09.05.2014 | Historische Glocke kehrt zurück

Am Donnerstagabend wurde in Berlin-Nikolassee in der Repräsentanz der schwäbischen Firmengruppe “Würth” eine verschollen geglaubte Glocke vom größtenteils kriegszerstörten Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche übergeben. Berlin/Potsdam. Als prominenter

Am Donnerstagabend wurde in Berlin-Nikolassee in der Repräsentanz der schwäbischen Firmengruppe “Würth” eine verschollen geglaubte Glocke vom größtenteils kriegszerstörten Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche übergeben.
Berlin/Potsdam. Als prominenter Gast kam Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), der in seiner Eigenschaft als Wirtschaftsminister ans Rednerpult trat. Thema: „Unternehmerisches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung.“
Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) nahm die Glocke entgegen. Er gehört dem Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung an, die sich den Wiederaufbau des 1968 auf Geheiß der SED-Führung gesprengten Bauwerks auf die Fahnen geschrieben hat.
Das 1722 geweihte Glockenspiel des Holländers Jan Albert de Grave im Kirchturm war einst ein Kunstwerk von Rang. Ab 1797 ertönte bis 1945 der Stundenchoral „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ im Wechsel mit dem Halbstunden-Lied „Üb’ immer Treu und Redlichkeit“. Nach den Luftangriffen im Jahr 1945 auf Potsdam bargen zwei Brüder eine unversehrte Glocke.
Hinter der Adresse der gestrigen Veranstaltung in der hoch exklusiven Nachbarschaft von Schwanenwerder in Berlin verbirgt sich ein renommierter Firmenname – und Mäzenatentum der XXL-Klasse: Die schwäbische Würth-Gruppe zählt zu den Global Playern im Großhandel mit Produkten der Befestigungs- und Montagetechnik (Volksmund: „Schrauben-Würth“). Dass das Unternehmen Gefallen an dem Potsdamer Wiederaufbau-Projekt gefunden hat, bestätigte Martin Vogel, theologischer Vorstand der Garnisonkirchenstiftung, schon im Vorfeld der gestrigen Veranstaltung. Eine Großspende sei nicht vereinbart, sagte Vogel auf Nachfrage, dennoch: „Das Unternehmen identifiziert sich insofern mit unserem Vorhaben, als es diesen Multiplikatoren-Abend in der Berliner Repräsentanz veranstaltet. Das ist ganz großartig“, sagte Vogel. Im Ranking der 500 größten Familienunternehmen der Zeitschrift „Wirtschaftsblatt“ nimmt das Unternehmen den 14. Platz ein. Die Kunstsammlung Würth ist weltbekannt.
Schützenhilfe hätte das Wiederaufbauprojekt auch dringend nötig. Einerseits herrscht seit vielen Jahren Ebbe in der Spendenkasse. Auch eine vom Bund in Aussicht gestellte Zwölf-Millionen-Förderung wird erst dann ausgezahlt, wenn das ganze Projekt durchfinanziert ist. Das Problem: Momentan klafft noch eine riesige Finanzierungslücke von 28 Millionen Euro. Starken Gegenwind gibt es derzeit auch innerhalb der Stadt. Die Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ sammelt Unterschriften für einen Austritt der Stadt aus der Garnison-kirchenstiftung. Mehr als 8000 Unterschriften sind es nach anderthalb Monaten. (Märkische Allgemeine Zeitung, 09.05.2014, von Ildiko Röd)

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