25.08.2011 | Kapelle für 162 Leute – Die ersten Baupläne für die Garnisonkirche in Potsdam wurden am Mittwoch vorgestellt. Daraus geht hervor, dass das Erdgeschoss im Inneren nicht original entstehen wird

Innenstadt – Jetzt steht fest, wie viel der Aufbau des Turmes der Garnisonkirche kostet: Genau 38 Millionen und 610 000 Euro. Fördergemeinschaft und Stiftung der Garnisonkirche

Innenstadt – Jetzt steht fest, wie viel der Aufbau des Turmes der Garnisonkirche kostet: Genau 38 Millionen und 610 000 Euro. Fördergemeinschaft und Stiftung der Garnisonkirche präsentierten gestern die vom Architekturbüro Hilmer & Sattler und Albrecht erarbeiteten Vorentwurfspläne für den Wiederaufbau des 1968 gesprengten Kirchenturmes.

„Soweit waren wir noch nie“, erklärte Stiftungsgeschäftsführer Peter Leinemann. „Die historische Erscheinung soll maximal erhalten bleiben“, erläuterte Architekt Christoph Sattler. Es würden dieselben Materialien verwendet wie zur Zeit der Errichtung der Barockkirche von 1730 bis 1735. So werde der Turm aus Ziegelsteinen wieder aufgemauert. Als ein „neues Element“ werde laut Sattler das Erdgeschoss im Inneren gegenüber dem Original verändert: „Den massiven Sockelbereich werden wir nicht rekonstruieren.“ Stattdessen soll eine Kapelle „neu inszeniert“ werden, die Platz bietet für bis zu 162 Personen. Wie Kuratoriumsvorsitzende der Garnisonkirchenstiftung, Bischof Wolfgang Huber, im Interview mit Potsdam TV erläuterte, hätte Architekt Johann Philipp Gerlach (1679-1748) „diesen Raum auch gerne gehabt“; jedoch hätten die Erfordernisse der Statik in jener Zeit die Errichtung meterdicker Mauern erfordert. „Gerlach war sich nicht sicher, ob der Turm sonst den Stürmen standhalten würde“, sagte Johann-Peter Bauer, Vorsitzender der Fördergesellschaft. Nun seien derart dicke Mauern nicht mehr nötig. Wie Sattler erklärte, werden die historischen Fundamente zwar erhalten, der Turm jedoch auf Betonpfählen gegründet. Die Zwischendecken sollen aus Stahlbeton sein.

Die Kapelle werde Sattler zufolge „eine neue Architektursprache haben ohne einen Bruch zum Barock zu schaffen“. Huber betonte, der „neue Raum ist ein Gewinn“. Dieser schaffe eine Nutzungsmöglichkeit für die Garnisonkirche. Es könne kein 89 Meter hohes Gebäude ohne Nutzung errichtet werden. Die Nutzung beschreibt Huber mit den Stichworten „beten, erinnern, bilden und sehen“. Der Saal im Erdgeschoss soll nicht nur Kapelle sein, sondern auch Ort der Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und den Widerstand in der DDR. Dabei könne nicht von Mehrfach-Nutzung gesprochen werden. Huber: „Jeder Gottesdienst ist auch ein Gedenken.“ Das Erinnern beginne, „wenn man das Gebäude betritt“.

Huber ging auch auf Wünsche von Potsdamer Bürgern auf Wiederherstellung der Kapelle ein, wie sie zu DDR-Zeiten in der Turm-Ruine eingerichtet war. Dabei habe es sich lediglich um einen bestuhlten Kreuzgang gehandelt, die Gottesdienst-Besucher hätten sich daher wechselseitig nicht sehen können. Die Kapelle habe „ein starkes Argument“ sein sollen gegen den Frevel des Turmabrisses. Als Referenz an diese Zeit soll Huber zufolge dieser Kreuzgang am Fußboden der neuen, großen Kapelle erkennbar sein, „als bleibendes Zeichen für die Nutzung zu DDR-Zeiten“.

Weitere vorgestellte Details: Über der Kapelle entsteht ein Ausstellungsraum, ein Fahrstuhl führt zu einer Aussichtsplattform, die auch von Rollstuhlfahrern besucht werden kann, in weiteren Turmetagen entstehen „Bildungsorte“, wie Huber sagte. Die nun vorgestellte Vorplanung ist Basis für die weitere Einzelplanung. Im Zuge dessen soll geklärt werden können, ob schon mit dem ersten Turmabschnitt begonnen werden kann, ohne dass die komplette Bausumme „bereits auf dem Konto ist“, sagte Huber. Ziel bleibe die Fertigstellung des Turmes bis 2017. Die Bauzeit wird mit drei bis vier Jahren veranschlagt. (PNN vom 25.08.2011, von Guido Berg)

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