13.11.2015 | „Von Frieden kann man noch nicht sprechen“ - Pfarrerin Inga Troue über die Friedensmission im Kosovo

Zwei Kosovo-Einsätze 2011 und 2013 haben den Blick von Militärpfarrerin Inga Troue für die Friedensmissionen der Bundeswehr geschärft. Jetzt berichtete sie darüber in der Potsdamer Nagelkreuzkapelle am Standort der Garnisonkirche. 

Zwei Kosovo-Einsätze 2011 und 2013 haben den Blick von Militärpfarrerin Inga Troue für die Friedensmissionen der Bundeswehr geschärft. Jetzt berichtete sie darüber in der Potsdamer Nagelkreuzkapelle am Standort der Garnisonkirche. 

Schon seit 1999 steht das Kosovo unter UN-Verwaltung. Sechs Kompanien aus 28 Nationen, 22 davon aus NATO-Staaten patrouillieren im Land und sorgen für eine scheinbar noch immer fragile Sicherheit. Das Kontingent der Bundeswehr ist 680 Soldaten stark. Nach wie vor der zweitgrößte Auslandseinsatz der deutschen Armee nach Afghanistan. Ziel der NATO geführten „Peacekeeping“-Mission der Kosovo Force (KAFOR) ist es, Bedingungen für ein friedliches Leben im jungen Staat zu schaffen und den 1999 vereinbarten Waffenstillstand zu garantieren. Ob damit der Aufbau von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und die Neugestaltung des Wirtschafts- und Soziallebens allerdings gelingen, kann niemand garantieren. Nach wie vor ist die Republik Kosovo ein ethnisch zwischen Serben und Kosovo-Albanern geteiltes Land. „Von Frieden kann man noch nicht sprechen“, sagte Troue. Sie war mit den Soldatinnen und Soldaten in Prizren eingesetzt, einer Stadt mit etwa 250.000 Einwohnern. Ein deutscher Jesuit hat hier mit Spendengeldern das „Loyola Gymnasium“ aufgebaut. Bildung soll die zu 55 Prozent arbeitslosen Jugendlichen präparieren. Dazu passt eine Initiative: In Mitrovica hat ein deutscher Diakon ein Diakonie-Trainingscenter gegründet. Es hilft jungen Menschen ihre Ausbildung abzuschließen und technisch-handwerkliche Berufe zu erlernen. In einem Jugendzentrum suchen die Betreiber junge Leute aller Ethnien zusammenzubringen. Für deren Zukunft ist die Pfarrerin im Potsdamer Einsatzführungskommando sich allerdings nicht sicher: Durch die verbreitete Korruption könne die Zukunft verloren gehen, beurteilt sie die Lage. Auf die Frage, wie es Bundeswehrsoldaten dort ergehe, sagte sie, Angst um ihr Leben müssten sie nicht haben. Dennoch hätten seit 1999 27 deutsche Soldaten ihr Leben gelassen, zu einem großen Teil durch Unglücksfälle. Wie unsicher die Lage außerhalb der Städte und Straßen noch immer ist, zeigt sich an der Verminung vieler Gegenden. Sich dort zu bewegen kann tödlich enden. Meist jedoch hatte die Seelsorgerin mit erfreulichen Dingen zu tun: „Ich habe im Einsatz Soldaten getauft oder getraut und leitete sogar einen Kirchenchor.“

Nagelkreuzpfarrerin Cornelia Radeke-Engst zeigte sich als Veranstalterin beeindruckt vom Einsatz in einem Land, in dem der Frieden noch wachsen muss, durch die Soldaten allerdings doch gewahrt bleibt.

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