17.10.2011 | REKONSTRUKTION: Bauteile für den Garnisonkirchturm – An der Breiten Straße stehen bald meterhohe Steinvasen und ein Balustradenstück

POTSDAM / INNENSTADT – In den nächsten Tagen beginnt die Wiederauferstehung des Garnisonkirchturms: Ein rekonstruiertes Eckstück der Turm-Balustrade wird am früheren Standort an der Breiten Straße aufgemauert; gekrönt von zwei

POTSDAM / INNENSTADT – In den nächsten Tagen beginnt die Wiederauferstehung des Garnisonkirchturms: Ein rekonstruiertes Eckstück der Turm-Balustrade wird am früheren Standort an der Breiten Straße aufgemauert; gekrönt von zwei riesigen Vasen. „Wir rechnen täglich mit der Baugenehmigung“, so Steintechniker Thomas Bolze. Geplante Bauzeit: zwei Monate. Der Potsdamer Bauingenieur Bolze ist im Auftrag der Wiederaufbau-Planungsarbeitsgemeinschaft unter Federführung des Büros „Hilmer, Sattler & Albrecht“ für alle Bauteile aus Naturstein zuständig.

Das Eckstück der Balustrade, das von Bolze original nach alten Fotos und Plänen rekonstruiert wurde, hat riesige Dimensionen: Die Gesamthöhe beträgt – inklusive Vasen – 8,24 Meter. Das eine Teilstück der Balustrade wird in 5,60 Metern Länge parallel zum Gehweg aufgemauert. Das zweite, das rechtwinklig davon in Richtung alte Feuerwache abgeht, ist rund 7,50 Meter lang. Das Eckstück steht innerhalb des umzäunten Turm-Baufelds.

Sogar Bau-Experte Bolze ist von den Ausmaßen der Gebäudeteile, die sich einst in 22 Metern Höhe auf dem Turm-Treppenhaus befanden, überwältigt: „Das sind atemberaubende Dimensionen.“ Schon allein die beiden Vasen – eine geschmückt mit vier Satyrköpfen; die andere mit züngelnden Flammen – sind mehr als mannshoch. Das Mauerwerk besteht aus Ziegeln, die mit sächsischem Sandstein verkleidet werden. Der Originalbau musste in der Zwischenkriegszeit mit dem witterungsresistenteren schlesischen Sandstein ausgebessert werden.

Ganz aus schlesischem Sandstein bestehen die Satyr- und die Flammenvasen. Sie wurden nach Gipsmodellen in zwei Potsdamer Werkstätten angefertigt. Die Originale musste man in den 1920er Jahren wegen Wetterschäden komplett erneuern.

Ebenfalls bereit zum Aufstellen beziehungsweise zum Aufhängen ist das rekonstruierte Ziffernblatt der Turmuhr. Momentan steht es noch in der Werkstatt von „Fuchs und Girke Bau und Denkmalpflege GmbH“ im sächsischen Ottendorf-Okrilla. Nur die Standortfrage muss geklärt werden. „Wir sind in Gesprächen mit dem Sanierungsträger“, erklärt Bolze. Die Garnisonkirchenstiftung möchte das Wahrzeichen am Rechenzentrum anbringen, an der Wand Richtung Alte Feuerwache. Das Problem: Das Ziffernblatt mit einem Durchmesser von 3,20 Metern könnte möglicherweise Bürofenster überdecken. Als Ausweichvariante müsste man das Ziffernblatt an einem Gerüst befestigen, so Bolze.

Finanziert wurden die Rekonstruktionen aus dem Zwei-Millionen-Euro-Topf mit Ex-SED-Geldern, die der Garnisonkirchenstiftung vom Land 2010 zuerkannt worden sind. Die Mittel müssen bis Ende 2011 ausgegeben sein. (Von Ildiko Röd)

Kein Minutenzeiger

Das Ziffernblatt der Turmuhr wird keinen Minutenzeiger haben. Den Grund erläutert Kirchenexperte Andreas Kitschke: „In der Barockzeit hatten Uhren meist nur einen Stundenzeiger.“

Die Sandsteinflächen der neuen Balustradenteile werden mit einem Graffiti-Schutz beschichtet. (MAZ vom 17.10.11 von Ildiko Röd)

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