13.11.2013 | Mit Fußball Martin Luther erklären Reformationsausstellung in der Garnison-Kapelle

Eine heitere Vorstellung: Der Papst und Luther spielen gegeneinander Fußball. Jesus ist dabei der Schiedsrichter und verhindert die bösen Fouls. Als Spielgerät dient ihnen kein Ball, sondern die Bibel

Eine heitere Vorstellung: Der Papst und Luther spielen gegeneinander Fußball. Jesus ist dabei der Schiedsrichter und verhindert die bösen Fouls. Als Spielgerät dient ihnen kein Ball, sondern die Bibel. Momentan liegt die Heilige Schrift noch im Anstoßkreis. Wenn das Spiel angepfiffen wird, werden die Ein-Mann-Mannschaften die Bibel für ihre Ideen in Anspruch nehmen. Luther wird gegen das Tor anrennen, an dem in deutlich lesbaren Lettern „Reformation“ geschrieben steht. Klar, dass der Heilige Vater dies verhindern will. Er spielt auf das Tor mit der Aufschrift „Bau des Petersdoms“.

Mit diesem anschaulichen Fußballbild hat der Schüler Felix Piel das Geschehen um den Reformator Martin Luther dargestellt. „Das Reformations-Spiel“ heißt Piels bunte Papierkreation. Die Arbeit des Stralsunder Schülers ist Teil einer Ausstellung, die derzeit in der Kapelle am früheren Standort der Garnisonkirche zu sehen ist. Mit Blick auf das Reformationsjubiläum im Jahre 2017 haben sich Schüler und Studenten aus verschiedenen Orten Deutschlands mit Luther und der Reformationszeit befasst. „1517 – Der Anschlag“ lautet der doppeldeutige Name der Schau, die noch bis zum 18. November täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen ist. Am letzten Ausstellungstag, dem 18. November, wollen um 18 Uhr unter anderem Wissenschaftler in der Kapelle in einer Podiumsdiskussion miteinander „Zum Umgang der Märker mit ihrer (Reformations-)Geschichte“ ins Gespräch kommen.

Eine umfängliche Darstellung der Reformation darf von der Schau freilich nicht erwartet werden. Manches ist wenig ausstellungstauglich. So liegt eine schriftliche Ausarbeitung aus, die sich mit dem Thema „Die Einführung der Reformation in Chemnitz und die Auflösung der Klöster“ befasst. Wer sich darin vertiefen will, darf einige A-4-Seiten bedrucktes Papier durcharbeiten. Andere Stationen der unter anderem vom Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte organisierten Ausstellung laden hingegen zum Mitmachen ein. So können die Besucher in Anspielung an Luther selbst Thesen verfassen. Durchaus Interessantes ist bereits zusammengekommen: „Der Urvater unserer modernen Versicherungsvertreter war Tetzel“, hat etwa ein Besucher formuliert. Johann Tetzel war ein berüchtigter Ablassprediger, der Vergebung von Sünden gegen Geldzahlung versprach. An einer anderen Ausstellungsstation ist ein Papp-Tetzel zu sehen, vor sich einen Kasten mit vorgedruckten Ablassbriefen. Die Sünden, hinter denen praktischerweise gleich die jeweiligen Euro-Beträge stehen, müssen nur noch angekreuzt werden. (Potsdamer Neueste Nachrichten, 13.11.2013, von Henri Cramer)

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