22.06.2009 | WIEDERAUFBAU: Huber leitet das Kuratorium Garnisonkirchen – Stiftung kann mit Spendensammlung beginnen

Der scheidende Bischof und EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber ist Vorsitzender des Kuratoriums der „Stiftung Garnisonkirche Potsdam“. Das Gremium nahm gestern mit einer konstituierenden Sitzung seine Arbeit auf. Bei einem anschließenden Festgottesdienst in der Nikolaikirche schwor Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz die Mitglieder auf ihre Aufgaben ein: Mit einem „Ja, mit Gottes Hilfe!“ nahmen sie ihren Auftrag an. Ministerpräsident

Der scheidende Bischof und EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber ist Vorsitzender des Kuratoriums der „Stiftung Garnisonkirche Potsdam“. Das Gremium nahm gestern mit einer konstituierenden Sitzung seine Arbeit auf.

Bei einem anschließenden Festgottesdienst in der Nikolaikirche schwor Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz die Mitglieder auf ihre Aufgaben ein: Mit einem „Ja, mit Gottes Hilfe!“ nahmen sie ihren Auftrag an. Ministerpräsident Matthias Platzeck, Oberbürgermeister Jann Jakobs und Innenminister Jörg Schönbohm, die dem Kuratorium angehören, hatten sich wegen anderer Termine entschuldigen lassen. Huber sagte, das wiedererrichtete Gotteshaus werde zur Stadt, zum Land und zur internationalen Gemeinschaft hin offen sein. Die Sprengung des Turmes 1968 durch die SED-Führung sei ein „gewaltiges Unrecht“ gewesen, das nun getilgt werden könne. „Die Wahrheit hinter der Sprengung ist doch: Der Geist des Prager Frühlings sollte nicht im Osten Deutschlands Einzug halten“, sagte Huber. Er will die Kirche als „Schule des Gewissens“ verstanden wissen, als einen Ort, wo geschichtliche Schuld ebenso zur Sprache kommen solle wie der Widerstand gegen das Unrecht.

Als Zieltermin gilt der Reformationstag 2017. Laut Stiftungssatzung soll eine „Symbolkirche“ und ein „Erinnerungsort“ entstehen. Die wechselvolle Geschichte der Garnisonkirche solle aufgearbeitet und vermittelt werden. In dem Gotteshaus hatten nicht nur die Nationalsozialisten die Inszenierung der Reichstagseröffnung vollzogen, hier hatte auch der spätere Widerständler Henning von Tresckow eine Rede über Verantwortung und Freiheit zur Konfirmation seiner beiden Söhne gehalten.

Die Stiftung hat ein Anfangsvermögen von 360 000 Euro, von denen je 150 000 von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Evangelischen Kirchenkreis Potsdam kommen; 60 000 Euro zahlt der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein. Die Landeshauptstadt überträgt der Stiftung unentgeltlich 900 Quadratmeter Baugrund und räumt die Option auf weitere 650 Quadratmeter ein.

In der Satzung heißt es, das Gebäude werde „als evangelische Kirche“ genutzt. Der Stiftungszweck werde weiterhin „insbesondere durch Friedens- und Versöhnungsarbeit und deren Förderung“ sowie durch „Stadtkirchenarbeit“ verwirklicht. In der Satzung heißt es: „Gottesdienste werden gefeiert, christlich geprägte Bildung wird vermittelt, eine Ethik der Verantwortung aus christlichem Geist wird gestärkt.“ (Von Jan Bosschaart)

Zurück


zum Seitenanfang