02.09.2013 | Spende für Garnisonkirche

Hausstand unterm Hammer Für den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche soll der Nachlass einer Spenderin versteigert werden. Die Verstorbene hatte die Fördergesellschaft

Für den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche soll der Nachlass einer Spenderin versteigert werden. Die Verstorbene hatte die Fördergesellschaft zum Wiederaufbau als Alleinerbe eingesetzt. Das brachte schon mehr als 800 000 Euro.

Ihr Nachlass war vor drei Jahren die erste Großspende für den Wiederaufbau der Garnisonkirche: 700 000 Euro in Bar und der Erlös von knapp 100 000 Euro aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung hatte Johanna Hofmann aus Bad Pyrmont der Fördergesellschaft vererbt, ohne dass in Potsdam jemand davon wusste. Erst nach dem Tod der 93-Jährigen im Jahr 2010 informierte der Nachlassverwalter die Gesellschaft, dass sie als Alleinerbe eingesetzt worden war. Nun soll der Hausstand der Dame versteigert werden, und auch dieser Erlös soll in den Wiederaufbau fließen.

Die Versteigerung findet am 21. September in der temporären Kapelle auf dem Grundstück der Garnisonkirche statt. Organisiert wird sie vom Auktionshaus Eichelkraut, das auch den Katalog erstellen wird. Viel will man dort noch nicht über den Wert der Objekte verraten, die versteigert werden sollen. Nur so viel: „Von Kitsch bis Kunst ist alles dabei“, sagt Auktionshaus-Inhaber Tobias Kuhröber. Unter den Hammer kommt die gesamte Einrichtung der Dame, vom Hausrat über Möbel bis hin zu Porzellan, Schmuck, Münzen und Bildern. Ab Mittwoch sollen die Stücke auf der Homepage des Auktionshauses zu sehen sein, einige ab dem 9. September auch in der Kapelle der Garnisonkirche.

Die Spenderin habe Vorfahren in Potsdam gehabt und sei der Stadt daher sehr verbunden gewesen, sagte die Sprecherin der Stiftung Garnisonkirche, Friederike Schuppan. Deshalb sei sie auch Mitglied in der Fördergesellschaft gewesen. Der ehemalige Vorsitzende der Fördergemeinschaft, Johann-Peter Bauer, kannte sie persönlich, wie er 2010 anlässlich der Großspende erzählt hatte. Seit 2007 sei Johanna Hofmann immer wieder in Potsdam gewesen und habe auch angekündigt, sich für den Wiederaufbau der Kirche einsetzen zu wollen. Dass die Frau, die keine Nachkommen hatte, dann ihr gesamtes Vermögen der Fördergesellschaft vererbte, war dennoch eine Überraschung.

Wie hoch der Erlös aus der Versteigerung ihres Hausstandes sein wird, wollte noch niemand schätzen. Unter den Stücken sei Nippes, aber auch durchaus Hochwertiges, sagte Kuhröber vom Auktionshaus. Viele Dinge würden mit einem Anfangswert von einem Euro ausgezeichnet, zum Beispiel bei einem Goldkollier werde aber ein Mindestwert von 100 Euro angegeben. Die Veranstalter hoffen, dass die Bieter vor allem den Benefiz-Gedanken hinter der Auktion annehmen und auch mit Blick auf den Wiederaufbau der Kirche mitsteigern.

Sicher ist hingegen die Höhe einer anderen Spende: 20 000 Euro gab es für die Fördergesellschaft nach dem Vortrag des Architekten Thomas Albrecht am 27. August zur Kirchen- und Kapellenarchitektur. Der Spender, ein Potsdamer Ingenieur, will ungenannt bleiben, so die Fördergesellschaft. Als Motiv gab er an, dass er 1968 die Sprengung der Garnisonkirche erleben musste und nun an ihrer Wiederherstellung mitwirken möchte. Das Geld werde für die teilvergoldete Tafel über dem Turmeingang verwendet. (Potsdamer Neueste Nachrichten, 02.09.2013, von Katharina Wiechers)

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