19.08.2019 | Stellungnahme zum offenen Brief von Prof. Philipp Oswalt

Zu den „Forderungen“ in dem offenen Brief, der im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam an Herrn Bundespräsidenten Dr. Frank-Walter Steinmeier, Frau Staatsministerin Prof. Monika Grütters, Herrn Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und Herrn Oberbürgermeister Mike Schubert gerichtet wurde, nehmen wir - die Stiftung, die Fördergesellschaft und die Gemeinde am Ort - folgendermaßen Stellung:

Seit dem Baubeginn des Turms 2017 befasst sich die Stiftung mit der Vertiefung der Bauplanung für die Ausstattung und die Nutzungen des Turms. Dabei werden auch Planungsvarianten für das Glockenspiel bzw. Carillon geprüft, ohne dass eine Vorentscheidung für einen historischen Nachbau oder ein modernes Glockenspiel getroffen ist. Der Einbau des auf der Plantage befindlichen Glockenspiels wird von der Stiftung Garnisonkirche nicht in Betracht gezogen. Gleichwohl ist die Stiftung bereit, der Stadt Potsdam anzubieten, durch den neuen Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung eine Expertise zu Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des genannten Glockenspiels erstellen zu lassen.

 

Stiftung, Fördergesellschaft, Gemeinde und alle beteiligten Planer sind sich bewusst, dass es eine breite Debatte um die Fragen der Rekonstruktion von Gebäuden gibt. Auch deswegen haben sich alle Beteiligten seit Beginn der Bauplanungen mit den verschiedenen Argumenten intensiv auseinandergesetzt, diese abgewogen und sorgfältig entschieden. Bei der Wiedererrichtung des Turms der Garnisonkirche tritt das Argument des städtebaulichen Bildes von Potsdam neben die Überzeugung, dass gerade ein äußerlich wiedererkennbarer Turm die Fragestellungen befördert, die uns wichtig und die in dem Dreiklang „Geschichte erinnern, Verantwortung lernen, Versöhnung leben“ beschrieben sind. Im Sockel des entstehenden Turms ist schon jetzt die Inschrift „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“ in fünf Sprachen in den Sandstein eingefräst und im Inneren des Turms als offenes Haus entstehen 1.200 Quadratmeter Nutzfläche für die inhaltliche Arbeit.

 

Gemäß der Stiftungssatzung der Stiftung Garnisonkirche Potsdam strebt die Stiftung für die zukünftig im Turm stattfindende inhaltliche Arbeit eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern an. Auch die in dem Schreiben genannten Institutionen sind dabei im Blick. In diesem Sinne wird jedoch schon seit Jahren ein breites Programm an Veranstaltungen angeboten, bei dem unzählige Partner mitgewirkt haben. Wir bedauern, dass diese Arbeit ignoriert wird.

Wir sind fest davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft das Gespräch miteinander, nicht das Reden übereinander braucht. Auch deswegen hat der Vorstand der Stiftung Garnisonkirche  Prof. Oswalt zu einem Gespräch eingeladen.

 

In dem Schreiben wird auf die schwierigen und belastenden historischen Zusammenhänge hingewiesen, die mit diesem Ort verbunden sind. Dabei ist von der „unheilvollen Allianz zwischen Kirche, Militär und autokratischem Staat“ die Rede. Im unmittelbaren Anschluss daran heißt es: „In den Gremien der Stiftung Garnisonkirche wie bei ihren repräsentativen Veranstaltungen sind Vertreterinnen und Vertreter von Kirche, Politik und Militär einbezogen und manifestieren das Bemühen, auch institutionelle Traditionen wieder aufzugreifen.“ Durch eine solche unmittelbare Verknüpfung wird die Arbeit von Stiftung, Fördergesellschaft und Gemeinde auf inakzeptable Weise diffamiert. Jeder Blick auf das konkrete Programm in der Nagelkreuzkapelle Potsdam belegt, dass die damit verbundenen Unterstellungen jeder Grundlage entbehren.

i.A. Peter Leinemann

Verwaltungsvorstand

Stiftung Garnisonkirche Potsdam

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