22.09.2012 | Schock und Schönheit / Zeitreisen in Potsdams Vergangenheit: Ein neuer digitaler Reiseführer machts möglich

Wer nach Potsdam reist, kann jetzt vorher eine Reise in die Vergangenheit der Stadt unternehmen: Die Rückblende in frühere Jahrhunderte hat Andreas Hummel geschaffen. Seinen

Wer nach Potsdam reist, kann jetzt vorher eine Reise in die Vergangenheit der Stadt unternehmen: Die Rückblende in frühere Jahrhunderte hat Andreas Hummel geschaffen. Seinen neuartigen digitalen Reiseführer stellte er am Freitag in der Garnisonkirchen-Kapelle vor. Kunsthistoriker Joachim Kuke vom Verein Potsdamer Stadtschloss nennt Hummels Zeitreisen gar eine Weltneuheit.

In bisher 4000 Arbeitsstunden haben Hummel und seine Mitstreiter die Schönheit des alten Potsdam bei Tag und bei Nacht auferstehen lassen. Der Schock beim Anschauen der Vergleichsdarstellungen von einst und jetzt dürfte allerdings bei vielen tief sitzen: Gezeigt werden etwa die Westachse des Platzes der Einheit mit dem Plattenbau der Fachhochschule und die damit verlorenen Bauten an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße, die den jetzigen Zustand erbärmlich aussehen lassen. Oder auch der alte und neue Blick auf die Nikolaikirche von der Schlossstraße aus. Das Leitbautenkonzept zur Wiedergewinnung der Mitte erscheint da nur als ein Tröpfchenkonzept auf den heißen Stein. „Wir wollen über die Gegenwart informieren und über Dinge, die nicht mehr existieren“, sagt Hummel. So ist zum Beispiel der Zustand des Alten Marktes vor dem Brand der barocken Nikolaikirche 1795, wie er unter anderem durch ein Gemälde von Johann Friedrich Meyer aus dem Jahre 1771 überliefert ist, dargestellt. Wohl kein historischer Ort Potsdams habe tiefere Zerstörungen und Wandlungen durchgemacht als dieser. Jetzt sei es die größte Baustelle Potsdams. Nach der Vollendung des Landtages in der Gestalt des Knobelsdorffschen Stadtschlosses 2014 dürfte die Bautätigkeit noch viele Jahre weiter gehen.

„Arstempano“ heißen die digitalen Zeitreisen von Andreas Hummel: „Ars“ für die Kunst, „Temp“ für die Reise durch die Zeit und „Pano“ für 360-Grad-Panoramen. Was Letztere bedeuten, zeigte der Internet-Architekt schon einmal vorab: Schwenk vom Glockenstuhl der Garnisonkirche hinunter in die Stadtlandschaft oder die aus der Froschperspektive gesehenen berühmten acht Ecken zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Altem Markt. Die Illusion wirkt oft täuschend echt. Im Internet sollen die Panoramen erst Ende Oktober zu sehen sein. „Mit den digitalen Zeitreisen haben wir uns zur Aufgabe gemacht, den einstigen Glanz der Residenz Friedrichs des Großen und des preußischen Arkadiens wieder erfahrbar zu machen“, heißt es. Die Computermodelle schuf innerhalb der vergangenen drei Jahre ein Team erfahrener Architekten und Kunsthistoriker der Firma „arte4D“ aus Dresden. Hummel selbst hat das Tischlerhandwerk gelernt, anschließend auf der Abendschule das Abitur gemacht und schließlich Architektur und Denkmalpflege studiert. Als Unterstützer des digitalen Reiseführers nennt Hummel die „Friends of Dresden“ in New York mit Günter Blobel als deren Präsidenten, die Initiative „Mitteschön“, den Potsdamer Stadtschlossverein und die Fördergesellschaft Garnisonkirche. „Hinter dem Ganzen steckt eine Bankfinanzierung in sechsstelliger Höhe“, verrät Hummel. Innerhalb von zehn Jahren solle sich die Investition unter anderem durch Werbeeinnahmen refinanzieren. (PNN vom 22.09.2012, von Günter Schenke)

Zeitreisen im Internet unter

www.arstempano.de

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