25.06.2012 | Grabenkämpfe – Jürgen Stich über Mäzene und die Art, wie sie behandelt werden

Jedes Jahr – seit 1995 – überweist ein anonymer Spender eine halbe Million Euro an die Stadt Görlitz. Er ermöglichte damit eine umfassende Sanierung der Altstadt, die Neiße-Stadt gilt

Jedes Jahr – seit 1995 – überweist ein anonymer Spender eine halbe Million Euro an die Stadt Görlitz. Er ermöglichte damit eine umfassende Sanierung der Altstadt, die Neiße-Stadt gilt als eine der schönsten Kommunen in Deutschland. Dass auch Potsdam von Mäzenen profitiert, ist nicht zuletzt seit der jüngsten Debatte um das Kunsthallen-Geschenk des Software-Milliardärs Hasso Plattner bekannt. Nun hat sich ein weiterer Spender als Potsdam-Gönner nach vorne gewagt, allerdings, ohne öffentlich seinen Namen zu nennen. Eine Million Euro überwies er auf das Konto der Stiftung zum Wiederaufbau der Garnisonkirche. Damit ist der Baustart gesichert. Anders als in Görlitz sind in Potsdam solche privaten Zuwendungen allerdings nicht bei allen Einwohnern und politischen Akteuren gern gesehen. Sowohl die Kunsthalle als auch Garnisonkirche sind umstritten. Die Debattierlust ist hier viel ausgeprägter als in Görlitz und dieser Diskurs über Lebensgefühl und Architektur steht der Landeshauptstadt auch gut zu Gesicht. Schade nur, dass sachliche Auseinandersetzungen am Ende – auf allen Seiten – für ideologische Grabenkämpfe instrumentalisiert werden und so leichtfertig eine Spaltung der Stadt riskiert wird. Kunsthalle und Garnisonkirche haben Klügeres verdient (MAZ vom 25.06.2012, von J. Stich).

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