08.08.2012 | Millionen-Spende – „Es wäre die Initialzündung“ – Werden die Pläne des Unternehmers Peter Niedner Realität, mindestens fünf Millionen Euro für die Garnisonkirche zu spenden, kann der Wiederaufbau des Gotteshauses sofort beginnen.

Innenstadt – Es könnte der Durchbruch für den Wiederaufbau der Garnisonkirche sein: „Alle Planungsleistungen und bauvorbereitende Maßnahmen sind vollständig erbracht“,

Innenstadt – Es könnte der Durchbruch für den Wiederaufbau der Garnisonkirche sein: „Alle Planungsleistungen und bauvorbereitende Maßnahmen sind vollständig erbracht“, sagte Martin Vogel, Theologischer Vorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam, am Dienstag auf PNN-Anfrage. Nach einer Kuratoriumssitzung Ende September werde die Stiftung – sie ist Eigentümer der Grundstücke und Bauherr – bei der Stadt Potsdam den Bauantrag einreichen.

Sollte die Stiftung dann eine Großspende, eventuell von Niedner, erhalten, „wäre das die Initialzündung an der Breiten Straße“, so Vogel. Dem Wiederaufbauprojekt würde damit ein „großer Schub“ verliehen.

Ziel der Stiftung ist es, zum 500. Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017 den Turm und die Kapelle der Garnisonkirche einzuweihen. Allein der Turm kostet 40 Millionen Euro, das Kirchenschiff weitere 60 Millionen Euro. Dabei liege sie „absolut im Plan“ und habe auch noch Zeit zum Einwerben von Spenden, wie Vogel sagte. Mit der komplett vorliegenden Architektenplanung könne die Stiftung nunmehr potenziellen Unterstützern auch im Detail erläutern, was mit ihrem Geld passiere. Allerdings verfüge die kirchliche Stiftung, an deren Spitze Altbischof Wolfgang Huber steht, selbst derzeit nicht über genügend Geld, um mit dem Bau des Kirchturms und der Kapelle zu beginnen. Für die Stiftung sei aber klar: „2013 muss da etwas passieren“, sagte Vogel. Die mögliche Millionenspende Niedners könnte dieses Ziel möglich machen. Daher schaue die Stiftung „voller Spannung auf den Verfahrenskrimi“ zwischen Niedner und dem Land Brandenburg, so Vogel. „Doch es wäre kein guter Stil, ein laufendes Gerichtsverfahren zu kommentieren.“

Ähnlich zurückhaltend äußerte sich am Dienstag Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Die Idee Niedners, für die Vorhaben in Potsdam zu spenden, sei „klasse“. Allerdings könne er die Chance auf Verwirklichung des „verlockenden Angebots“ nicht beurteilen, auch aus juristischer Sicht, so Jakobs. „Natürlich würde ich es sehr begrüßen, wenn das klappt.“ Allerdings könne die Landeshauptstadt auf das Verfahren zwischen dem Land und Niedner selbstverständlich keinen Einfluss nehmen.

Im seit mehr als 18 Jahren währenden Streit zwischen Niedner und dem Land geht es um um knapp 35 Millionen Euro Schadenersatz, die der Unternehmer fordert. Er wollte 1992 in Großräschen ein Werk zur Produktion eines neuartigen Baustoffs aus Altglas errichten. Für das Scheitern macht Niedner die Willkür brandenburgischer Finanzbehörden verantwortlich. Hintergrund ist, dass damals das zuständige Finanzamt Calau (Oberspreewald-Lausitz) nicht den Unternehmer-Status des Managers anerkannte. Am 14. August wird sich das Oberlandesgericht (OLG) erneut in mündlicher Verhandlung mit dem Fall befassen. Die ursprüngliche OLG-Entscheidung, dass Niedners Ansprüche verjährt seien, hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe im Mai 2011 aufgehoben.

Jetzt bot Niedner an, sich mit einer Entschädigung von 20 Millionen Euro zu begnügen; die Hälfte davon will er je zu gleichen Teilen für die Wiederherstellung der Gartenanlagen der Orangerie im Park Sanssouci und den Wiederaufbau der Garnisonkirche spenden, die andere Hälfte in Brandenburg investieren.

Nicht erfreut über Niedners Pläne ist die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche. Sprecher Sandro Szilleweit erinnerte an ein Anfang des Jahres geäußertes Versprechen des Finanzministeriums, wonach für den Wiederaufbau der Garnisonkirche keine Mittel aus Steuergeldern genutzt würden. Die in Aussicht gestellten Millionen wären aus Sicht der Initiative keine echte Spende, sondern Teil eines Deals mit der Landesregierung. Überdies seien auch fünf Millionen Euro kein Grundstock für den seriösen Baustart eines 100-Millionen-Euro-Projekts, da die Stiftung Garnisonkirche Potsdam bisher einen Mangel an regelmäßigen Spenden verzeichne. (PNN vom 08.08.2012, von Henri Kramer, Thorsten Metzner und Sabine Schicketanz)

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