22.03.2013 | Heftige Kritik an linker Protestaktion – Die Veranstaltungen zum Gedenken an den Tag von Potsdam wurden vom Eklat am Mittwochabend überschattet

Der Eklat beim Demokratie-Spaziergang zum Tag von Potsdam hat auch die Gedenkveranstaltungen am gestrigen Donnerstag überschattet. Oberbürgermeister Jann Jakobs

Der Eklat beim Demokratie-Spaziergang zum Tag von Potsdam hat auch die Gedenkveranstaltungen am gestrigen Donnerstag überschattet. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bezeichnete die Aktion, bei der linke Demonstranten die von der Stadt und den Kirchen organisierte Veranstaltung mit einem Nazi-ähnlichen Fackelzug gestört hatten, als eine nicht akzeptable Form des Protestes. „Gerade an einem solchen Tag mit symbolisierten SA- und Wehrmachtsuniformen aufzutreten und zudem eine Gedenkminute zu stören, ist im harmlosesten Fall unpassend, im schlimmsten Fall eine Verhöhnung der Opfer.“ Die teils geschminkten und mit Uniformen bekleideten Linken, die mit der Aktion gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche demonstrieren wollten, hatten ihren Aufzug ausgerechnet am Gedenkort für die frühere Synagoge am Platz der Einheit begonnen.

Damit zogen sie nicht nur die Kritik des Oberbürgermeisters auf sich. Linke-Kreischef Sascha Krämer sagte den PNN, bei Protesten dieser Art sollte Fingerspitzengefühl walten. „Ein solches Bild vor dem Standort der ehemaligen Synagoge zu erzeugen, provoziert nicht nur Denkanstöße, sondern führt auch zu Verletzungen, die dem Protest und dessen Anliegen nicht dienlich sind.“ Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg sagte, gerade bei einem Gedenken an den Nationalsozialismus sollten die Gemeinsamkeiten im Vordergrund stehen. SPD-Chef Mike Schubert teilte mit: „Die Form des Protestes zeigt eine riesige Ignoranz vor der Geschichte.“

Selbst bei einer Kundgebung von Gegnern des Kirchenbaus am späten Donnerstagnachmittag waren kritische Worte zu hören. Es sei beleidigend, die Befürworter des Wiederaufbaus der Garnisonkirche mit einer derartigen Aktion als Nazis abzustempeln, sagte der Publizist Anselm Weidner vor den 200 Teilnehmern der Kundgebung – von denen nur einer verkleidet gekommen war. Die Polizei, mit 80 Mann vor Ort, registrierte keine Zwischenfälle. Ein juristisches Nachspiel wird die Aktion vom Mittwochabend nicht haben, sagte eine Polizeisprecherin.

Bei der Demonstration gegen den Wiederaufbau am Donnerstag wurden von der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche zahlreiche Exemplare einer „Potsdamer Allgemeinen“ verteilt – eine Zeitung, die sich auf vier Seiten mit Argumenten gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche beschäftigt, etwa dem umstrittenen Symbolgehalt des Projekts. Gesponsert hat den Druck der 10 000 Exemplare der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Potsdam.

Die Zeitungen lagen auch im Filmmuseum aus, wo es den ganzen Tag Veranstaltungen zum Tag von Potsdam stattfanden. Um 18 Uhr wurde zum Beispiel zu Vorträgen von Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) und dem Historiker Martin Sabrow geladen, die von historischen Filmausschnitten begleitet wurden. Sie stammten teils aus der Wochenschau, teils waren es Fragmente bislang unveröffentlichter Amateuraufnahmen. Sie zeigen, wie frenetisch Reichspräsident Hindenburg und Kanzler Hitler in Potsdam empfangen wurden. Es sind Menschenmassen zu sehen, die sich am Straßenrand drängen und teils nur mit Mühe von Wachmännern zurückgehalten werden können. Zudem werden Schaulustige auf Bäumen oder Straßenschildern, Fenster mit Fahnen des Kaisers oder mit Hakenkreuz gezeigt. Sogar auf dem damals noch existenten Stadtschloss weht eine Fahne mit dem Symbol der Nationalsozialisten. Hindenburg wird zugejubelt, Hitler mit Heilrufen und Hitlergruß empfangen. Für den heutigen Zuschauer fast unvorstellbare Szenen, nur eines kam den Menschen im Filmmuseum mehr als bekannt vor: Der heftige Schneefall, der in manchen Szenen vom 21. März 1933 zu sehen ist. (PNN vom 22.03.2013)

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