23.03.2015 | Wahrheit und Heilung durch Wiederaufbau

Oberbürgermeister Jakobs und Londoner Pfarrer gedenken in Potsdamer Nagelkreuzkapelle dem "Tag von Potsdam".

 

Mit einem Gedenkgottesdienst haben die Stiftung Garnisonkirche und die Stadt Potsdam gemeinsam mit der Deutschen Nagelkreuzgemeinschaft an den „Tag von Potsdam 1933" erinnert. In der Potsdamer Nagelkreuzkapelle sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs, der „Handschlag von Potsdam" vor der Garnisonkirche habe sich im kollektiven Gedächtnis abgespeichert.

Am 21. März 1933 hatten sich Reichskanzler Paul von Hindenburg und Adolf Hitler nach einem Festakt zur Eröffnung des Reichstags vor dem Gotteshaus die Hand gereicht. Die Nationalsozialisten hätten sich, so Jakobs, damals dem demokratischen Geist der Weimarer Republik entgegengestellt. Der Zerstörung der Kirche 1945 durch die Alliierten sei der Krieg der Deutschen vorausgegangen. „Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass zuerst der deutsche Bombenterror europäische Städte zerstört hat."

In der von Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst geleiteten Feier überbrachte Reverend Dr. Alan McCormack, Pfarrer der von deutschen Bombern im Zweiten Weltkrieg zerstörten und später wieder aufgebauten Londoner St Vedast Church, die Grüße der City of London. Erinnerung könne niemals nur eine gemeinsame Feier leisten. Seine Gemeinde habe Wahrheit und Heilung durch den Wiederausbau erfahren. „Unsere Gebete werden mit den Menschen in Potsdam sein", schloss der Geistliche, dessen Gemeinde etwa 300 Mitglieder zählt und der für weitere Kirchen in der Londoner City zuständig ist.

Worte des Gedenkens sprach anschließend die Vertreterin der Deutschen Nagelkreuzgemeinschaft e.V., Dr. Cornelia Kulawik. Die Berliner Pfarrerin sprach das bekannte Nagelkreuzgebet von Coventry, das zu Schuld und Vergebung aufruft und den gemeinsam gesprochenen Gebetsruf „Vater vergib" voranstellt.

Radeke-Engst sagte, Christen stellten sich am Tag von Potsdam der historischen Schuld. Der symbolhafte Handschlag sei eine rote Linie gewesen, überschritten, habe sie bis in die Konzentrationslager des „Dritten Reiches" geführt. Mit der Kapelle sei nun ein Zufluchtsort entstanden. „An der leisen Stimme des Friedens wird man uns erkennen", beschrieb sie die Aufgabe der Versöhnung im Andachtsraum der Kapelle, die am Platz der 1945 teilzerstörten und 1968 gesprengten Garnisonkirche steht.

Am sogenannten „Tag von Potsdam" hatten in der Stadt mehrere Veranstaltungen an das Ereignis deutscher Geschichte erinnert. So eine Tagung „Architektur als Mythos" der Fachhochschule Potsdam, in der Referenten dazu aufforderten, in Potsdam „Geschichte vom Stadtschloss zur Garnisonkirche neu zu denken".

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