27.05.2021 | Praxisprojekt mit dem Studiengang „Public History“ für die Dauerausstellung „Glaube, Macht und Militär: Die Garnisonkirche Potsdam“

In Kooperation mit dem Studiengang „Public History“ der FU Berlin hat die Stiftung Garnisonkirche ein Praxisprojekt durchgeführt, das einen wertvollen Beitrag zur Vorbereitung und Konzeption der zukünftigen Dauerausstellung leistet. Erfahren Sie mehr über das Projekt und die zukünftige Ausstellung im Abschlussbericht.

Gruppenbild des Projektteams an der Baustelle der Garnisonkirche
Abschlussworkshop des Projektteams via Zoom

Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam wurde 2008 gegründet und verfolgt das Ziel, die Potsdamer Garnisonkirche als Kultur- und Baudenkmal nach historischem Vorbild wiederaufzubauen und mit neuen Inhalten zu füllen. Schirmherr des Projektes ist seit 2017 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Eine Hauptzielgruppe des wiederaufgebauten Garnisonkirchturms sollen Jugendliche sowie junge Erwachsene sein.

Ausgangs- und Bezugspunkt für die künftige Bildungsarbeit an diesem neuen Erinnerungsort wird eine moderne Dauerausstellung in der dritten Etage des Garnisonkirchturms sein, der voraussichtlich Ende 2022 eröffnet wird. Sie wird über die 300-jährige Geschichte der Garnisonkirche Potsdam aufklären und dies mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen und Diskussionen verbinden. Im Zentrum soll das wechselvolle Verhältnis von Kirche, Militär, Staat und Stadt im Hinblick auf den historischen Ort stehen. In Kooperation mit dem Studiengang Public History der Freien Universität Berlin (Koordination: Dr. Irmgard Zündorf) führte die Stiftung Garnisonkirche Potsdam das Praxisprojekt im Rahmen des Vorbereitungs- und Konzeptionsprozesses der Dauerausstellung unter Leitung der Kuratorin Maria Schultz durch.

Arbeitsauftrag des Praxisprojekts war die konzeptionelle Entwicklung von inklusiven und partizipativen Mitmachstationen innerhalb der Dauerausstellung, die den Arbeitstitel „Glaube, Macht und Militär: Die Garnisonkirche Potsdam“ trägt. Aufgabe der Studierenden war es, für vier ausgewählte Themen der geplanten Ausstellung zielgruppenspezifische Gegenwartsbezüge zu identifizieren, daraus partizipative Mitmachstationen zu konzipieren und diese schließlich in Drehbüchern für die weitere Umsetzung durch die Ausstellungsgestaltung auszudifferenzieren. Im vielfältigen Programm von zwei Semestern wechselten sich gemeinsame mehrstündige Workshops mit individuellen Arbeitsphasen und Konsultationen unter Begleitung des Projektteams der Stiftung Garnisonkirche ab.

Das Praxisprojekt startete im August 2020 mit dem ersten Workshop in der Nagelkreuzkapelle und einer Besichtigung der Baustelle der Garnisonkirche in Potsdam. Zu diesem Zeitpunkt waren die Räume der Ausstellungsetage bereits im Rohbau fertiggestellt. Die Studierenden lernten die Geschichte des historischen Ortes sowie den aktuellen Stand der Ausstellungsplanung kennen und erhielten erste Grundlagen zum partizipativen und inklusiven Kuratieren, zu Forschungsansätzen und Methoden der Themenfindung. Im Verlauf des Projekts fanden noch sechs weitere Workshops statt, vier davon aufgrund der aktuellen Corona-Situation online via Zoom.

Um sich Anregungen zu holen und einen Eindruck von Best-Practice-Beispielen zu bekommen, besuchten die teilnehmenden Studentinnen zunächst eigenverantwortlich das Anne FrankZentrum sowie das Jüdische Museum in Berlin und analysierten jeweils inhaltliche Schwerpunktsetzung, didaktische Aufbereitung, Umgang mit inklusiven Elementen und gestalterische Umsetzung der vorhandenen Mitmachstationen anhand vorgegebener Kriterien. Auf diesen Erfahrungen aufbauend recherchierten die Studentinnen in Eigenarbeit zunächst zu verschiedenen potenziellen Themenstellungen und präsentierten in einem gemeinsamen Online-Workshop erste Rechercheergebnisse.

Im Laufe der Recherchephase kristallisierten sich vier zentrale Themenschwerpunkte heraus:

  • Eigen- und Fremdwahrnehmung,

  • Glaubens- und Religionsfreiheit

  • Demokratie und Wahlen

  • Schlussreflexion der Ausstellung

Im Folgenden entwickelten die Studentinnen in Zweierteams ausdifferenzierte Fragestellungen und historische Bezüge, erstellten Drehbücher für die Stationen inkl. gestalterischer Vorschläge und Textbausteine und erprobten deren Funktionalität in selbstgebauten Testobjekten. Regelmäßig präsentierten sie ihre Zwischenergebnisse. Rückmeldungen, Hinweise und Ergänzungen aus der Gruppe flossen in die weitere Konkretisierung und kreative Gestaltung ebenso ein wie Anregungen aus Konsultationen mit den Projektverantwortlichen.

Bedauerlicherweise konnten weder eine Testphase mit der potenziellen Zielgruppe, den Schülerinnen und Schülern, an den provisorischen Ausstellungsmodulen der vier Mitmachstationen noch ein abschließendes Präsenztreffen stattfinden. Die pandemische Lage war eine Herausforderung für das Praxisprojekt und alle Beteiligten. Dennoch ist mit der Fertigstellung der vier Drehbücher ein wichtiger Planungsteil für die Ausstellung erarbeitet worden. Alle Beteiligten nehmen wertvolle Erkenntnisse für ihr weiteres berufliches Wirken mit, wozu u.a. die Einarbeitung in neue Inhalte und Forschungsfelder, Umgang mit Veränderungen in Planung und Konzeption sowie Fertigstellung einer Feinkonzeption unter erschwerten Bedingungen gehören.

Vielen herzlichen Dank für die gute Zusammenarbeit!

Neugierig? Die errichteten Mitmachstationen sind voraussichtlich Ende 2022 in der Dauerausstellung im wiederaufgebauten Garnisonkirchturm zu sehen. Wir freuen uns über zahlreiche Besucherinnen und Besucher!

Zurück


zum Seitenanfang