25.03.2013 | Schwierige Gespräche – Das geplante Konzept zur Potsdamer Gedenkkultur wird ab dem morgigen Dienstag diskutiert: Einen zentralen Erinnerungsort wird es nicht geben

Das geplante Konzept zur Gedenkkultur in Potsdam wird ab Dienstag debattiert – und schon ist ein Ergebnis klar: Eine breite Mehrheit der Initiativen, Vereine und Einzelpersonen lehnt einen zentralen

Das geplante Konzept zur Gedenkkultur in Potsdam wird ab Dienstag debattiert – und schon ist ein Ergebnis klar: Eine breite Mehrheit der Initiativen, Vereine und Einzelpersonen lehnt einen zentralen Gedenkort in der Landeshauptstadt ab. Das geht aus den 40 Stellungnahmen hervor, die die Stadtverwaltung laut ihrem Sprecher Stefan Schulz zum Thema Gedenkkultur erhalten hat.

Wie berichtet hatte die Stadt rund 120 Beteiligte im Vorfeld der Diskussion gebeten, einen Fragenkatalog zum Gedenken in Potsdam zu beantworten. Der Hintergrund: In Potsdam wird immer wieder leidenschaftlich darüber gestritten, welchen historischen Ereignissen wo und wie gedacht werden soll. Daher hat Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) angeregt, dass alle Konfliktparteien gemeinsam eine Richtschnur zum Gedenken erarbeiten. Zur Vorbereitung des ersten Treffens, das am Dienstag von 17 bis 21 Uhr im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte angesetzt ist, hatte die Stadt unter anderem gefragt, wo es in der Potsdamer Erinnerungskultur noch Defizite gibt – und nach einem zentralen Gedenkort.

Darauf hat etwa das Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ) an der Uni Potsdam geantwortet: „Die Lebendigkeit demokratischer Gedenkkultur besteht gerade darin, dass unterschiedliche Institutionen, Einrichtungen und Initiativen je unterschiedliche, sich ergänzende und gegebenenfalls auch konkurrierende Konzepte erproben.“ Ein zentraler Gedenkort sei daher unbedingt zu vermeiden, so das MMZ. Auch die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche sieht das so: „Das Gedenken sollte möglichst an dem jeweiligen authentischen Ort erfolgen, nicht an einer zentralen ‚Kranzabwurfstelle‘, weil es dort eher zur Routine werden würde.“ Der Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt meint: „Ein zentraler Gedenkort ist sicher praktisch, aber nicht praktikabel. Dafür ist allein die Bandbreite an historischen Ereignissen zu vielfältig. Das schließt nicht aus, dass man an einem Ort mit mehreren Vergangenheiten, dieser auch entsprechend erinnern und gedenken kann.“

Auf so einen Ort nimmt das MMZ Bezug – auf die Lindenstraße 54. Das Gebäude diente den Nationalsozialisten, dem russischen Geheimdienst KGB und später der Stasi als Untersuchungsgefängnis für politische Häftlinge. Zudem wurde es in der Nazi-Zeit als „Erbgesundheitsgericht“ genutzt, darin wurde über Zwangssterilisationen entschieden. Über diesen Ort schreibt das MMZ: „Bei vernünftiger Erweiterung und Weiterentwicklung kann die Lindenstraße einen hohen Stellenwert für die Gedenkkultur in Potsdam erhalten, auch ohne den Anspruch eines zentralen Gedenkorts zu erheben.“

Zur Erinnerung: Etwa wegen Holocaust-Gedenkveranstaltungen in der Lindenstraße gab es in der Vergangenheit Konflikte. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN) hatte kritisiert, dort würden Verfolgungsperioden miteinander vermischt. Der Ort sei für NS-Opfer nicht zumutbar. Dieser Opfer-Verband hat die Teilnahme an den Gesprächen zum Gedenkkonzept abgelehnt. In einem Brief an die Stadt heißt es, eine Konzeption, die auch vom Bund der Vertriebenen und der Garnisonkirchenstiftung getragen werde, sei weder vorstellbar noch wünschenswert. Die vom Verein geforderte Instandsetzung des Spanienkämpfergedenksteines am Treffpunkt Freizeit könne die Stadt auch ohne Konzept umsetzen.

Rathaussprecher Schulz sagte indes, die Zu- und Absagen für das erste Treffen würden von der Stadt nicht bewertet. Am Dienstag sei vorgesehen, Arbeitsgruppen zu bilden, um die Anregungen in kleinerer Runde besprechen zu können. Zu den Defiziten der Potsdamer Gedenkkultur zählt etwa laut Stadtkirchenpfarrer Simon Kuntze, dass es keine Broschüre zu den weniger bekannten Gedenkorten in Potsdam gibt. Die Linke sieht einen unangemessenen Stellenwert für Ereignisse und Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung. (PNN vom 25.03.2013, von HK)

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