17.03.2012 | PRO – Von Jan Fiebelkorn-Drasen

Stiftung, Förderverein und alle Befürworter der Garnisonkirche sind sich darin einig, dass der Wiederaufbau der Kirche „ein städtebauliches Muss und ein kirchliches Plus“ (Wilhelm Hüffmeier) darstellt.

Stiftung, Förderverein und alle Befürworter der Garnisonkirche sind sich darin einig, dass der Wiederaufbau der Kirche „ein städtebauliches Muss und ein kirchliches Plus“ (Wilhelm Hüffmeier) darstellt.

Alle Beteiligten stimmen zudem darin überein, dass Turm und Kirche – insbesondere im Äußeren – in originaler Form und an originaler Stelle wieder zu errichten sind.

Schließlich besteht Einigkeit darüber, dass statt der ehemaligen Notkapelle im Sockelgeschoss des Turmes, die nur knapp 50 Personen Platz bot, ein größerer Raum für kirchliche und für Gedenkzwecke einzurichten ist.

Die Diskussion entzündet sich nun daran, wie dieser neu zu schaffende Raum gestaltet werden soll.

Die Architekten Hilmer, Sattler und Albrecht schlagen dafür eine achteckige Grundrissform mit einem gotisierenden Aufriss vor. Damit wollen sie der historischen Kirche etwas „Modernes“ entgegensetzen.

Meine Stellungnahme hier wird getragen von einem Freundeskreis, zu dem außer mir der Naturwissenschaftler Peter Braun und der Theologe Wilhelm Hüffmeier gehören. Wir halten dieses Konzept eines Raumes in Achteckform für das falsche Symbol. Die gewählte Form steht zudem der baulichen Formensprache der Kirche entgegen.

Wir bemängeln auch, dass die gewählte Höhe des Raumes von zwölf Metern den ursprünglichen Geschossen des Turmes Gewalt antut und schließlich alle Erinnerungen an die Nachkriegs-Notkapelle, die Heilig-Kreuz-Kapelle, ignoriert werden.

Wir sind der Auffassung, dass für die Gestaltung der Kapelle ein Ansatz gefunden werden muss, der der Kirche entspricht, auf deren Inhalt und Form antwortet und zumindest Spuren der Notkapelle bewahren sollte.

Das gilt um so mehr, als alle neu geplanten Räume im Turm wie Eingangs- und Ticketraum, Ausstellungs- und Verwaltungsräume etc., und alle funktionellen Einrichtungen wie Treppenanlagen, Aufzüge, Feuervorhänge bis hin zu den Toiletten modern gestaltet sein werden.

Betritt man künftig die Räume des Turmes, muss wenigstens der Kern – der Kapellen-und Gedenkraum – die Atmosphäre der ursprünglichen Kirche atmen!

Daher schlagen wir als Form der Kapelle einen schlichten Kubus vor, so wie das Innere der Garnisonkirche selbst aus kubischen – rechteckigen – Elementen bestand.

Die Höhe unseres vorgeschlagenen Raumes entspricht der Höhe der ehemaligen Notkapelle, so dass die wiederherzustellenden Zugänge zur Notkapelle mit der Höhe unseres vorgeschlagenen Raumes und der ursprünglichen Geschosshöhe übereinstimmen.

Der gestalterische und inhaltliche Akzent dieses Raumes ist der erhaltene, schlichte Altar-Tisch und – ihm diagonal gegenübergestellt – das bronzene Trophäen-Fragment mit der aktuellen Inschrift: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.”

Nicht elegant geschlemmte Wände und Lisenen, sondern das einfache Mauerwerk des Turmes, aus dem der Raum gleichsam „herausgeschnitten” ist, bestimmt die Raumatmosphäre.

Wir verlassen uns dabei ganz auf die Kraft des Einfachen und Sparsamen. Dadurch werden am ehesten die inhaltliche Bestimmung und die „Modernität“ des Raumes ausgedrückt.

Durch diese bewusste Sparsamkeit der ästhetischen und finanziellen Aufwendungen für die Kapelle und ihre Ausstattung soll zudem erreicht werden, dass möglichst viel von der Höhe des Turmes gebaut werden kann.

Wir plädieren dafür, auf der Grundlage unseres Vorschlages nach einem neuen Gestaltungsansatz zu suchen. Bei dieser Suche ist die Fachkompetenz der beauftragten Architekten Hilmer, Sattler und Albrecht willkommen.

Der Autor Jan Fiebelkorn-Drasen ist Architekt und Mitglied der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG). (MAZ vom 17.03.2012)

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