16.01.2009 | Landtags-Schloss: Außen und im Hof mit historischer Fassade

Schloss-Jury kürte Siegerentwurf für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses (15.1. 2009) Von Thorsten Metzner Potsdam – Potsdam erhält sein berühmtes Stadtschloss zurück. Nicht nur an den Außenfronten mit der Fassade des historischen Baus von Georg Wenzeslaus von Knobeldorff, sondern auch im Innenhof. Das sieht der Entwurf vor, der am Donnerstag von einer Fachjury zum Sieger

Schloss-Jury kürte Siegerentwurf für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses (15.1. 2009)

Von Thorsten Metzner

Potsdam – Potsdam erhält sein berühmtes Stadtschloss zurück. Nicht nur an den Außenfronten mit der Fassade des historischen Baus von Georg Wenzeslaus von Knobeldorff, sondern auch im Innenhof. Das sieht der Entwurf vor, der am Donnerstag von einer Fachjury zum Sieger im laufenden Vergabeverfahren für den Landtagsneubau auf dem Alten Markt gekürt wurde, wie die PNN am Donnerstag aus Kreisen der 17-köpfigen Jury aus Architekten, Politikern und Denkmalpflegern erfuhr. Für Potsdam ist das eine Sensation: Denn damit steht der Wiederaufbau des einstigen Wahrzeichens der Preußenresidenz vor dem Durchbruch.

Dass Potsdam sein berühmtes Stadtschloss nicht nur Außen, sondern auch im Hof wieder bekommt, galt bislang als unwahrscheinlich. Die Jury hatte am Donnerstag vom Morgen bis in die Abendstunden unter strenger Geheimhaltung getagt, um erstmals die von drei Konsortien eingereichten insgesamt fünf Entwürfe und Konzepte für das 120-Millionen-Euro-Projekt zu begutachten. Zwei Entwürfe setzten dem Vernehmen nach auch im Innenhof auf das historische Vorbild. Dabei gibt es zwei Varianten: Danach könnte der Plenarsaal einmal direkt an den Hof grenzen – oder über ein representatives Treppenhaus wie beim in den 60er Jahren abgerissenen Stadtschloss erschlossen werden. Mit dem Sieger soll jetzt im so genannten „Dialogverfahren“ weiter verhandelt werden. Der Zuschlag ist für Sommer 2009 geplant.

Landtagspräsident Gunter Fritsch, Finanzminister Rainer Speer (beide SPD) und Jury-Chef Kaspar Kraemer wollen am heutigen Freitag über die Ergebnisse und das weitere Vorgehen informieren.

Die Sitzung des Bewertungsgremiums, in dem bekannte Architekten wie David Chipperfield aus London mitwirken, war mit besonderer Spannung erwartet worden. Denn es ist bereits der zweite Anlauf in dem von Turbulenzen begleiteten Vergabeverfahren für den Neubau des Landtages auf dem Alten Markt, der nach dem Beschluss des Parlamentes aus dem Jahr 2005 in seinem Aussehen weitgehend dem historischen Schloss entsprechen soll.

In einer ersten Runde hatte die Jury Ende 2007 schon einmal sechs Entwürfe begutachtet, bei denen der neue Landtag aber unter Missachtung der Vorgaben moderne Fassaden trug, „Allerweltsarchitektur“, wie damals kritisiert wurde. Der Landeshauptstadt drohte nach dem „Potsdam-Center“, das in den 90er Jahren errichtet wurde und fast zum Verlust des Unesco-Welterbetitels geführt hätte, ausgerechnet beim wichtigsten Landesprojekt eine neue Bausünde. Erst durch eine zweckgebundene Spende des SAP-Gründers und Milliardärs Hasso Plattner über 20 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Schlossfassade konnte der Skandal abgewendet werden. Die Bieterkonsortien wurden daraufhin aufgefordert, die Entwürfe nach historischem Vorbild nachzubessern. Einige sprangen daraufhin gegen finanzielle Entschädigungen ab oder versuchten – vergeblich – juristisch dagegen vorzugehen. Deshalb sind nur noch drei Bieterkonsortien dabei.

Dem Vernehmen nach steht nun bereits fest, dass das „Landtagsschloss“ mit historischer Außenfassade errichtet wird. Gerätselt wurde aber seit Monaten, wie der Innenhof gestaltet wird. In den letzten Tagen waren immer wieder Vermutungen geäußert worden, dass der neue Landtag im Hof billig wirken könnte. Dort haben die Konsortien wegen des Kostenlimits von 120 Millionen Euro nach den Ausschreibungsvorgaben Entscheidungsspielräume. So können sie, damit der Raum auch für eine gemeisames Parlament nach einer möglichen Länderfusion mit Berlin reicht, die Flügelbauten verbreitern.

Gleichwohl forderte die Bürgerinitiative „Mitteschön“ den historischen Innenhof. Einer ihrer prominenten Unterstützer: Der deutsche Medizinnobelpreisträger Günter Blobel, der rund 850 000 Euro seines Preisgeldes für den Aufbau der Dresdner Frauenkirche spendete. Blobel hatte erst jetzt wieder aus New York in einem Brief an die Jury appelliert: „Bitte haben Sie den Mut, auch den berühmten Innenhof des Stadtschlosses restaurieren zu lassen!“

Baubeginn für das „Landtags-Schloss“ in Potsdams Mitte soll nach dem jetzigen Zeitplan noch Ende 2009 sein . Die Fertigstellung des Parlamentes ist für Ende 2012 vorgesehen.

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