14.12.2015 | "Versöhnung ist eine lange Reise"

Die Coventry Cathedral ist eine der großen Kirchen Englands und wurde 1918 zur Kathedrale erhoben. Ihre Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die jüngere Geschichte ist ganz der Versöhnung gewidmet.

Canon Dr. Dr. Sarah Hills in der Nagelkreuzkapelle, Quelle: Töpelmann

Die Coventry Cathedral ist eine der großen Kirchen Englands und wurde 1918 zur Kathedrale erhoben. Ihre Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die jüngere Geschichte ist ganz der Versöhnung gewidmet. Im November 1940 zerstörten deutsche Bomber den Kirchenbau. Schon einen Tag später prägte Pastor Stephan Howard im Angesicht der Trümmer das Wort: „Father forgive“. „Wohlgemerkt, er sagte nicht, Vater vergib ihnen“, erläuterte Reverend  Canon Dr. Sarah Hills vor den Zuhörern in der Potsdamer Nagelkreuzkapelle. Die Bitte sei aber mitten im Zweiten Weltkrieg eine erstaunliche Aussage gewesen: Eine „Key-Message“ – eine Schlüsselbotschaft. Dahinter steckte die Überzeugung, alle Menschen bedürfen der Vergebung.  

Dass  Vergebung zu den wichtigsten christlichen Überzeugungen gehört, machte Hills an einem Beispiel aus Südafrika deutlich. Hier besuchten Christen einen Gefangenen im Gefängnis, der Freunde und Anverwandte bei einem Bombenanschlag getötet hatte. Die farbigen Südafrikaner nahmen eine 28-stündige Bahnfahrt zum Gefängnis in Kauf, erstritten sich den Zugang bei der Gefängnisleitung. Am Ende hörte der Mörder Stephan Coetzee die Geschichten der in ihrer Seele Verwundeten, sah ihre Verwundungen. Ein langer Weg der Versöhnung. „Die Versöhnungsarbeit soll diese Gemeinde prägen“, sagte Nagelkreuzpfarrerin Cornelia Radeke-Engst zur Zukunft der Garnisonkirche. Deshalb werde der Turm zuerst wieder aufgebaut.

Zum Besuch der Pfarrerin für Versöhnung aus Coventry hatte der anglikanische  Archbishop Desmond Tutu (Südafrika) an Radeke-Engst geschrieben: „Hier ist die Chance, eine Zeugin für Versöhnung zu hören, die von innen und außen Versöhnung kennt und Antworten geben kann.  Vergebung heißt nicht vergessen. God bless you“.

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