15.01.2020 | Rückblick und Vorausschau aus Anlass des Neujahrsempfangs

Zu Beginn des neuen Jahres schauen wir gemeinsam auf das, was bereits geschafft ist, und geben einen Ausblick auf die Themen, die uns in der nächsten Zeit beschäftigen werden.

Zitat Peter Leinemann, Verwaltungsvorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam: „Wir liegen mit den Bauarbeiten für den Rohbau im Zeitplan. In den kommenden Monaten werden die nächsten entscheidenden Schritte zur Vollendung des Turmbaus in konkrete Planungen gehen. Wir haben uns vorgenommen, das Bauwerk im Sommer 2022 in Nutzung nehmen zu können.“

 

Zitat Martin Vogel, Theologischer Vorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam: „Es ist ein Lebensglück, an der Nutzungskonzeption für diesen besonderen Lernort deutscher Geschichte arbeiten zu können. Dabei verknüpfen sich Planungen für die Ausstellung, die Entwicklung einer professionellen Bildungsarbeit und die Fragen nach unserer Verantwortung heute  eng und sinnvoll miteinander.“

 

Zitat Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam:

„Der Bund übernimmt mit einer weiteren Förderung des Turmes und der Verpflichtungsermächtigung zur Finanzierung einer Machbarkeitsstudie „Kirchenschiff“ auch die Verantwortung, die eine weitsichtige Befassung mit dem Projekt zur Gänze bedingt. Alle inhaltlich diskutierten Ansätze für die Nutzung des Kirchenschiffes spiegeln jeweils einen Teil des Programms wider, das in der Nagelkreuzkapelle von Gemeinde, Fördergesellschaft und Stiftung seit Jahren praktiziert wird.“

 

Zitat Cornelia Radeke-Engst, Pfarrerin an der Nagelkreuzkapelle: „Veranstaltungshöhepunkte im vergangenen Jahr waren gewiss der Diskussionsabend mit Petra Pau, Prof. Dr. Martin Sabrow und Dr. Axel Drecoll und der Werkstatttag zum 15. Jubiläum der Verleihung des Nagelkreuzes in Anwesenheit des neuen Bischofs, des Kuratoriumsvorsitzenden und des Dean aus Coventry. Für 2020 laden wir wieder zu einer Vielzahl von Veranstaltungen, wie zum gemeinsamen interreligiösen Gebet am Holocaust-Gedenktag und am Weltfriedenstag ein.“

 

Zitat Prof. Dr. Matthias Dombert, Vorsitzender der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche e.V.: „Wir freuen uns sehr, dass zum diesjährigen Neujahrsempfang Herr Prof. Nico Hofmann, Geschäftsführer der UFA GmbH, erfolgreicher Regisseur, Filmproduzen und Drehbuchautor die Festrede mit dem Titel „Warum wir uns unserer Geschichte stellen sollten – und uns daran messen lassen müssen.“  halten wird. Der Neujahrsempfang wird frische Impulse für den Fortgang des Projektes geben und ist eine gute Gelegenheit den vielfältig ehrenamtlichen Unterstützenden auch öffentlich einmal „Danke“ zu sagen!“

 

Informationen zum aktuellen Stand des Wiederaufbauprojektes

 

Gedenken

Wir gedenken in Trauer an die im vergangenen Jahr verstorbenen beiden Ehrenkuratoren, Dr. Manfred Stolpe und Jörg Schönbohm, sowie dem Superintendenten Dr. Joachim Zehner, der als Kurator für die Stiftung gewirkt hat. Diese drei Männer haben das Projekt in besonderer Weise geprägt. Wir sind dankbar für alles, was sie für den Wiederaufbau der Garnisonkirche geleistet haben.

Bau

Am 18. Februar 2019 wurden - begleitet von den sieben Bitten um Vergebung aus dem Friedensgebet von Coventry - die ersten Steine für den Garnisonkirchturm gesetzt. Im Geist dieser Gebetsbitten wird der Turmbau errichtet. Bereits am 20. Dezember 2019 konnte die Decke über dem zweiten Obergeschoss geschlossen werden. Der Bau, dessen Mauern in traditioneller Ziegelbauweise errichtet werden, hat inzwischen eine Höhe von ca. 14 m erreicht.

Sichtbares Zeichen für die inhaltliche Arbeit, die im Turm geleistet werden wird und schon jetzt die Arbeit in der Nagelkreuzkapelle bestimmt, ist die in Stein gemeißelte Inschrift „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“. Dieser Vers aus dem Lukasevangelium ist in den Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Polnisch und Russisch in den Sandsteinsockel eingefräst und damit unauslöschliches Signal an alle, die den Ort zukünftig besuchen. Die von vielen Menschen gewünschte Erkennbarkeit des neuen Geistes im wiedererrichteten Turm ist damit für alle Besuchenden ganz offensichtlich.

 

Führungen auf der Baustelle

Seit 2018 bietet die Stiftung mit großem Erfolg kostenlose Führungen über die Baustelle an. Im ersten Quartal des noch frischen Jahres ist vorgesehen, dass ein Lastenaufzug am Gerüst montiert wird, der auch als Personenaufzug zugelassen werden soll. Auf diese Weise können wir erstmals auch barrierefreie Einblicke in das aktuelle Baugeschehen ermöglichen. Regulär finden die Baustellenführungen jeweils am ersten und dritten Samstag im Monat statt. Darüber hinaus ermöglichen wir individuelle Gruppenführungen nach Voranmeldung.

 

Ausstellungskonzeption

Mit dem Fortschritt beim Errichten der Hülle steigt die Konzentration auf die Vertiefung und Konkretisierung der Nutzungskonzeption. Wir sind sehr dankbar, dass Maria Schultz die Erarbeitung einer Ausstellungskonzeption übernommen hat, die im Lauf des kommenden halben Jahres dem Kuratorium und dem Wissenschaftlichen Beirat zur Beratung vorgelegt werden soll. Maria Schultz ist als Historikerin und Ausstellungskuratorin seit über zehn Jahren in Potsdam tätig. Sie hat in den vergangenen Monaten viele Sondierungsgespräche geführt, Zeitzeugen interviewt und erste Schritte zum Sammlungsaufbau unternommen.

 

Pädagogische Arbeit

Eine enge Verzahnung der Pädagogischen Arbeit mit der Ausstellung ist ein Muss. Momentan werden dafür die konzeptionellen Grundlagen erarbeitet. Die Stiftung plant, ab dem zweiten Quartal 2020 auch hierfür eine fachkompetente Person vertraglich zu binden. Die Ergebnisse der Workshopwoche in der Jugendbildung zum Thema „Demokratie: Ost, West – keine Einheit?“  werden im Rahmen der Feier zum 30. Jahrestag der Einheit vorgestellt.

 

„Potsdamer Spitze“

Die Jahresschrift der Fördergesellschaft „Potsdamer Spitze“ ist Ende 2019 erschienen. Sie ist an alle Mitglieder verschickt worden und kann kostenlos über die Nagelkreuzkapelle oder online bezogen werden. Sie enthält u.a. ein Interview mit Marianne von Weizsäcker, die am 18. Februar des vergangenen Jahres den ersten Stein für den Garnisonkirchturm gesetzt hat. Des Weiteren rezensiert Historikerin Dr. Anke Silomon, Geschäftsführerin des Wissenschaftlichen Beirats, in ihrem Beitrag eine neu erschienene Biografie von Martin Niemöller. Sie finden aber auch Informationen über neue Mitarbeitende der Stiftung und Fördergesellschaft sowie umfangreiches Bildmaterial zu den Ereignissen und Veranstaltungen des zurückliegenden Jahres.

 

Nagelkreuzgemeinde

Zur der Nagelkreuzgemeinde zählen bislang 272 Mitglieder. Ein Gemeindebeirat begleitet die Arbeit der Pfarrerin. Die regelmäßigen Friedensgebete, jeweils mittwochs um 18:00 Uhr und die Sonntagsauftakt.Gottesdienste, jeweils samstags um 18.00 Uhr, bilden in ihrer Kontinuität den Rahmen der vielfältigen Veranstaltungen – auch 2020. Eine Veranstaltungsübersicht für das neue Jahr ist in der Kapelle sowie auf unserer Internetseite kostenlos erhältlich.

Im letzten Jahr hatten wir 23 Veranstaltungen in der Kapelle. In der ausgelegten Broschüre finden Sie einen Überblick über die Arbeit von 2014 an.

 

Ehrenamt

Die FWG hat aktuell etwa 850 Mitglieder. Viele dieser Mitglieder unterstützen die FWG, die Stiftung und die Gemeinde auch im Rahmen von ehrenamtlicher Tätigkeit. Wer Lust hat, sich in der Gemeindearbeit, an der Gestaltung von Friedensgebeten, Durchführung von Veranstaltungen oder bei Baustellenführungen im Ehrenamt zu beteiligen, ist herzlich willkommen. Die derzeitige Ausstellung zu Geschichte und Bau der Garnisonkirche in der Nagelkreuzkapelle wird durch Ehrenamtliche betreut. Sie ermöglichen den Besuchenden aus dem In- und Ausland täglich (außer Montag) von 11:00 bis 17:00 Uhr die Besichtigung der Exposition.

 

Glockenspiel

Die Planungen für das neue Glockenspiel in der Turmhaube nehmen konkrete Form an. Aktueller Stand ist, dass ein Carillon mit 51 Glocken seinen Platz im Turm finden soll. Es ist beabsichtigt, ein Friedenscarillon mit gemildert mitteltöniger Stimmung, mechanischer Traktur und eine programmierbare pneumatischen Spielmaschine einzubauen. Damit wird es möglich, neben dem händischen Spiel, viele verschiedene Melodien zu programmieren. Musik muss nicht übersetzt werden. Die Stiftung wird für das Glockenspiel eine Sammlung von Friedens- und Freiheitsliedern der verschiedenen Nationen anlegen, die es ermöglicht, Gäste aus verschiedenen Ländern mit ihren Liedern zu begrüßen. Damit ist neben der Friedensbotschaft im Sockel auch aus der Turmspitze eine weitere im Stadtraum wahrnehmbare inhaltliche Aussage vorgesehen.

 

Spenden und Finanzierung

Das Jahr 2019 war in besonderer Weise erfolgreich. Es wurden durch Stiftung und Fördergesellschaft über eine Million Spenden eingeworben. Die weiterhin und auch über die Fertigstellung des Turmes hinaus bestehende Möglichkeit, für eine Spende ab 100 € einen Spenderziegel mit einem individuellen Namenszug zu versehen, hat im vergangenen Jahr 57.000 Euro Spenden erbracht. Für 184 von 472 Stufen konnten wir bereits Patenschaften in Höhe von 2500 oder 5000 €  begründen. Allein aus diesem Projekt sind bereits 587.500 €     Spenden zu verzeichnen. Weiterhin bietet die Stiftung an, für einzelne Bauteile, Schmuckstücke, Glocken oder Räumlichkeiten im Turm Patenschaften zu übernehmen.

Zur Vollendung des Turmbaus inklusive baulichem Schmuck und Glockenklang sind noch knapp vier Millionen Euro erforderlich. Wir freuen uns daher über weitere Spenden und über Unterstützung unseres Vorhabens.

Wir sind außerordentlich dankbar, dass durch Beschluss des Bundeshaushaltes im Dezember 2019 eine weitere Zuwendung aus Bundesmitteln freigegeben wurde. Wir haben mit den Vorbereitungen für die Förderantragsstellung begonnen.

 

Kirchenschiff

Wir freuen uns, dass die Diskussion zum Kirchenschiff mit dem Wachsen des Turmes sachlicher und vielfältiger geworden ist. Alle diskutierten Ansätze spiegeln jeweils einen Teil des Programms wieder, das in der Nagelkreuzkapelle von Gemeinde, Fördergesellschaft und Stiftung seit Jahren praktiziert wird. Unser Augenmerk liegt momentan auf der Fertigstellung des Turmes. Mit dem Beschluss über die Finanzierung der Machbarkeitsstudie zum Areal des früheren Kirchenschiffs richtet sich der Fokus des Bundes erstmals auf eine Projektetappe, die auf die Fertigstellung des Turmes folgen könnte.

 

Wissenschaftlicher Beirat

Der Wissenschaftliche Beirats der Stiftung Garnisonkirche unter Leitung von Prof. Dr. Paul Nolte hat im vergangenen Jahr zwei Veranstaltungen (am 4.11.2019 mit der Fragestellung „Warum Rekonstruktion?“ und am 20.11.2019 zum Thema „30 Jahre Friedliche Revolution“) durchgeführt und zweimal getagt. Für 2020 sind vier Veranstaltungen und zwei Sitzungen sowie eine Tagung zum Thema „Kirchen als Erinnerungsorte“ (24./25.9.2020) vorgesehen. Bislang verabredet für 2020 sind zwei Veranstaltungen des Wissenschaftlichen Beirates zur politischen Bildung: Am 12.3.2020 wird im Potsdam Museum über „Umkämpfte Deutungen in der Erinnerungspolitik“ diskutiert, im Mai 2020 wird der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in den Blick genommen. Neben den Veranstaltungen und verschiedenen Ratgebungen zum Projekt haben der Vorsitzende und Frau Dr. Silomon, Geschäftsführerin des Beirats, eine Stellungnahme zum Glockenspiel auf der Plantage verfasst, die hinsichtlich der vom Oberbürgermeister in Abstimmung mit der FWG verfügten Abschaltung des Glockenspiels zu dem Schluss kommt: „Die Stadt Potsdam sollte also das Glockenspiel allenfalls als Ausstellungsstück zeigen – in stark reflektierter Brechung, also mit historischer Kontextualisierung und wissenschaftlichen Erklärungen.“

 

Kuratorium

Im Kuratorium der Stiftung, dem Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Huber vorsteht, hat es im vergangenen Jahr personelle Veränderungen gegeben.  Verstorben sind die Ehrenkuratoren Jörg Schönbohm und Dr. Manfred Stolpe und das ehemalige Kuratoriumsmitglied Dr. Joachim Zehner.

Der Evangelisch Kirchliche Hilfsverein hat im vergangenen Jahr Prof. Dr. Jan Bernd Nordemann in das Kuratorium entsandt.

Für den mit Ende seiner Amtszeit als Oberbürgermeister aus dem Kuratorium ausgeschiedenen Jann Jakobs ist nun Oberbürgermeister Mike Schubert Mitglied.

 

Zusammenarbeit mit Künstlern

Im März 2020 wird es erstmals eine Kunstausstellung auf der Baustelle geben: „Blickwinkel 1.0“ heißt die Schau, in der ca. 30 Künstler mit je einem Werk vertreten sein werden. Zwei Drittel der Künstler kommen aus dem Rechenzentrum, die weiteren Teilnehmenden sind Künstler aus der Stadt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und die Möglichkeit, die Turmbaustelle auf besondere Art den Besuchenden präsentieren zu können.

Für die Tage um den 3. Oktober 2020 ist eine weitere Ausstellung vorgesehen. Die Baustelle liegt direkt an der Festmeile der zentralen Feier anlässlich 30 Jahre Tag der Deutschen Einheit. Sie bietet sich als Ausstellungsort an.

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