17.03.2010 | GESCHICHTE: Alter Glanz und neuer Stolz – Historische Potsdam-Streifen

POTSDAM / INNENSTADT – Keine Frage, dass am Samstagvormittag zur Aufführung von „Potsdam im Film – Orte und Bauwerke“ der Saal des Filmmuseums voll werden würde. Schließlich hatte die Werbung auch bislang unbekannte Aufnahmen des alten Potsdam versprochen. Der Filmhistoriker Hans-Gunter Voigt präsentierte seine im Bundesfilmarchiv aufgespürten Schätze vorab mit einer kurzen Beschreibung der jeweiligen

POTSDAM / INNENSTADT - Keine Frage, dass am Samstagvormittag zur Aufführung von „Potsdam im Film – Orte und Bauwerke“ der Saal des Filmmuseums voll werden würde. Schließlich hatte die Werbung auch bislang unbekannte Aufnahmen des alten Potsdam versprochen. Der Filmhistoriker Hans-Gunter Voigt präsentierte seine im Bundesfilmarchiv aufgespürten Schätze vorab mit einer kurzen Beschreibung der jeweiligen Entstehungsgeschichte.

Ältester Streifen war der 1927 entstandene Bericht über die große Weihefeier des „Land- und Wassersportplatz Luftschiffhafen Potsdam“. Immerhin 17 000 Potsdamer säumten damals die Traversen des neu erbauten Stadions und der angrenzenden Sportanlagen, um mit dem Magistrat sowie militärischen Formationen und Vereinssportlern trotz strömenden Regens unter einem Meer von schwarzen Schirmen die Massenübungen der Sportler zu verfolgen. Das an nordkoreanische Aufmärsche erinnernde Spektakel begleitete jetzt im Saal in gewohnter Perfektion Helmut Schulte an seiner Welte-Kinoorgel mit zündenden Melodien wie „Reiters Morgenlied“.

Danach gab es einen Ausschnitt aus einem 1930 gedrehten Streifen über die Provinz Brandenburg, der belegte, wie extrem dicht die Havel im Sommer mit Sport- und Segelbooten sowie Ausflugsdampfern befahren war.

Potsdams erste Farbaufnahmen stammen aus dem Jahr 1934 und zeigen ein idyllisch südländisches Flair in einer quirligen, sehr urbanen Innenstadt mit Stadtkanal und barockem Glanz. Leider gaben die Bilder des Tags von Potsdam mit dem bejubelten greisen Reichspräsidenten Hindenburg und dem sich noch zivil gebenden Kanzler Hitler einen Vorgeschmack auf die furchtbaren Folgen dieser unheiligen Allianz.

Unpolitisch witzig gab sich der Film „Kleine Weltreise durch Berlin“ von 1936, der mit seinen diversen Zeugnissen exotischer Baustile, wie der Russischen Kolonie oder den Holländerhäusern demonstrierte, wie gern die Berliner Potsdams Perlen für sich reklamieren. Exotik pur auch die Rückschau auf die DDR-Vergangenheit mit Mai-Demo und Propagandaparolen. Während der Westen schon 1959 flehentlich um den Erhalt der Innenstadt mit Stadtschloss und Garnisonkirche bettelte, protzte die DDR keine zehn Jahre später bereits mit den Sprengungen der barocken Zentralbauten. Grusel pur, wenn man die stolzen Entwürfe für ein neues sozialistisches Potsdam sieht: Die flächendeckenden Abrisse in der Altstadt und die Errichtung endloser unstrukturierter Betonödnis wurden bei der Kamerafahrt über ein sozialistisches Wunsch-Potsdam-Modell deutlich. Gesichts- und geschichtsloses Einerlei mit riesigen Plätzen zeigten den Horror einer geplanten Modellstadt. (MAZ 15.03.10, lk)

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