04.05.2013 | Lehren aus der Bücherverbrennung – Eine neue Veranstaltungsreihe der Garnisonkirchen-Stiftung soll auch zeigen, wie das geplante Versöhnungszentrum in dem Gotteshaus funktionieren kann

Die Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche organisiert den ganzen Mai über eine teils hochkarätig besetzte Veranstaltungsreihe zur Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten

Die Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche organisiert den ganzen Mai über eine teils hochkarätig besetzte Veranstaltungsreihe zur Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten vor 80 Jahren. Projekte dieser Art seien auch ein Samen für das, was später in der Garnisonkirche stattfinden könnte, sagte Pfarrerin Juliane Rumpel am Donnerstag bei der Vorstellung des Programms. Erklärtermaßen wollen die Planer des umstrittenen Wiederaufbaus die 1968 gesprengte Militärkirche zu einem Zentrum für Frieden und Versöhnung machen.

Mit den Veranstaltungen zur Bücherverbrennung in der provisorischen Kirchenkapelle in der Breiten Straße wolle die Stiftung insbesondere Jugendliche erreichen, sagte Rumpel. Dabei werden prominente Gäste mit Schülern von den Nazis verbotene Bücher lesen und anschließend diskutieren. Den Auftakt macht eine Podiumsdiskussion am 7. Mai (siehe Kasten). Bereits 2009 hatte die Garnisonkirchenstiftung ein Schülerprojekt zur friedlichen Revolution 1990 durchgeführt.

Für die neue Veranstaltungsreihe werde mit dem Humboldt-Gymnasium in der Heinrich-Mann-Allee kooperiert, so Rumpel – eingeladen seien aber auch weitere Interessierte. In dem Projekt sollen die Ereignisse vor 80 Jahren auch dazu dienen, Lehren für die heutige Zeit zu ziehen – zum Beispiel, ob die Gesellschaft tatsächlich gegen eine Wiederholung gefeit ist. Die für das Projekt zuständige Lehrerin im Humboldt-Gymnasium, Heidrun Kinner, sagte, an der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 seien auch Studenten und Professoren, also Intellektuelle maßgeblich beteiligt gewesen.

Ebenso soll während der Veranstaltungen über die heutige Mediengesellschaft debattiert werden. „Wie viel Einschränkung von Meinungsfreiheit verträgt die Demokratie? Und welche Gefahren birgt der grenzenlose Informationsfluss?“, sind zwei der Fragen aus dem vorgestellten Konzept. In Projekttagen werden die Schüler vorbereitet, so Lehrerin Kinner. Die 15-jährige Schülerin Sophie Inacker sagte, die Beschäftigung mit dem Thema habe deutlich gemacht, wie wichtig das Recht der Meinungsfreiheit sei.

Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist seit Jahren umstritten. Die Gegner warnen vor einem militaristischen und faschistischen Symbolgehalt des Projekts. Die Befürworter berufen sich unter anderem auf das Ziel, in der Kirche ein Versöhnungszentrum zu etablieren. (PNN vom 04.05.2013, Von HK)

Zurück


zum Seitenanfang