07/11/2024 | „Psalmen im Spiegel“: Erstes Konzert im Garnisonkirchturm ein großer Erfolg

Der Kammerchor der Berliner Domkantorei berührt und begeistert das Publikum mit vertonten Psalmen.

Konzert "Psalmen im Spiegel". Foto: Stephanie Hochbert / SGP

Mehr geht nicht: Restlos ausgebucht war das erste Konzert in der Kapelle des wiederaufgebauten Garnisonkirchturms am Mittwochabend. Vor vollen Reihen präsentierte der Kammerchor der Berliner Domkantorei virtuose Chormusik von Bach, Brahms, Nystedt u.a. unter dem Titel „Psalmen im Spiegel“.

Das Publikum begrüßte Domkantor Adrian Büttemeier und die 29 Sängerinnen und Sänger mit großem Applaus. Nach einem Open-Air-Konzert im vergangenen Sommer war der Konzertabend das zweite Gastspiel des Kammerchors an der Breiten Straße. Gastgeber Dr. Jan Kingreen, Pfarrer und Programmvorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam, richtete nach dem ersten musikalischen Beitrag – Bachs bekannter Motette „Komm, Jesu, komm“ – einige einführende Worte an das Publikum.

„Psalmen finden Worte, wenn uns die Sprache fehlt, sie drücken Emotionen aus, die zutiefst menschlich sind. Sie spiegeln unser Dasein und zeigen, dass das Leben, die Geschichte und wir selbst nicht schwarz-weiß sind“, sagte er. Genau deshalb passe das Konzert so gut in die Garnisonkirche, diesen neuen Potsdamer Erinnerungs-, Bildungs- und Kulturort im barocken Kleid. „Dieser Ort trägt eine Spannung in sich“, so Kingreen. „Und Psalmen können uns zeigen, wie man mit Spannung positiv umgeht.“

Der Spiegel macht vielfältige Sichtweisen erfahrbar

Im Mittelpunkt des Programms stand Knut Nystedts berühmte, farbenreiche „Missa brevis“, um die herum die vertonten Psalmen spiegelgleich angeordnet waren. Besonders berührend: „Richte mich, Gott“ nach Psalm 43 in der Fassung von Jaakko Mäntyjärvi. Mit sanften Gesten und hingebungsvoller Freude dirigierte Domkantor Adrian Büttemeier den vielstimmigen Gesang. Glocken akzentuierten die Musik, deren Klänge die Turmkapelle bis unter die acht Meter hohe gewölbte Decke ausfüllten. Den populären Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte“) bot der Chor dem Publikum in einer Fassung aus dem 18. und dem 20. Jahrhundert dar.

„Mal gerade gegensätzlich, mal ganz gleichartig beleuchten die Stücke die je selben Psalmverse. Und im Idealfall bricht der Spiegel, um in seinen vielen verschiedenen Einzelteilen die vielfältigen Sichtweisen auf dieselbe Sache zu reflektieren“, erläuterte Domkantor Adrian Büttemeier sein Konzept der „Psalmen im Spiegel“. Ein Konzept, das sehr gut ankam, wie der noch größere Abschlussapplaus des Publikums bewies.

Das Konzert „Psalmen im Spiegel“ des ambitionierten Kammerchors aus Laiensängerinnen und -sängern mit einem beeindruckend hohen Niveau ist nochmals am Samstag, 13. Juli, um 20 Uhr im Berliner Dom zu erleben.

Mehr Informationen: www.berlinerdom.de

 

 

Text: Beatrix Fricke

Back