17.01.2013 | Graffiti-„Grüße“ an die Garnisonkirche – Schon wieder Schmierereien an Fragmenten an der Breiten Straße / Fördergesellschaft will Wiederaufbau nur mit Spenden

Potsdam – Tja, deutsche Sprache, schwere Sprache: „Friede de Hütten, Krig dem Preussen Pomp“, prangte am Dienstag in großen Sprayer-Lettern auf dem Sockel des Garnisonturm-Schmucks an der Breiten

Potsdam – Tja, deutsche Sprache, schwere Sprache: „Friede de Hütten, Krig dem Preussen Pomp“, prangte am Dienstag in großen Sprayer-Lettern auf dem Sockel des Garnisonturm-Schmucks an der Breiten Straße. Aber den Kritikern des Garnisonkirchenvorhabens kam es wohl hauptsächlich auf die Botschaft an und nicht auf solche Nebensächlichkeiten wie die Rechtschreibung. Es sei nicht die erste Sgraffito-Botschaft an dieser Stelle, hieß es anschließend dazu aus dem Kreis der Wiederaufbauaktivisten, die gleich gegenüber in der Industrie- und Handelskammer (IHK) ihren Neujahrsempfang abhielten.

2013 dürfte ein bedeutsames Jahr für alle jene Engagierten werden, die sich vor neun Jahren unter dem – vermeintlich zugkräftigen – „Ruf aus Potsdam“ zusammenfanden. Oberbürgermeister Jann Jakobs, der damals zu den Erstunterzeichnern gehörte, räumte beim Neujahrsempfang in der IHK zwar ein, dass „wir uns das ein bisschen schneller vorgestellt hätten. Aber gut Ding will Weile haben“. Auch sonst war die Rede des Oberbürgermeisters, der für die Landeshauptstadt einen Sitz im Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung inne hat, von außerordentlichem Optimismus durchtränkt. Seine Prognose: „Ich bin mir ziemlich sicher, es wird mit dem Wiederaufbau kein Halten mehr geben.“ Den Beginn des Umbaus den Breiten Straße kündigte Jakobs zum März an. Im Verlauf der Rede konnte er sich auch einen Seitenhieb nicht verkneifen: Der Landeshauptstadt sei „es immer gelungen, dass alle Bauwerke termingerecht fertiggestellt werden“. Elegant unerwähnt ließ das Stadtoberhaupt jene Projekte, die man nach langer Debatte erst gar nicht gestartet hatte.

Immerhin kann die Fördergesellschaft Wiederaufbau Garnisonkirche (FWG) einen Baufortschritt vermelden: Im Oktober soll die riesige Nachbildung der Wetterfahne an der Ecke Breite Straße/Dortustraße aufgestellt werden, sagte der FWG-Vorsitzende Burkhart Franck in seiner Rede auf dem Empfang.

Doch zunächst einmal gilt es für die Wiederaufbauer, die Zäsur der 80. Wiederkehr des Tags von Potsdam (21. März 1933) zu meistern. Der Handschlag zwischen Hitler und Hindenburg vor der Garnisonkirche – ein Bild, das sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat und eine Hypothek für das Aufbauprojekt.

Die Wiederaufbau-Gegner von der Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“, meldeten sich gestern in einer Presseerklärung wieder öffentlich zu Wort: „Wir fordern von der Stadt Potsdam, die laufende Debatte um die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Hindenburgs und den Jahrestag der nationalsozialistischen Machtergreifung zum Anlass zu nehmen, aus der Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche auszutreten“, forderte die BI.

Die Wiederaufbau-Aktivisten demonstrieren indes Einigkeit und Schulterschluss – zumindestens nach außen hin. Von den Spannungen zwischen dem Förderverein und der Garnisonkirchenstiftung war beim Neujahrsempfang auf den ersten Blick nichts wahrzunehmen. Als „zwei Seiten einer Medaille“ bezeichnete der Vorsitzende der Fördergesellschaft Wiederaufbau Garnisonkirche (FWG) Burkhart Franck, in seiner Grußansprache die Fördergesellschaft und die Garnisonkirchenstiftung. Dennoch scheint es nach wie vor genug Spielraum für Dissens zu geben. Altbischof Wolfgang Huber, Kuratoriumsvorsitzender der Garnisonkirchenstiftung, hatte sich jüngst für Bundesmittel als Wiederaufbau-Hilfe ausgesprochen. Auch der FWG-Vorsitzende sprach am Montag die Frage der Finanzierung an; bei ihm klang das ein bisschen anders: Man wolle das Bauprojekt „nicht aus Steuermitteln“ finanzieren, sondern aus Spenden, sagte Burkhart Franck.

Ein zweiter unendlicher Diskussionspunkt hinter den Kulissen ist das Aussehen der künftigen Kapelle im Garnisonkirchturm. Wie berichtet, hat die Kirchenstiftung – sie ist Bauherrin – den Bauantrag für den Turm mit dem Kapellenentwurf des Architekten Thomas Albrecht eingereicht. Trotzdem gibt die FWG die Hoffnung nicht auf, dass der von ihr favorisierte Entwurf des jungen Potsdamer Architekten Christopher Kühn zum Zuge kommt. „Es gibt immer einen Auftraggeber und einen Auftragnehmer – da muss man sehen, wie sich das Stiftungskuratorium entscheidet“, sagte der Ex-Vorsitzende der FWG, Johann-Peter Bauer, im Gespräch mit der MAZ. Er geht davon aus, dass die Entscheidung „in Abstimmung mit der .FWG“ fallen wird. (MAZ vom 17.01.2013, Von Ildiko Röd).

Zurück


zum Seitenanfang