22.01.2016 | Potsdamer Friedensdiskurs in der Nagelkreuzkapelle: "Irakisches Kurdistan - „ein Land im Krieg“"

"3500 Menschen noch immer in der Gewalt des IS" - Vortrag in Potsdamer Nagelkreuzkapelle von der  Menschenrechtsaktivistin Sylvia Wähling

Im „Potsdamer Friedensdiskurs“ in der Nagelkreuzkapelle in der brandenburgischen Landeshauptstadt hat die  Menschenrechtsaktivistin Sylvia Wähling,  (am 20. 1.) die positive Rolle Deutschlands bei der Versorgung von Flüchtlingen und der Unterstützung der Peschmerga im irakischen Kurdistan gewürdigt. In ihrem Vortrag in der neuen Veranstaltungsreihe sagte die Geschäftsführerin des Menschenrechtszentrums Cottbus, 5838 Personen seien durch den Islamischen Staat (IS) entführt und versklavt worden. 2000 hätten mittlerweile befreit werden können. Doch noch immer befänden sich 3500 in der Gewalt des IS. Bis zu eintausend traumatisierte Frauen und Mädchen würden in Baden-Württemberg auf Initiative der Landesregierung hin psychologisch betreut. „Hier spielt Deutschland eine höchst wichtige Rolle“, sagte sie in ihrem Bericht über eine erst Ende Dezember beendete Hilfsaktion im irakischen Kurdistan. Dabei hatten Wähling und ihre Helfer mit Unterstützung der Peschmerga 1000 aus Deutschland mitgebrachte Pakete mit Kleidung, Lebensmitteln und persönlichem Bedarf  an Flüchtlingsfamilien im Lager des Dorfes Dawodye verteilt und das Weihnachtsfest gefeiert. Ein Bewohner habe das die Situation mit den Worten beschrieben: „Das irakische Kurdistan ist wie eine Kerze in der Dunkelheit, man muss darauf achten, dass sie nicht erlischt.“ 

Ein gelungenes Beispiel im Zusammenleben der Religionen sieht die Referentin, die auch Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ist, in der Stadt Shekhan nahe dem irakischen Mossul, wo Christen, Jesiden,  und Moslems mit ihren jeweiligen Gotteshäusern friedlich zusammenlebten. Eine Million Flüchtlinge sind in der Provinz Dohuk im nördlichen Irak aufgenommen worden. Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan ist Erbil. Nach einem Genozid 2014 wurden die Jesiden und eine kleinere Zahl von Christen in 20 Flüchtlingscamps untergebracht.

Die Potsdamer Nagelkreuzpfarrerin Cornelia Radeke-Engst wird den Potsdamer Friedensdiskurs am 9. März 2016, 19.00 Uhr, mit einem Vortrag  „Kindheiten und Jugendzeit im Zweiten Weltkrieg - individuelle, familiäre, transgenerationale Folgen“ mit Professor Dr. Hartmut Radebold (Kassel) fortsetzen.

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