29.03.2009 | Spenden Garnisonkirche: Stück für Stück zum Wiederaufbau

Der Einkauf per Katalog liegt im Trend. Die Umsatzzahlen der Warenanbieter im Internet steigen stetig. Mit dieser Lust am stressfreien Shoppen soll jetzt dem berühmtesten Potsdamer Kirchenbau zu dessen Renaissance verholfen werden. – Die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e.V. (FWG) will mit ihrem “Katalog der Fassaden-Schmuckelemente” ihrem Vereinsziel quasi Stück für Stück

Der Einkauf per Katalog liegt im Trend. Die Umsatzzahlen der Warenanbieter im Internet steigen stetig. Mit dieser Lust am stressfreien Shoppen soll jetzt dem berühmtesten Potsdamer Kirchenbau zu dessen Renaissance verholfen werden.
- Die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e.V. (FWG) will mit ihrem “Katalog der Fassaden-Schmuckelemente” ihrem Vereinsziel quasi Stück für Stück näher kommen.
Hinter dem amtsstubentauglichen Untertitel verbirgt sich eine attraktiv gestaltete Mixtur aus historischem Bilderbuch und nüchterner Preisliste. Damit wollen die Initiatoren die geplante Rekonstruktion des Sakralbaus gleichsam portionsweise für potenzielle Sponsoren schmackhaft machen.
Funktionieren soll das so: Wem der Anblick der Bilder des im Krieg beschädigten und 1968 endgültig gesprengten Kirchbaus das Herz geöffnet hat, kann gleich auf der Folgeseite sein persönliches Förderobjekt aussuchen. Denn der historische Experte des Vereins, Andreas Kitschke, hat den gesamten Aufriss des Baukörpers systematisch kartiert, segmentiert und ausgepreist. Unter der Chargen-Nummer 1.1.4.6. etwa findet sich die “Archivolte mit Schlussstein über Turmeingang”. Was sich fast schon liest wie eine gehobene Küchenkreation, dürfte den Spender aber weniger im Bauch als im Geldbeutel drücken: 12 000 Euro kostet dieses Stück stadtgeschichtlicher Delikatesse. Das teuerste Angebot ist im Übrigen die Wetterfahne. Für das Ensemble Krone, Adler, Monogramm und Strahlenkranz werden 140 000 Euro fällig.
Doch auch weniger Betuchte können sich engagieren. Ein schlichter Ziegel ist schon ab zehn Euro erhältlich, wobei der Spender den Stein sogar signieren darf.Diese Möglichkeiten will die FWG noch viel bekannter machen.
Deren Vorsitzender Johann-Peter Bauer, Kapitän und Regierungsrat a.D., hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren einen bemerkenswerten Ruf erworben. Das bei Skeptikern als preußentümelndes Projekt bürgerlicher Kreise verschriene Vereinsziel machte er zum Teil auch bei politisch Linken salonfähig. Darauf ist er ein wenig stolz. Friedens- und Versöhnungsarbeit soll hier einmal geleistet werden. Dabei wollen die Initiatoren auch den Missbrauch der Kirche durch die Nationalsozialisten für Hitlers Selbstinszenierung am “Tag von Potsdam” nicht übergehen. Auch vom ewigen Menetekel der chronischen Unterfinanzierung des Vorhabens lässt sich Bauer nicht bremsen. Stattdessen arbeitete er an den Grundlagen für den künftigen Erfolg. “Die dringend benötigte Stiftung für den Wiederaufbau steht, die Kandidaten für das elfköpfige Kuratorium sind gefunden. Anfang Mai soll die Stiftung durchstarten”, sagt Bauer.
Die FWG kann sich so bald ganz auf das Spendensammeln konzentrieren – mit einem reputierlichen Gremium im Rücken und dem Katalog in der Hand.
Die Stiftung ist eine “konzertierte Aktion” für Potsdams einstiges Wahrzeichen. Die Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der Evangelische Kirchenkreis Potsdam und der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein Potsdam wirken mit. Die Landeshauptstadt Potsdam ist ebenso vertreten wie Landesregierung und FWG.
Das Ziel haben die Freunde des Wiederaufbaus fest im Blick: Bis zum 500. Jahrestag der Reformation, am 31. Oktober 2017, soll der Turm der “Hof- und Garnisonkirche” wieder stehen. In Geduld müssen sich die weltweit etwa 800 Vereinsmitglieder derweil eben üben. Oder, wie Johann-Peter Bauer es frei nach König Salomon formuliert: “Alles unter dem Himmel hat seine Zeit und seine Stunde.” (Von Sven Rosig)

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