02.09.2009 | Im Zeichen des Nagelkreuzes – Gedenkgottesdienst am Standort der Garnisonkirche aus Anlass des Überfalls auf Polen vor 70 Jahren

Ein Wunder nennt es Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz. Mit diesem Wort bezeichnete der Geistliche gestern die Tatsache, dass sieben Jahrzehnte nach dem brutalen Überfall, für den Hitler die Versklavung und Vernichtung des polnischen Volkes als Ziel gesetzt hatte, zwischen den beiden Nachbarn Deutschland und Polen wieder normale Beziehungen bestehen. Allenfalls durch Meinungsverschiedenheiten, wie sie auch unter

Ein Wunder nennt es Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz. Mit diesem Wort bezeichnete der Geistliche gestern die Tatsache, dass sieben Jahrzehnte nach dem brutalen Überfall, für den Hitler die Versklavung und Vernichtung des polnischen Volkes als Ziel gesetzt hatte, zwischen den beiden Nachbarn Deutschland und Polen wieder normale Beziehungen bestehen. Allenfalls durch Meinungsverschiedenheiten, wie sie auch unter Freunden auftreten, werde diese Zustand ab und an getrübt, so der Kirchenmann.

Seine Sätze sprach Hans-Ulrich Schulz bei einem Gedenkgottesdienst aus Anlass des deutschen Angriffs auf Polen und des Beginns des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Die Veranstaltung fand gestern Abend in der Ausstellung am Standort der Garnisonkirche statt.

Nach seinen Worten misst der Schulz der Erinnerungsarbeit großen Anteil an der Verständigung zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern bei. Noch leben die letzten Zeitzeugen, die die Ereignisse im September 1939 auf eigener Anschauung wiedergeben können. Dazu zählt etwa Wilhelm Stintzing, der den Krieg vom ersten bis zum letzten Tag als Soldat mitgemacht hat. Der 95-jährige Potsdamer, über dessen Erlebnisse die PNN jüngst ein Interview veröffentlicht hatten, wurde zu dem Gottesdienst herzlich begrüßt. Generalsuperintendent Schulz nannte aber auch Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der als Angehöriger des Infanterie-Regimentes Nr. 9 von Beginn an im Polenfeldzug eingesetzt war. Aus diesem Potsdamer Eliteregiment waren bekanntlich später mehr als 20 Verschwörer gegen Hitler hervorgegangen.

In die Liturgie des Gottesdienstes, der unter dem Wort „Gib Frieden, Herr, gib Frieden“ stand, hatte Stadtkirchenpfarrer Markus Schütte mehrere Mitglieder der Jungen Gemeinde der Friedenskirche einbezogen sowie als besonderen Gast Reverend Robin Youett von der Nagelkreuzgemeinde in Coventry. Sie beteten in verschiedenen Sprachen das Nagelkreuzgebet, das um Vergebung für die Sünde des Rassenhasses und mangelnde Anteilnahme an der Not von Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlingen bittet. „Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen“, heißt es darin. Die Kollekte kam dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk mit Sitz in Potsdam zugute.

Zu Beginn des Abends hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs den Platz und ab 2017 dann den wiederaufgebauten Turm der Garnisonkirche einen symbolträchtigen und für Potsdam typischen Gedenk- und Erinnerungsort genannt. Er sei nicht nur mit dem durch die Nationalsozialisten inszenierten Tag von Potsdam am 21. März 1933 verbunden, sondern auch mit dem Widerstand der Männer des 20. Juli 1944, dem verheerenden englischen Bombenangriff vom 14. April 1945 und der Sprengung des Turms durch das DDR-Regime im Juni 1968. E.Hoh.

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