19.04.2012 | Leserbrief zu: „Schorlemmer gegen Garnisonkirche“ vom 11.4.2012

Also ein „Hort des braunen Ungeistes von Potsdam“, eine „Nazikirche“? Gewiss, die gerade an die Macht gewählten „nationalen“ Sozialisten hatten das Gebäude 1933 zur

Also ein „Hort des braunen Ungeistes von Potsdam“, eine „Nazikirche“? Gewiss, die gerade an die Macht gewählten „nationalen“ Sozialisten hatten das Gebäude 1933 zur Feier ihres Regierungsantritts missbraucht – wenn auch nur für eine Stunde und gegen den Widerstand der Kirchenleitung. Trotzdem später willkommener Grund für die anderen, die „realen“, Sozialisten, es 1968 aus dem kollektiven Bewusstsein zu sprengen. Denn die Garnisongemeinde war zutiefst antisozialistisch, im „Dritten Reich“ also antinationalsozialistisch. Deshalb entzog sie sich auch, anders als die meisten anderen protestantischen Kirchen, den NS-gesteuerten „Deutschen Christen“. Während beispielsweise in der Dresdner Frauen- und in der Potsdamer Friedenskirche seit 1933 auf dem Altar neben der Bibel immer Hitlers „Mein Kampf“ lag, war dies in der Garnisonkirche undenkbar. Aus ihr ging dann ja auch ein großer Teil des christlich-konservativen Widerstandes vom 20. Juli 1944 hervor. Doch vielleicht passt gerade dies den – wohl überwiegend sozialistischen – Wiederaufbaugegnern nicht. Stand doch die Garnisonkirche als steingewordene konservativ-christliche Mahnung gegen Sozialismen aller Art. Grund genug für jene, sie mit ihrem Hass zu verfolgen, ihr Andenken zu tilgen.

Dr. E.M. v. Livonius, Geltow

Erschienen in den PNN am 19.04.2012

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