23.05.2014 | Historiker plädiert für Garnisonkirche

Der Wiederaufbau der Garnisonkirche hat einen weiteren prominenten Unterstützer gefunden: den international renommierten Historiker Christopher Clark, dessen Werk zur Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs (“Die Schlafwandler”) wochenlang in den Bestseller-Listen

Der Wiederaufbau der Garnisonkirche hat einen weiteren prominenten Unterstützer gefunden: den international renommierten Historiker Christopher Clark, dessen Werk zur Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs (“Die Schlafwandler”) wochenlang in den Bestseller-Listen stand.

Potsdam. Am Donnerstagabend las der gebürtige australische Historiker Christopher Clark, der an der englischen Universität Cambridge lehrt, im Alten Rathaus auf Einladung der Fördergesellschaft Wiederaufbau Garnisonkirche vor überfülltem Saal aus seinem Werk.

Zuvor hatte er im MAZ-Gespräch den Argumenten der Wiederaufbau-Kritiker widersprochen, die das Bauwerk als Schauplatz der Eröffnung des Nazi-Reichstags am 21. März 1933 ablehnen. “Wenn der Wiederaufbau nur wegen des ‘ Tags von Potsdam’ infrage gestellt wird, dann ist das kein zwingender Grund”, sagte Clark. Viele Orte würden eine ambivalente Vergangenheit in sich tragen: “Die ganze komplexe Geschichte der Kirche auf den Tag von Potsdam zu reduzieren, hieße, die Nazis den Sieg davontragen zu lassen. Das hieße, wir überlassen es den Nazis, die Bedeutung dieser Kirche für immer und ewig zu definieren.”

Preußen-Experte Clark machte in den vergangenen Monaten aber nicht nur wegen seines Werks zum Weltkrieg Schlagzeilen, sondern auch im Zusammenhang mit den Entschädigungszahlungen an die Hohenzollern-Familie für Enteignungen, die während der sowjetischen Besatzung sowie der DDR-Bodenreform erfolgten. Das Amt zur Regelung für offene Vermögensfragen in Beeskow (Oder-Spree) hatte milde über die Nazi-Verstrickungen der Preußen-Familie geurteilt und den Anspruch auf eine 1,2-Millionen-Entschädigung bestätigt. Die Entscheidung fußte auch auf Clarks Gutachten zur Rolle der Hohenzollern, das er auf Wunsch der Preußen-Familie erstellt hatte. Die Kernaussage: Kronprinz Wilhelm habe dem NS-System keinen erheblichen Vorschub geleistet. Als der Fall publik wurde, gab es Protest in der Bevölkerung. Mitte März stoppte Finanzminister Christian Görke (Linke) den Vorgang, um ein unabhängiges Gutachten einholen zu lassen. “Ich muss nicht und habe auch keinen Standpunkt zu diesen juristischen Fragen”, sagte Clark zur MAZ. “Ich habe als Historiker nur gewisse Fragen anhand der mir vorgelegten Akten beantwortet.” (Märkische Allgemeine Zeitung, 23.05.2014, von Ildiko Röd)

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