03.07.2012 | Stiftung Garnisonkirche tritt Nagelkreuzgemeinschaft Coventry bei – Versöhnungsgedanke wird neu interpretiert – weg vom internationalen Problemansatz hin zur Aufarbeitung der zwiespältigen Kirchengeschichte

POTSDAM / INNENSTADT – Die Stiftung Garnisonkirche wird um die Mitgliedschaft in der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft ansuchen. Das sagte der theologische Stiftungsvorstand Martin Vogel gestern zur MAZ. Bislang war die Verbindung zur Nagelkreuzgemeinschaft in

POTSDAM / INNENSTADT – Die Stiftung Garnisonkirche wird um die Mitgliedschaft in der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft ansuchen. Das sagte der theologische Stiftungsvorstand Martin Vogel gestern zur MAZ. Bislang war die Verbindung zur Nagelkreuzgemeinschaft in Coventry einerseits durch die persönliche Mitgliedschaft Vogels gegeben, andererseits durch die institutionelle Verbindung zwischen der Potsdamer Stadtkirchenarbeit und Coventry. Bereits jetzt wird einmal im Monat freitags eine Nagelkreuzandacht in der Temporären Kapelle an der Breiten Straße abgehalten.

Das Nagelkreuz von Coventry steht für die Idee der völkerweiten Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg. „Damit verpflichtet sich die Stiftung erneut, den Geist der Versöhnung in Potsdam bei der Projektarbeit erkennbar zu gestalten“, so Vogel, der gleichzeitig jüngsten Vorwürfen der Linken widerspricht, dass es eine Abkehr vom Versöhnungsgedanken beim Wiederaufbauprojekt gebe. Geändert hätte sich im Laufe der Jahre nur die Bezeichnung für das Vorhaben, so Vogel: „Statt des etwas sperrigen Titels ,Internationales Versöhnungszentrum‘ sprechen wir jetzt von einem ,Ort der Versöhnung‘.“ Geplant ist unter anderem, mit professionellen Partnern die zwiespältige Geschichte des Gotteshauses fundiert aufzuarbeiten.

Auch Superintendent Joachim Zehner, der für den Kirchenkreis im Stiftungskuratorium sitzt, will den Anspruch an die Versöhnungsarbeit nicht unrealistisch hoch hängen. „Bei einem ,Internationalen Versöhnungszentrum‘ stellt man sich vor, dass da jemand den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern lösen möchte – so etwas können wir doch gar nicht leisten.“ Stattdessen solle man sich der Probleme „vor der eigenen Haustüre“ annehmen, fordert Zehner. Auch er wünscht sich eine Geschichtsaufarbeitung, indem man zur „Geschichte des preußischen Militarismus Stellung“ nimmt. Zudem greift Zehner einen Gedanken auf, den der hochbetagte Pfarrer i. R. Wilhelm Stintzing seit längerem propagiert: die wiedererrichtete Garnisonkirche als Potsdamer Universitätskirche. „Bereits jetzt hält die Studentengemeinde in der Temporären Kapelle Gottesdienste ab“, erklärt der Superintendent, der sich eine weitere Öffnung hin zur Jugend wünscht.

Auf der Sitzung des Kreiskirchenrats am 20. Juni wurde beschlossen, dass auch der Potsdamer Kirchenkreis neben der Garnisonkirchenstiftung Mitglied in der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft werden soll. (MAZ vom 03.07.2012, Von Ildiko Röd)

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