprengung des 1732 eingeweihten Gotteshauses übrig blieben. „Ich bin Trecker gefahren für eine Abrissfirma in Brandenburg“, blickt Lothar Hellmuth weit in die Vergangenheit zurück. „Die Steine kamen ins Betonwerk, der Schrott wurde aussortiert“, berichtet der Senior, der im Bad Belziger Ortsteil Lütte lebt.

Riesige Schuttberge von unwiederbringlich zerstörten Kulturgütern türmten sich vor dem jungen Arbeiter auf – zerborstene Putten, gebrochene Bögen, verbogene Gitter. Und jene gusseisernen Blätter, die Lothar Hellmuth kurz entschlossen vor der Schmelze bewahrt hat. Es sind insgesamt 15 Stück. Der Zierrat hat die vergangenen 40 Jahre in der Scheune des heutigen Rentners überdauert. Zwischen Gartengeräten und allerlei Spinnweben lagen die metallenen Zeugen einer mehr als 235-jährigen Geschichte. Verwendet hat er die Teile nie. „Ich wusste auch gar nicht wozu, ich fand sie einfach nur zu schade zum Wegwerfen“, sagt Hellmuth.

Sehr zur Freude von Michael Kreutzer. „Eine tolle Geschichte“, kommentiert der Mitarbeiter vom Stadtkirchenpfarramt in Potsdam das überraschende Auftauchen der längst verloren geglaubten Schätze. „Wir sind froh und dankbar über jeden Gegenstand und jeden Bericht eines Zeitzeugen“, sagt Kreutzer. „Es ist sehr wichtig, dass sich die Leute bei uns melden.“

Nun möchte Michael Kreutzer erst einmal die gusseisernen Blätter in Augenschein nehmen. Den Erinnerungen von Lothar Hellmuth zufolge sollen sie einst als Schmuckelemente am Turm angebracht gewesen sein. „Aber das ist alles schon so lange her.“

Tut es ihm heute eigentlich leid, dass er am Abriss des einstigen Potsdamer Wahrzeichens beteiligt war? „Ach wissen Sie, damals wurden wir doch gar nicht danach gefragt“, sagt der Senior. Es sei eben seine Arbeit gewesen, und er habe sie erledigt. Nun möchte Lothar Hellmuth seinen Beitrag leisten zum Wiederaufbau der Garnisonkirche und die Eisenblätter dem Verein übergeben. „Ich will dafür nichts haben, es ist doch für eine gute Sache.“ (MAZ vom 16.10.2010, Von Hermann M. Schröder)

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