21.01.2010 | Linke sollte sich mit Sprengungen auseinandersetzen: Leserbrief in der PNN zu: „Kirchenaufbau: Linke kritisiert Land“, PNN vom 8.1. 2010

Die Reaktion von Linke-Kreisvorstand Sascha Krämer ist bemerkenswert. Sie zeigt, dass die Linke noch immer kein geklärtes Verhältnis zur evangelischen Kirche hat. Ein solches kann sich wohl erst einstellen, wenn in der SED-PDS-Die Linke die längst überfällige Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit gründlich geführt wird. In Potsdam bietet der angestrebte Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche

Die Reaktion von Linke-Kreisvorstand Sascha Krämer ist bemerkenswert. Sie zeigt, dass die Linke noch immer kein geklärtes Verhältnis zur evangelischen Kirche hat. Ein solches kann sich wohl erst einstellen, wenn in der SED-PDS-Die Linke die längst überfällige Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit gründlich geführt wird. In Potsdam bietet der angestrebte Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche eine gute Gelegenheit. Denn
die Zeit ist reif für eine Erklärung zu den Ereignissen des Jahres 1968.
Die SED hatte offensichtlich kein Interesse daran, dass der Prager Frühling ausstrahlen könnte. Die Kirchen und vor allem die jungen Menschen, die sich in ihnen sammelten, waren dem SED-Staat offensichtlich suspekt. Das ist verständlich, denn Christen, zumal diejenigen
mit jugendlichen Idealen, verbeugen sich vor Gott, sonst vor niemandem auf dieser Welt, es sei denn für andere. Im Mai 1968 wurde die Leipziger Universitätskirche gesprengt. Wenige Tage darauf erfolgte die Sprengung der wiederaufbaufähigen Garnisonkirche an einem Sonntag exakt zur Gottesdienstzeit. In Rostock musste 1971 die Christus-Kirche dran glauben.
Die SED ließ am Beispiel der Garnisonkirche einen „Lehrfilm über die Sprengung von Kirchen“ anfertigen. Fortan stand der als Anleitung bei der weiteren Beseitigung von Kirchengebäuden zur Verfügung. Doch das alles hat nicht geholfen. Der Geist der Freiheit und des Evangeliums lässt sich nicht einsperren oder wegsprengen. Nach den Montagsgebeten in der Babelsberger Friedrichskirche und in der Potsdamer Erlöserkirche gingen die Menschen im Herbst 1989 auf die Straße. Sie wollten selbstbestimmter leben und mehr Demokratie wagen. Zwanzig Jahre später ereignet sich im Saal des Bezirksgerichts Zürich ein Vollstreckungsvergleich zwischen der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) und der Novum Handelsgesellschaft, einer ehemaligen SED-Firma aus dem Schalk Golodkowski-Imperium. Die Bundesrepublik Deutschland konnte am 9. Januar 2009 zumindest eine Summe von 120 Millionen Euro zugunsten der fünf neuen Bundesländer erstreiten.

Das Land Brandenburg erhielt aus diesen durch die SED-Clique auf mehr als dubiosem Weg ins Ausland verschobenen Geldern 22 Millionen Euro. Nun können aus diesen Geldern zumindest zwei Millionen für die Wiedergutmachung eines großen Unrechts verwendet werden. Sie fördern den Wiederaufbau des Potsdamer Garnisonkirchenturms, der unter anderem als touristisches Highlight zur Attraktivität Potsdams beitragen wird. Zugleich entsteht hier eine Kirche, die als Schule des Gewissens dazu beitragen kann, dass die Verantwortung vor Gott und den Menschen, in der wir gemeinsam stehen, einen besonderen Ort in Potsdam erhält. Die Novum GmbH verfügte zur Wendezeit über ein Firmenvermögen von etwa 250 Millionen Euro. Da die Gelder auf Geheimkonten in der Schweiz, in Ungarn. Österreich, Luxemburg und Lichtenstein untergebracht waren, dauerte es sehr lange bis zumindest 120 Millionen gerichtlich erstritten werden konnten. Es kann auch heute nicht ausgeschlossen werden, dass auch künftig verstecktes Geld der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR auftauchen könnte. Dazu hat Sascha Krämer leider nichts gesagt.

Pfarrer Martin Vogel, Theologischer Vorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam

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