27.06.2012 | Interview “Die Zustimmung ist größer” – In einem Gespräch mit den Potsdamer Neuesten Nachrichten spricht Burkhart Franck über seine Arbeit als neuer Fördervereinschef für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Ein Auszug.

Herr Franck, Sie sind neuer Vorsitzender der Fördergemeinschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Warum engagieren Sie sich für dieses umstrittene Projekt?   Nach meiner Pensionierung

Herr Franck, Sie sind neuer Vorsitzender der Fördergemeinschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Warum engagieren Sie sich für dieses umstrittene Projekt?

Nach meiner Pensionierung habe ich mir gesagt, dass ich kein Geld mehr verdienen muss, sondern mich um andere Dinge kümmern sollte. Und Potsdam ist eine schöne Stadt – das Wesen der Stadt kulminiert in der Garnisonkirche. Dieses Gebäude besitzt eine einmalige Mischung aus Prunk und Bescheidenheit, dazu kommen das schöne Glockenspiel und die wechselvolle Geschichte. Sich für den Wiederaufbau einzusetzen, ist eine schöne und anspruchsvolle Aufgabe. Was ich noch bemerken möchte: So umstritten ist das Projekt längst nicht mehr.

Glauben Sie, dass eine Mehrheit der Potsdamer für den Wiederaufbau ist?

Ich möchte sagen, eine Mehrheit der interessierten Potsdamer ist es bestimmt. Nachdem das Projekt vor allem in der Anfangszeit überwiegend auf Ablehnung stieß, ist die Zustimmung heute sehr viel größer – sowohl in Bevölkerung als auch in der evangelischen Kirche.

Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Menschen stimmen einer Sache eher zu, wenn sie sehen, worum es genau geht. Und die Garnisonkirche fasziniert. Zwar ist sie natürlich immer noch mit dem Tag von Potsdam verbunden, als Hitler und Reichskanzler Hindenburg sich vor der Kirche die Hand gaben. Aber die Lesart des Tages als nationalsozialistisch dominierte Veranstaltung war eher ein nachträglicher Erfolg der NS-Propaganda, weil der Tag selbst eher monarchisch geprägt war. Und dies ist nur eine Facette der Geschichte der Kirche. Insofern finde ich den Wiederaufbau auch anspruchsvoller als etwa den der Frauenkirche in Dresden, weil es eben nicht nur um Architektur, sondern auch um unsere ja nicht ganz einfache Geschichte geht.

Kritiker des Wiederaufbaus wie der Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer sagen, die „braune Asche“ lasse sich nicht von der Kirche abwaschen …

Man kann solche Ansichten haben – ich teile sie aber nicht und halte sie auch nicht für begründbar.

Warum soll das nicht begründbar sein?

Weil an einem Gebäude nicht die Asche eines Besuchers kleben kann. Das halte ich für abwegig. Dann müsste man alle Gebäude sprengen, in denen Hitler jemals gewesen ist. (PNN vom 27.06.2012, Fragen: Henri Kramer)

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