20.03.2013 | Sie gaben sich dreimal die Hand – Thomas Wernicke ist Ausstellungsleiter am Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam. Mit ihm sprach Klaus Stark.

MAZ: Der „Tag von Potsdam“ ist in der allgemeinen Erinnerung vor allem in Form eines Fotos präsent, auf dem Hitler Hindenburg die Hand gibt und sich fast demütig vor ihm verneigt.

MAZ: Der „Tag von Potsdam“ ist in der allgemeinen Erinnerung vor allem in Form eines Fotos präsent, auf dem Hitler Hindenburg die Hand gibt und sich fast demütig vor ihm verneigt. Dieses Bild gilt als Symbol der Machtübergabe. Wie kam es zustande?

Thomas Wernicke: Dieses Foto der „New York Times“ zeigt nichts anderes als die Verabschiedung des Reichspräsidenten vom Reichskanzler am Ende des Festakts. Es wurde erst im Nachhinein mit dieser großen symbolhaften Bedeutung aufgeladen.

Es war während des Festaktes in der Kirche gar kein Handschlag vorgesehen?

Wernicke: Nein. Das offizielle Protokoll sah lediglich eine Kranzniederlegung in der Gruft der Garnisonkirche vor. Als Hitler seine Rede aber in einer Huldigung Hindenburgs enden ließ, war dieser so gerührt, dass er ihm meines Erachtens spontan die Hand gegeben hat.

Gleich nach der Rede?

Wernicke: Ja, noch in der Garnisonkirche. Das wurde von den Zeitgenossen damals als symbolische Handlung wahrgenommen: Jetzt übergibt die „alte Größe“ die Verantwortung an die „junge Kraft“, um zwei zeitgenössische Begriffe zu verwenden. Aber von diesem Handschlag gibt es kein Bild, weil in der Kirche zu diesem Zeitpunkt offensichtlich Fotografierverbot geherrscht hat.

Also wurde ein anderes Foto genommen?

Wernicke: Hitler und Hindenburg haben sich an diesem Tag insgesamt dreimal die Hand gegeben. Von der Begrüßung existieren nur schlechte Fotos. Von der Verabschiedung entstanden mehrere. Davon ging die qualitativ beste Aufnahme, die des Amerikaners Theo Eisenhart von der „New York Times“, später um die Welt. Sie wurde 1934 in einem Geschichtsbuch veröffentlicht und trat nach 1945 ihre eigentliche Karriere an.

Das Bild ist seither richtig berühmt geworden …

Wernicke: Das war auch deshalb sehr bequem, weil es den „Tag von Potsdam“ auf die Begegnung zweier Männer reduziert und die Tausende von Menschen ausblendet, die damals mit dabei waren und Hitler zujubelten.

(MAZ vom 20.03.2013, von Klaus Stark)

Zurück


zum Seitenanfang