05/06/2022 | Nachruf auf Dr. Gebhard Falk

Der Vorstand der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche e.V.  würdigt das Leben von Dr. Gebhard Falk.

Dr. Gebhard Falk bei der Grundsteinlegung des Wiederaufbaus der Garnisonkirche

Wir haben Abschied nehmen müssen von einem aufrechten und engagierten Christen, einem unermüdlichen Befürworter unseres Wiederaufbauprojektes. Die Märkische Allgemeine Zeitung titelte anlässlich dieses Todesfalls: „Die Potsdamer Garnisonkirche war seine Passion“.

Am 23. April 2022 fand sich eine große Trauergemeinde in der Babelsberger Friedrichskirche ein, darunter auch einige Mitglieder der Fördergesellschaft und Vertreter der Stiftung. Die Menschen waren gekommen, um des Historikers Dr. Gebhard Falk zu gedenken, der anschließend auf dem evangelischen Friedhof in der Wichgrafstraße zur letzten Ruhe gebettet wurde. Mit bewegenden Worten erinnerte die Liturgin, Pfarrerin Weichenhan, an die Stationen des langen Lebens dieses bescheidenen, freundlichen und zugewandten Menschen. Gebhard Falk wurde am 31. Mai 1928 als Sohn eines Kantors und Lehrers in Plauen geboren. Mit seiner Frau, einer Pastorentochter, hat er fünf Kinder großgezogen. Im Alter von fast 94 Jahren starb er am 14. April 2022. Auf den Tag genau 77 Jahre zuvor war in der „Nacht von Potsdam“ die Garnisonkirche in Flammen aufgegangen.

Der Archivar und promovierte Historiker ließ sich zeitlebens nicht verbiegen. Seiner klaren und offen gelebten Glaubenshaltung wegen war ihm im SED-Staat eine seinem großen wissenschaftlichen Potenzial entsprechende Karriere verwehrt. Der Verfasser dieser Zeilen lernte ihn Ende der 1970er Jahre im Brandenburgischen Landeshauptarchiv kennen, das damals in der Orangerie im Park Sanssouci beheimatet war. Als „Seiteneinsteiger“ auf dem Gebiet historischer Forschung verdankt er Dr. Falk zahlreiche wertvolle Tipps zur Quellenrecherche in Archiven, die dann 1983 in die Veröffentlichung des Buches „Kirchen in Potsdam“ mündeten. Nach der friedlichen Revolution, als er seine Stasi-Akte eingesehen hatte, erzählte er von tadelnden Einträgen, die übel vermerkten, dass er einen Kirchenbuchautor unterstützt habe. Auch zahlreichen Studierenden gab er unermüdlich Hinweise zur quellengestützten und kritischen wissenschaftlichen Arbeit. Seine eigenen wissenschaftlichen Arbeiten zeugen von großer Sachkenntnis, Akribie und Gründlichkeit.

Als Mitglied der LDP (der Ost-Variante der FDP) bewies er großen Mut, als er in der Stadtverordnetenversammlung am 26. April 1968, in großen Gewissensnöten und doch klar und bestimmt, das Wort ergriff und sich gegen den Abriss der Garnisonkirche aussprach. Er war sich bewusst, dass dies das abrupte Ende der ohnehin nicht seinem geistigen Vermögen entsprechenden Tätigkeit hätte bedeuten können. Mit seinem Parteifreund Dr. Werner Oehme, ihm selbst und zwei Abgeordneten der CDU stimmten immerhin vier gegen die Kirchensprengung. Eine Rüge des Bezirksvorsitzenden der LDP folgte auf dem Fuße, doch glücklicherweise blieb die befürchtete Dienstentlassung aus.

Als am 3. September 2005 als Zeichen des Wiederaufbaues am Standort der Garnisonkirche der Gewölbebogen fertiggestellt wurde, war er es, der den Schlussstein setzte. Das war für ihn und alle, die dabei waren, ein sehr bewegender Moment. Mögen wir uns von der Haltung und Geradlinigkeit Dr. Falks leiten lassen und wie er dem Gewissen folgen, wenn ein falscher Weg eingeschlagen wird. Die Mitglieder der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e. V. sowie Vorstand und Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche Potsdam werden sein mutiges Wirken stets in Ehren halten.

Andreas Kitschke im Auftrag des Vorstandes der FWG

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