21.08.2012 | Luther kommt nach Potsdam! Hoher Besuch am Standort Garnisonkirche

POTSDAM – Allerhöchster Besuch steht Potsdam am 1. September ins Haus! Doktor Martin Luther wird die Nacht der offenen Kirchen mit seiner Anwesenheit beehren. Er

POTSDAM – Allerhöchster Besuch steht Potsdam am 1. September ins Haus! Doktor Martin Luther wird die Nacht der offenen Kirchen mit seiner Anwesenheit beehren. Er wird das tun, was man Neudeutsch „talken“ nennt (siehe Talk-Show). „Tischreden“ hieß das „Talken“ zu Luthers Zeiten. Bei seinem Besuch in der Temporären Kapelle an der Breiten Straße wird Doktor Martinus Luther Kostproben seiner Tischreden geben. Beginn ist um 18.30 Uhr. Danach wird der epochenprägende Theologe mehrmals an diesem Abend vor die Zuhörer treten. Diese dürfen sich nebenbei an einer mittelalterlichen Tafel mit Brot und Wein laben.

So wie man ihn von Bildern her kennt – angetan mit Barett und schwarzem Pastoren-Talar – wird der Wittenberger dann seiner Wortgewalt freien Lauf lassen. Zugegeben: Der heutige Luther wird weit weniger moppelig daherkommen als sein historisches Vorbild. „Aber meine Frau sagt mir ständig, dass ich eifrig an der Luther-Leibesfülle arbeite“, berichtet Pfarrer Daniel Geißler alias Luther mit verschmitzem Grinsen. Geißler wirkt in Niemegk, er wohnt mit seiner Familie in einem uralten Pfarrhaus Die Niemegker haben Glück mit ihrem geistlichen Hirten, denn bei ihm haben sie ziemlich oft etwas zu lachen. „Als Student war ich in einer Laientheatergruppe, jetzt steige ich im Karneval schon auch mal in die Bütt’.“ Der Pfarrer hält nichts davon, von der Kanzel aus die Welt sorgenschwer zu verkaufen. „Ein bisschen ist ein Pfarrer ja wie ein Kabarettist: Man steht vor Publikum, das man mit Worten fesseln muss.“

Ziemlich „gefesselt“ war auch Juliane Rumpel, Pfarrerin an der Kapelle am künftigen Standort der Garnisonkirche, als sie den eloquenten Kirchenbruder mal in Niemegk erlebte. Ihr Spontan-Geistesblitz: „Weißt du was, Daniel? Du musst unbedingt bei unserer Nacht der offenen Kirchen mitmachen.“ Und weil das Motto „Schmeckt und seht!“ lautet und der Luther ein gastfreies Haus führte, fielen Juliane Rumpel die Tischreden aus der Wittenberger Wohnstube ein. Aufmerksame Gäste hatten stets eifrig „mitstenografiert“, sobald der Gastgeber zum rhetorischen Rundumschlag ansetzte. Bei der Kirchennacht kann man auch interessante „modische“ Details erfahren: Etwa dass der Pastoren-Talar einst die Berufstracht der Uni-Professoren war. Luther, der selbst in Wittenberg lehrte, übernahm das einfach für die evangelischen Pfarrer.

Morgen lesen Sie über die Pfingstkirche. Weitere Infos unter www.MaerkischeAllgemeine.de/kirchen. (MAZ vom 21.08.2012, Von Ildiko Röd)

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